Gedreht bis zum Schwindel

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An der Kugelbohrmaschine hat sich ein Geselle einst gehörig den Kopf gestoßen, erinnert sich der leidenschaftliche Sammler Robert Scharf. Ein paar seiner Schätze waren bereits im Fernsehen.

Eppertshausen ‐ Wer sich für Geschichte interessiert und alte Gegenstände liebt, ist bei Robert Scharf genau richtig: Der Eppertshäuser hat vielfältige historische Gerätschaften zusammengetragen, vom Rost befreit und wieder in Gang gebracht.  Von Jasmin Frank

In meiner Familie waren von jeher Handwerker, wir hatten auch eine Schmiede. Da sind noch viele Werkzeuge übrig“, erzählt Scharf, der deshalb auch eine detailgetreue und funktionsfähige Schmiedewerkstatt in seinen liebevoll gestalteten Kellerräumen, die mehr als 400 Jahre alte Eichenbalken zieren und stützen, eingerichtet hat. Hier findet sich ein Amboss, der von dem vielseitig begabten Fachmann noch regelmäßig benutzt wird: Er arbeitet gerne mit Kupfer. Aus dem Material stellt er Skulpturen her, Kerzenständer und auch Blumen. „Für eine Feier habe ich mal dreißig Rosen angefertigt und jede der anwesenden Damen hat eine erhalten. Meine Frau natürlich auch“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Seine Ehefrau Marianne kommt nicht ganz so oft in den Keller, in dem Scharf seine Sammlerstücke aufbewahrt. „Ich finde es sehr gut, dass er so ein schönes Hobby hat. Aber das hier ist sein Reich und das muss er auch selbst sauber halten“, sagt sie energisch.

Das fällt dem Elektriker- und Installateursmeister nicht schwer, alles ist blitzblank und ordentlich. In einem Raum befinden sich hauptsächlich Werkzeuge und Hilfsmittel für die Feldarbeit: ein Dreschflegel, eine Kornschaufel und ein Wiesenbeil. „Damit wurden die Ränder der Felder gehackt, damit das Wasser in die Gräben fließen konnte“, erläutert der 70-Jährige, der fast jedes seiner Stücke genau kennt.

Stammbaum brachte ihn auf die richtige Fährte

Von dem ein oder anderen weiß aber selbst er nicht, wofür es eigentlich verwendet wurde, aber das wird er auch noch herausbekommen. „Dieses Gerät hier war für uns lange Zeit unerklärlich, auch mein Großvater wusste nicht, was es ist. Nun habe ich unseren Stammbaum erstellen lassen und dabei kam heraus, dass meine Familie aus der Nähe von Augsburg stammt“, erzählt er. Das brachte ihn auf die richtige Fährte: Dort wurde viel Flachs angebaut und der wiederum wurde mit dem bislang unerklärlichen Gerät verarbeitet.

So wandert er von einem Teil zum nächsten und erzählt voller Begeisterung, was er zu zeigen hat: Die erste Elektroanlage in der Eppertshäuser Gegend, die noch mit viel Porzellan gestaltet wurde und mit Gleichstrom lief, ein Karussellregler, der während des Betriebs in Salzwasser gestellt wurde, damit das Fahr geschäft mehr Geschwindigkeit aufnahm und zahlreiche Werkzeuge, darunter sogar eine Lockenschere und alte Mäusefallen. Zu einigen Stücken hat er eine ganz besondere Beziehung, so manche heitere Geschichte verbindet er mit seinen Schätzen: „Mit diesem Kurbelinduktor kann man Strom erzeugen. Mein Bruder und ich haben als Kinder gekurbelt und dann ausprobiert, wer mehr Strom aushalten kann. Und an dieser Schwungbohrmaschine hat immer einer von uns gedreht, während der andere oben auf dem Rad saß, bis ihm schwindelig wurde. Ach, und an dieser Schwungkugelbohrmaschine hat sich mal ein Geselle gehörig den Kopf angestoßen. Die Kugeln hier oben fahren beim Bohren auseinander“, erzählt Robert Scharf eine Anekdote nach der anderen.

Auch im TV sind seine Sammelstücke zu sehen

Längst findet nicht nur er allein Gefallen an seinem Sammelsurium, auch die Fernsehsendung „Dings vom Dach“ interessiert sich für die einzigartigen Geräte. „Ich habe schon zwei Mal etwas für die Sendung bereitgestellt. Diesen Zigarrenanzünder haben die Kandidaten erraten, aber auf dieses Kammermikrofon sind sie nicht gekommen. Dadurch habe ich 100 Euro als Prämie bekommen“, freut sich Scharf, der selbstredend erklären kann, was das Besondere an dem Mikrofon ist: „Es wurde im Dritten Reich vor den Volksempfänger gestellt, so dass man im Schulhof die Ansprachen hören konnte.

Bereits nach drei weiteren Sammlerstücken haben die Machern der hr-Sendung gefragt. Um welche es sich handelt, verrät Scharf natürlich nicht. Die Auftritte sind dem Eppertshäuser auch nicht so wichtig, viel spannender ist für ihn der Dachboden seines Hauses, auf dem noch Stücke von mehreren Generationen lagern. „Wissen Sie, ich bin hier noch lange nicht fertig“, erklärt Robert Scharf. Die Freude darüber ist ihm anzumerken. Langweilig wird ihm jedenfalls nicht.

Quelle: op-online.de

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