Gänse vertreiben Adebar

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Nilgänse bevölkern die Wiesen entlang der L 3095 zwischen Eppertshausen und Münster, die sich auch von Rindern nicht stören lassen. Störche schmähen in solcher Nachbarschaft die Nisthilfe des Odenwaldklubs.

Eppertshausen/Münster ‐ „Da brat’ mir doch einer ’nen Storch“, mag sich Bauer Hermann Kopp gedacht haben, als er von Adebars Absicht erzählt bekam, auf der vom Odenwaldklub Eppertshausen vor einigen Jahren gebauten Nisthilfe in der Feldgemarkung zwischen Eppertshausen und Münster sesshaft zu werden. Von Thomas Meier

Dort habe man dieser Tage den aus Afrika herein geflatterten Stelzvogel beobachtet. Und wenn der jetzt sein Nest auf dem Stahlmast nahe der L 3095 bezöge, auf der am 29. und 30. Mai die Gewerbemeile von Münster und Eppertshausen tausende Besucher anlocken soll, dann hätten die Veranstalter dort aber ein Problem, meinte der den Storch bei seinen Annäherungsversuchen beobachtende Naturfreund: „Wenn ein Storchenpaar auf der Wiese nebenan brütet, ist es mit lautem Spaß vorbei, dann wird die Gewerbemeile per Naturschutz schallgedämmt“, will er wissen. Nun, sollte dort ein Nachzügler-Storch die bislang noch nie wirklich bezogene Nisthilfe ausbauen wollen und auf die Schnelle auch noch eine paarungswillige Storchenfrau finden, könnte es wirklich Einschränkungen für die große Gewerbeschau geben, weiß Karsten Heinrich, Artenschutzbeauftragter im Amt für Natur- und Umweltschutz im Landkreis.

Zwar toleriert der Storch mit seiner Brut die Nähe des Menschen bis auf wenige Meter Abstand, baut inmitten von Dörfern auf Kaminen und Dachfirsten sein Nest, doch in der freien Landschaft flüchtet er weiterhin auf große Distanz. Und weil der über Jahrzehnte so selten gewordene Gast seit wenigen Jahren in unseren Gefilden wieder heimisch zu werden scheint, soll ungebührlicher Lärm ein Brutpaar im Feld nicht von der Vermehrung abhalten. Doch käme es nur zu Einschränkungen von Amts wegen, wenn Adebar wirklich auf den OWK-Mast zieht.Und dies macht er sicherlich nicht, glaubt Landwirt Kopp, der von seinen umliegenden Feldern das Geschehen rund um die Nisthilfe seit Jahren beobachtet.

Denn ein anderer Gast hat sich in den Wiesen rundherum breit und dem Storch das Brutgeschäft schwer gemacht: die Nilgans.Auch sie kam ursprünglich einmal aus Afrika zu uns herüber, allerdings als von Züchtern umhätschelter Ziervogel für Parkanlagen. In Norddeutschland als Gefangenenvogel einmal entfleucht, machte sich die Halbgans schnell im ganzen Land breit. In Offenbach vertrieb sie am Main fast alle dort brütenden Entenpaare, und auch den Schwänen heizen die aggressiven Neubürger kräftig ein, wenn es um die besten Brutplätze geht.Nun macht es auch keinem Storch mehr Spaß, in der Nähe des hektisch gackernden Federviehs in Eppertshausens Feldgemarkung ein Domizil zu beziehen, das so niedrig gebaut ist wie die Nisthilfe am OWK-Mast. Dort fliegen die Nilgänse nämlich auch drauf. Wenngleich sie hier (noch) nicht selbst brüten, so laden ihre ätzenden Hinterlassenschaften Adebars wahrlich nicht zum Eierlegen im verschmutzten Horst ein.

Bauer Kopp weiß: „Da fliegen die Fetzen, die Gänse verleiden dem Storch jedes Klappern.“ Artenschützer Heinrich kennt das aggressive Gebahren der Neozoen (Neubürger), doch geht man gegen die Nilgänse im Kreis noch nicht vor. Sie sind auch am Kreisamt in Kranichstein heimisch geworden, bevölkern dort den Brentanosee. Doch unterliegt die Nilgans wie alle europäischen Vogelarten dem allgemeinen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie. Sie ist zudem nach Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang III geschützt.Im Kreis brüten in diesem Jahr bislang sieben Storchenpaare. „Über weitere würden wir uns freilich auch freuen,“ sagt Heinrich.

Quelle: op-online.de

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