Fragestunde mit Carsten Helfmann

Nur wenige Treffer im „Kreuzfeuer“

+
Fragestunde der Kolpingfamilie bringt Carsten Helfmann kaum in die Bredouille. Moderator Jörn Müller und drei Dutzend Gäste fühlten Bürgermeister Carsten Helfmann auf den Zahn.

Eppertshausen - Eine Fragestunde der Kolpingfamilie bringt Bürgermeister Carsten Helfmann kaum in die Bredouille. Von Jens Dörr 

Im Prinzip ist es ausgemachte Sache: Carsten Helfmann, am Donnerstag gerade noch 40, wird am morgigen Sonntag zum dritten Mal zum Bürgermeister Eppertshausens gewählt. Gegenkandidaten für den smarten Christdemokraten fanden sich nicht, mit einer Ablehnung des als beliebt geltenden Rathaus-Chefs ist nicht zu rechnen. Allenfalls die Höhe der Wahlbeteiligung und der Zustimmung für den zweifachen Familienvater und Ex-Sparkassen-Banker erzeugen noch ein wenig Spannung.

Insofern durfte Helfmann ganz gelassen zur Fragestunde der Eppertshäuser Kolpingfamilie kommen, aus der vor drei Dutzend Neugierigen dann eher zwei Stunden wurden. „Carsten Helfmann im Kreuzfeuer“ hatte das Team um den Vorsitzenden Marcus Schledt und insbesondere Schriftführer Jörn Müller, der sich in der Vergangenheit bereits als beredter Moderator der Diskussionsrunden der Kolpingfamilie profiliert hatte, genannt. Der alte und wohl auch neue Bürgermeister bekam dabei nur wenige Treffer ab.

Weder Müller noch die Gäste im kleinen Bürgerhallen-Saal noch jene Eppertshäuser, deren Fragen und Anregungen Müller und Ortsfilmer Günter Maier vorab mit der Videokamera festgehalten hatten, waren allerdings auf Krawall gebürstet - was dem Abend eine angenehme Note verlieh, ohne dass die sachliche, durchaus kritische Auseinandersetzung mit Eppertshäuser Themen auf der Strecke geblieben wäre.

Wichtige Zusammenarbeiten mit den Nachbarn

Der Ausbau des besonders schnellen Internets war dabei eher ein Belang, den die Gastgeber ins Spiel brachten und der kaum Nachfragen mit sich zog. Helfmann stellte zunächst einmal heraus, dass in Eppertshausen „zu 96 bis 98 Prozent“ schon jetzt eine DSL-Geschwindigkeit von 25 MBit pro Sekunde – bezogen auf den Download von Daten, während der Upload in der Regel länger dauert – erreicht werde, man also schon jetzt ein Tempo erreiche, das für den „Hausgebrauch“ selbst in Zeiten steigender Datenmengen recht komfortabel sei. Insbesondere für professionelle Nutzer, die etwa sehr große Datenmengen hochladen müssten, sei das noch verbesserungswürdig. Technische Veränderungen ermöglichten „bis September 2015“ eine Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit in Eppertshausen, kündigte Helfmann an. „Dafür wird jeder zweite Gehweg aufgerissen werden müssen, auf die Gemeinde kommen im nächsten Jahr so voraussichtlich 400.000 bis 500.000 Euro an Kosten zu“, so Helfmann, der den Zusammenschluss mit 18 anderen Gemeinden zum entsprechenden Zweckverband lobte.

Überhaupt werde die Zusammenarbeit mit den Nachbarn in oder außerhalb von Zweckverbänden immer wichtiger und funktioniere auf dem „kleinen Dienstweg“ gerade mit Münster schon recht gut. Als Beispiel nannte er die gemeinsame Finanzierung des Jugendpflegers, aber auch die Kooperation bei den Standesämtern etwa mit Dieburg und Münster. Einen gemeinsamen Bauhof mit Münster hielt Helfmann in absehbarer Zeit hingegen für unwahrscheinlich.

Politiker und ihre Affären

Politiker und ihre Affären

Als in überschaubarem Zeitraum „unrealistisch“ bezeichnete Helfmann unterdessen den Ausbau der Bahnlinie S1 nach Dieburg, kündigte aber Verbesserungen im Fahrplan 2016 für jene an, die ab Eppertshausen gen Norden fahren. Zwischen Eppertshausen und Frankfurt werde es dann mehr Direktverbindungen geben. Dass Helfmann statt „Frankfurt“ im Eifer des Wortgefechts „Darmstadt“ sagte, blieb sein einziger Fauxpas.

Wesentlich häufiger als fragende Gesichter erntete er nickende, selbst wenn er eher Unerfreuliches verkündete. So legte Helfmann dar, dass die Möglichkeiten der Gemeinde bei der Ansiedlung neuer Hausärzte - die beiden jetzigen sind schon im höheren Berufstätigen-Alter - begrenzt sei: „Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen.“ Er selbst sei unter anderem schon auf Kongressen gewesen, habe für Eppertshausen geworben. Vielen sei der Ort aber schlicht zu klein oder zu ländlich. Teils würden sogar Mindestverdienste oder Garantien bei der Anzahl der Privatpatienten erwartet.

Wenig tun könne die Gemeinde auch bei der Videoreklame am südlichen Ortseingang, der viele Autofahrer störe: „Ich bin auch überrascht, dass Hessen Mobil das genehmigt hat“, sagte Helfmann. Man habe die Bedenken der übergeordneten Behörde mitgeteilt, habe nun aber keine weitere Handhabe. „Auf dem Klageweg haben wir keine Aussicht auf Erfolg gesehen.“

Quelle: op-online.de

Kommentare