Frauen in der ersten Reihe

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Gastfreundlich empfangen wurde die Eppertshäuser Delegation von den Offiziellen der Partnerstadt Codigoro. Im Rathaus wurden auch Präsente ausgetauscht.

Eppertshausen/Codigoro - Über ein Dutzend Mal waren Delegationen aus Eppertshausen schon in Codigoro, seitdem die Partnerschaft mit der italienischen Stadt 2002 unterzeichnet wurde. In der Folge florierte der Austausch auch zwischen den Vereinen. Von Michael Just

Mit dem Liederkranz-Frohsinn, der sich 2009 im 130. Jubiläumsjahr befindet, bildete bei der jüngsten Fahrt ein Gesangverein das Rückgrat der Tour. Von den 51 Mitfahrern gehörten insgesamt 34 zum Liederkranz. Ebenfalls mit an Bord: die Offenbach Post. In drei Teilen hat unser Mitarbeiter Michael Just ein kleines Tagebuch zusammen gestellt.

Italia, wir kommen“ – Doch bevor die Ankunft im „Stiefel“ bevorsteht, ist Sitzfleisch gefragt: 13 Stunden dauert die Fahrt an die Ostküste, wo sich der Po und die Adria vereinen. Die Abfahrtszeit ist auf dem Hinweg günstig gewählt: Um kurz nach Mitternacht geht es los, so dass im Bus auch ohne waagrechte Körperhaltung zumindest ein bisschen an Schlaf zu denken ist. Die erste Stunde an Bord beginnt erstmal fröhlich: Mit Achim König, Luzie Mrugalla und Henny Jünger haben gleich drei Codigoro-Fahrer Geburtstag.

Vor allem Henny Jünger hat alles richtig gemacht: Sie verteilt eine Runde Wodka-Feige. „Da sind wir dabei“, ruft eine fröhliche Stimme. Doch schon bald kehrt Ruhe in den doppelstöckigen Bus ein. Wer Glück hat döst bis in die Schweiz am frühen Morgen durch. Bologna Firenze, Roma - die grünen Hinweisschilder nach der italienischen Grenze wecken Sehnsucht, auch wenn das Land und die Felder neben der Autobahn trocken und ausgedorrt sind.

Als bei Modena die Abfahrt für Maranello und damit das Stammwerk von Ferrari mit dem bekannten springenden Pferd angezeigt wird, recken die Männer im Bus den Hals.

Leckere Verpflegung und Drinks

Bei der Feuerwehr haben der lokale Blut- und Organspendeverein einen kleinen Empfang vorbereitet. Es gibt Pizzastückchen, Soft Drinks und Prosecco. Von dem Perlwein gönnt sich manche Damen einen Becher mehr. Kurz darauf bringt der Chor sein erstes Ständchen, nach dem Abendessen werden drei weitere folgen.

Zwei Stunden auspacken und ein wenig Ruhe sind danach im rund zehn Kilometer entfernten Sporthotel angesagt. In Codigoro laufen derweil schon die Vorbereitungen für die „Fiera“, eine Mischung aus Volksfest und Messe. Die ist im Rathaus stets mit einer Reihe von Ehrungen verbunden. Wer dabei ist, erlebt eine mit viel Pathos stattfindende Veranstaltung. Mit einer Scherpe, die die italienischen Nationalfarben ziert, nimmt Bürgermeisterin Dr. Rita Cinti Luciani die Ehrungen vor.

Prächtige Uniformen, etwa von der Polizei oder der Marine, bestimmen das Bild bei den geladenen Gästen. Die Geehrten erhalten Auszeichnungen für viele Dinge: Soziales Engagement, Jugendarbeit, Zivilschutz aber auch für Errungenschaften in der Landwirtschaft, denn die spärlich besiedelte Region Ferrara gilt als eine der Obst- und Gemüsekammern des Landes. Die nächsten Tage passiert der Bus immer wieder kilometerlange Felder, wo aufgetürmte Transportkisten die Größe und das Volumen eines Hauses ergeben.

Eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht

Nach den Ehrungen werden die Eppertshäuser Gäste begrüßt. Ewald Gillner, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, übernimmt das Wort. Als einziger in der Gruppe spricht er ein fortgeschrittenes italienisch. Im Saal lauscht man gespannt den Worten aus Alemania. Die deutsche Delegation übergibt eine Eppertshäuser Fahne und erhält im Gegenzug ein kleines Kunstwerk aus Glas – schließlich ist Venedig und die Glasinsel „Murano“ nicht allzu weit weg. „Mal drauf achten, hier haben die Frauen die Macht“, flüstert der zweite Vorsitzender Peter Noll vom Partnerschaftsverein. Und tatsächlich, an der Stirnseite der schweren, edlen Holztischreihen im Sitzungssaal, die hufeisenförmig aufgestellt sind, haben fast ein halbes Dutzend Frauen Platz genommen, darunter die Bürgermeisterin und die Vize-Bürgermeisterin. „Die Frauen sitzen in der ersten Reihe, die Männer nur außen“, ergänzt Noll. Vom Rathaus geht's nur wenige Schritte zum Club „Nautico“. Der Wassersportclub hat die Eppertshäuser gleich an zwei Abenden im Vereinsheim zum Essen eingeladen. Und auch an den zwei noch verbleibenden Tagen liegen bereits Einladungen zum Abendessen vor. Gekocht wird selbst, die Vereinsmitglieder haben die Kochschürze umgebunden und sind ständig unterwegs, dass es bloß an nichts fehlt. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Eppertshäuser eine Gastfreundschaft erfahren, die ihresgleichen sucht.

Quelle: op-online.de

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