Stets im Dienst

Jugendpflegerin Stephanie Groh hat den Krebs besiegt

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Stephanie Groh im Eppertshäuser Jugendtreff, ihrem zweiten Wohnzimmer. Die 52-Jährige blieb auch während ihres Kampfs gegen einen aggressiven Brustkrebs stets für die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde da. Nun will sie zudem zu Prävention und Umgang mit der Krankheit beraten.

Eppertshausen - Stephanie Groh ist gläubig, praktizierende Christin. Von Jens Dörr 

Doch vor ziemlich genau einem Jahr geriet sie ins Zweifeln: Nachdem sie eine verdächtige Stelle ertastet und Untersuchungen über sich ergehen lassen hatte, kam per Anruf die schlimme Gewissheit: Brustkrebs, dazu ein besonders aggressiver. Nach einem langen Kampf glaubt sie, ihn besiegt zu haben.

„Ich habe nach oben geblickt und gesagt: 25 Jahre lang habe ich mir den A... für andere aufgerissen. Entweder du holst mich sofort ohne Leiden – oder du gibst mir ein Zeichen, dass ich den Krebs besiegen kann.“ Zwölf Monate später hat die Eppertshäuserin den schwersten Kampf ihres Lebens gewonnen.

Die Erkrankung der 52-Jährigen löste in der 6500-Einwohner-Gemeinde große Anteilnahme aus. Groh ist seit vier Jahren Eppertshausens Jugendpflegerin, dazu Jugendleiterin im Fußball-Verein, aktiv in der Flüchtlingshilfe und überhaupt immer da, wenn Not am Mann ist. „Helfen ist mein Hobby“, lächelt Groh. Bei den Asylsuchenden etwa „bin ich die Frau mit dem weißen und dem weisen Herz“. Zwar wisse sie nicht genau, was die anderen Eppertshäuser in ihr sähen. Doch ist Groh, ursprünglich gelernte Kauffrau, ehe sie vor Jahren noch einmal umsattelte und ihrer Berufung folgte, mit Kindern zu arbeiten, im Ort schlicht als äußerst hilfsbereit und sozial eingestellt bekannt.

Umso mehr freute es sie, als sie in den brutal harten zurückliegenden Monaten selbst extrem große Unterstützung erfuhr. „Jeder hat mit mir gekämpft“, erzählt Groh und muss ein-, zweimal sogar mit den Tränen kämpfen. „Als sich meine Krankheit rumgesprochen hat, ist mein Handy vor Nachrichten explodiert. Auf der Treppe vor dem Haus lag eines Tages ein Meer aus Engeln, Glücksklee und Massagesteinen. Von den Flüchtlingen habe ich viele Einladungen zum Essen bekommen, auch wenn man während der Therapie besonders auf seine Ernährung aufpassen muss.“ Viele hätten sie gefragt, was sie für sie tun könnten. Ihre häufigste Antwort: „Betet für mich!“

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

Einen Tag vor ihrem 51. Geburtstag startete die Bestrahlung. „Ohne Therapie hätte meine Lebenserwartung drei Monate betragen“, blickt die Eppertshäuserin zurück. Nach der zweiten Bestrahlung war der Brustkrebs weg, „nach der vierten Chemo habe ich einen Traum gehabt, der für mich das Zeichen war, dass ich den Krebs besiegen kann.“ Insgesamt wurde Groh 28 mal bestrahlt, im Wochenrhythmus. Und blieb auch in dieser Zeit für die Kinder und Jugendlichen im Ort da: „Ich habe die Bestrahlungstermine immer auf den Freitag gelegt. Am Wochenende konnte ich mich davon erholen, von Montag bis Donnerstag habe ich wieder gearbeitet.“

Selbst von den heftigen Begleiterscheinungen – Haarausfall („Und die Perücke, die ich anfangs getragen habe, hat furchtbar gejuckt, bis ich sie durch ein Tuch ersetzt habe“), kaputte Nägel, chronische Müdigkeit – ließ sie sich nicht unterkriegen. „Ich habe mich gefragt: Willst du überleben? Und was brauchst du zum Überleben?“ Neben dem Glauben, dem eigenen Kampfgeist und der Hilfe von außen lautete eine Antwort: „Die Arbeit ist mir wichtig und gibt mir Kraft.“

Ein Ansatz, der sich auszahlte. Und die medizinische Betreuung durch Grohs Ober-Röder Frauenarzt Timothy Ginn („Ihm verdanke ich mein Leben“) sowie die Behandlung in einem Brustkrebs-Zentrum offenbar optimal ergänzte. Nun ist der Krebs weg, gleichwohl noch fünf Jahre lang alle drei Monate die Kontrolle ansteht, ob er auch wirklich verschwunden bleibt. Auch die Müdigkeit ist noch vorhanden. Was aber nicht heißt, dass Stephanie Groh müde geworden wäre, sich als Jugendpflegerin und in vielerlei Hinsicht darüber hinaus für ihre Mitmenschen einzusetzen (siehe auch Infokasten).

Quelle: op-online.de

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