Fürs Kochrezept ins weltweite Netz

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Ob Kochrezepte vom „ARD-Büfett“, Wetterbericht oder Ahnenforschung bei HR 4 – die Möglichkeiten im weltweiten Datennetz sind vielfältig. Beim Kurs der Seniorenhilfe lernen die Teilnehmer, Ängste rund um den PC abzulegen.

Eppertshausen - Kaum ein Dreikäsehoch ist heute nicht fit am Computer. Und bei den Senioren? Da gab es den PC „früher“ noch nicht und so bestehen oft Berührungsängste. Nicht so in Eppertshausen: Aufgrund des großen Interesses hat die Seniorenhilfe nach der Premiere vor zwei Jahren einen neuen Computerkurs für die ältere Generation aufgelegt. Von Michael Just

Wir haben 22 Teilnehmer, die sich zur Hälfte in Anfänger und Fortgeschrittene teilen“, sagt Kursleiterin Sabine Tscherney-Ott. Wöchentlich treffen sich die Computerbegeisterten bis zu den Herbstferien. Wie die zertifizierte EDV-Trainerin sagt, sei derzeit ein Trend bei den Senioren hin zum Computer spürbar: „Viele werden von ihren Kindern oder Enkeln angeleitet.“ Auch der Ehrgeiz spiele eine Rolle: „Die meisten wissen, dass sich heute ohne Computer nur noch schwer in der Gesellschaft mitmischen lässt.“

Ihr ältester Privat-Schüler ist 87 Jahre alt. „Der ist richtig fit in der Tabellenkalkulation. Er hat eine Reihe von Häusern, die er selbst verwaltet“, erzählt die Münsterin. So werde die Angst vorm Computer bei den Senioren stetig weniger. Vorbei sei die Zeit, als es noch regelrechte Phobien nur beim Anfassen der Maus gab: „Man hätte meinen können, die beißt“, blickt die 52-Jährige zurück.

Im Fortgeschrittenen-Kurs ist auch Irene Peters. Sie hat sogar ihren eigenen Laptop dabei. Als Fortgeschrittene sieht sich die ehemalige Reisebürokauffrau, die sich noch gut an ihre alte Schreibmaschine erinnern kann, aber nicht: „Ich kann recht wenig, außer Briefe schreiben.“ Wie sie sagt, sei sie damit aber schon weiter als ihr Mann, der nicht mal wisse, wo man den Computer an und ausmacht. „Er lehnt es ab, das in seinem Alter noch zu lernen. Deshalb mache ich es, einer muss es ja können“, sagt die 68-jährige lächelnd.

Am PC auch schon mit den Nerven am Ende

Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie am PC auch schon mit den Nerven am Ende war. So wie kürzlich, als sie es nicht abstellen konnte, dass jeder erste Buchstabe in der Zeile – auch mitten im Satz – groß geschrieben wurde. „Da wusste ich nicht, wie ich das wegkriege. Noch dauert vieles einfach zu lange und ich kenne die Tasten nicht richtig“, sagt sie. Ans Aufgeben denkt sie trotzdem nicht: „Ich will möglichst viel über das Internet lernen, um zu gucken, was es alles auf der Welt gibt.“

Im Fortgeschrittenen-Kurs geht es ums Dateien erstellen, löschen, umbenennen, verschieben und an verschiedenen Orten speichern. Dazu, eigene Briefvorlagen, Etiketten, Visitenkarten oder auch Tabellenkalkulationen zur Haushaltsplanung oder dem Benzinverbrauch beim Auto zu erstellen.

Wie Tscherney-Ott sagt, spreche man hier von fortgeschrittenen Anfängern: „Viele haben zuhause schon am PC ein bisschen rumprobiert.“ Andere hätten schon einen Kurs gemacht, aber nicht alles behalten. „Ein paar Tipps und Tricks hätten sie gerne nochmal wiederholt“, sagt die Expertin.

Die will auch Gerhard Schmidt (72). „Dann muss ich nicht dauernd meinen Sohn anrufen und ihn Löcher in den Bauch fragen“, sagt der Rentner über Telefongespräche, die dann auch mal eine Stunde dauern. Fit im Internet ist bereits Heidrun Klose (65). Kochrezepte vom „ARD-Buffet“, den Wetterbericht oder jüngst ein Thema zur Ahnenforschung bei HR 4 hat sie schon angeklickt. Ein Handy besitzt sie ebenfalls: „Ich bin eben eine junge Alte“, sagt sie lachend über ihre „neuen Medien“. Wie sie ergänzt, sei der Computer für sie zwar kein böhmisches Dorf mehr, Probleme habe sie aber trotzdem immer. Oft hemme sie die Unsicherheit, eine falsche Taste zu drücken, und dann sei plötzlich der ganze Text weg. So bewege sie sich stets zwischen einer gewissen Hemmschwelle und der optimistischen Ansicht „entweder ich kann’s oder ich kann’s nicht.“

Auch wenn sie die englischen Computerbegriffe wie „User“ und „Firewall“ mittlerweile versteht, mag sie wie Schmidt die Anglizismen nicht: „Wenn so was kommt, da graut es mir immer.“ Das sieht Schmidt genauso: „Das ist englisches Fachchinesisch. Das kann man nicht richtig übersetzen oder im Wörterbuch nachschlagen.“ Mittlerweile hat Klose sogar eine eigene E-Mail-Adresse. Wie sie bedauert, erhalte sie allerdings kaum digitale Post von Freunden oder Bekannten. Die Eppertshäuserin weiß, warum: „In dem Alter wird lieber noch telefoniert.“

Quelle: op-online.de

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