Früher im Sturm, heute in der Abwehr

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Die Alte-Herren-Abteilung des FVE-Eppertshausen auf einen Blick – über 50 aktive und passive Mitglieder hat sie derzeit.

Eppertshausen - „Spiel doch ab!“, ruft Peter „Charly“ Inden und breitet ungläubig die Arme aus, nachdem der Pass nicht gekommen ist. Dafür wird er in der nächsten Situation angespielt: „Charly, ab geht’s!“, ruft ein Zuschauer vom Spielfeldrand und deutet damit an, dass der Weg auf der linken Seite offen ist. Von Michael Just

Dass der Senior mit dem braun gebrannten Teint der älteste Spieler auf dem Feld ist, merken die gegnerischen Akteure nicht: 65 Lenze hat der Eppertshäuser auf dem Buckel und ist damit der älteste Aktive bei den Alten Herren (AH) des FVE.

In diesem Jahr besteht die AH-Abteilung seit 30 Jahren, was am Wochenende mit einem Turnier gefeiert wurde. Zwar gab es vor 1979 schon eine „Alters- und Ehrenabteilung“, doch die löste sich irgendwann auf. So traten Ende der 70er Jahre sieben Mitglieder zur Neugründung an. Mangel an Resonanz besteht seitdem nicht mehr: 55 Mitglieder zählt man heute, mehr als 20 davon schlüpfen noch immer in die Fußballschule. Der Rest nimmt die eher geselligen Angebote war.

Auch mit 65 nur schwer vom Ball zu trennen: Peter „Charly“ Inden.

Von den Gründungsmitgliedern, von denen bereits drei verstorben sind, ist heute nur noch Emil Rudiferia (63) dabei. Sofern es Beruf und Fitness zulassen, kommt er donnerstags zum Training. Seine derzeitige Physis sieht er mit Humor: „Alles ist wie damals, nur etwas langsamer.“ Das Kicken im Alter hat er nie allzu ernst genommen. „Oft sind die AH die lautesten auf dem Sportplatz“, sagt er und meint damit, dass der Ehrgeiz bei vielen über die Jahre eher mehr statt weniger geworden ist. Dabei sollte doch, erzählt der Hobbykicker, „in diesem Alter das Bierchen nach dem Sport doch eigentlich das Schönste sein.“

Dass man eine besonders kameradschaftliche Truppe beisammen hat, unterschreibt jeder der „All-Stars“: Radausflüge und Skifahren gehören zum Programm, im Mai führte sie ein Ausflug nach Düsseldorf. „Früher war es sogar noch besser“, sagt Rudiferia. „Unsere Generation hat noch gesungen.“ Ein Kamerad namens Erwin habe sogar extra eine „AH-Klause“ im heimischen Keller eingerichtet.

Trotz ausgiebiger Geselligkeit wird natürlich auch Fußball gespielt – und das nicht zu knapp. Obwohl es keine Runde gibt, kommt man auf 30 bis 40 Freundschaftsspiele im Jahr, weil es Usus ist, bei einer Einladung gleich das Rückspiel auszumachen. „So geht das nun seit 30 Jahren hin und her, manchmal sogar bis in den November“, erzählt Rudiferia. Vor nicht allzu langer Zeit blieben die AH des FVE 50 Spiele lang ungeschlagen und legten damit eine einmalige Serie hin. „Die Qualität ist besser geworden“, weiß Michael Enders (46). Wollten früher viele Kicker im fortgeschrittenen Alter nicht in der zweiten Mannschaft spielen und erst recht nicht zum „alten Eisen“ der AH gehören, hat sich diese Einstellung gewandelt.

Eine Punktrunde nach Darmstädter Vorbild wolle man aber nicht: „Dann geht’s zur Sache und der Spaß geht verloren.“ Auch Personalmangel ist ein Grund: Angst vor Verletzungen, Familie und immer mehr Zeit für den Beruf führen nicht selten zu Spielabsagen. Vor allem die Verletzungsanfälligkeit nehme im Alter zu. So lasse sich der Kader laut einem der Kicker oft mit „17 und 10“ beschreiben: „17 Spieler und zehn Verletzte“.

Ab 32 Jahren darf man bei den AH spielen. Der Altersdurchschnitt beim FVE beträgt rund 40 Jahre. Bei Alters-Spitzenreiter Charly Inden ist noch kein Ende in Sicht: „Das Sache geht noch gut und ich fühle mich akzeptiert“, sagt der ehemalige technische Kaufmann mit Blick auf die Altersdifferenz von bis zu 33 Jahren, die er aber mit Routine ausgleicht.

Geändert hat sich in den vergangenen Jahren nur seine Position: Für das eine oder andere Päuschen agiert der ehemalige Stürmer jetzt in der Abwehr. Sein Credo: Ein lebenslanges Sportlerdasein macht für die Gesundheit viel aus: „In meinem Alter laufen andere schon gebückt und am Stock.“

Quelle: op-online.de

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