Kreisel vertagt

Gefahrenabwehr am Waldfriedhof

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Auf einem Waldfriedhof lässt es sich nur friedlich ruhen, wenn den Angehörigen keine Äste auf den Kopf fallen. 50 Bäume wurden für die Schaffung der Abteiruhe bereits gefällt.

Eppertshausen - Als relativ kurze und bündige Angelegenheit erwies sich die jüngste Gemeindevertretersitzung im Rathaus. Von Michael Just

Den wohl interessantesten Punkt auf der Tagesordnung, die Errichtung eines Kreisverkehrsplatzes an der Kurt-Schumacher-Straße/Waldstraße, stellten die Volksvertreter zurück. Derzeit liegen noch keine exakten Zahlen vor, wie hoch die Kosten für das Planungsbüro ausfallen. Das erweist sich als Hemmnis für weitere Beschlüsse.

Momentan existiert an der Kurt-Schumacher-/Waldstraße ein Rundverkehr, der keinen echten Kreisverkehr darstellt. Haben im Kreisverkehr die Verkehrsteilnehmer im Inneren Vorfahrt, gilt beim Rundverkehr rechts vor links. Für die SPD ist das ein Sicherheitsrisiko, da diese Regelung nicht allen Auto- und Radfahrern bewusst ist. Die unschöne Optik mit einer nicht geringen Anzahl unschöner Kübel auf der Gasse wird ebenfalls bemängelt.

Mit ihrem Ansinnen konnte die SPD die Gemeindevertretung weitestgehend überzeugen. Für die Umwandlung in einen Kreisverkehr mit dementsprechender Vorfahrtsregelung braucht es unter anderem eine andere Beschilderung sowie eine Bordsteinabsenkung. Vor fast einem Jahr stellten die Gemeindevertreter dafür 3 300 Euro in den Haushalt ein. In den letzten Monaten wurde aber deutlich, dass die Sache zehnmal so teuer wird. Jetzt wird mit Umbaukosten von 30.000 Euro kalkuliert. Deren Einstellung in den Haushalt 2014 wurde nun verschoben. „Die Verwaltung hat von den Ausschüssen den Auftrag erhalten, Angebote einzuholen, wie hoch die genauen Kosten für die Überplanung ausfallen“, erklärte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rainer Eder.

Nicht zurückgestellt, aber heftig diskutiert wurde der geplante Waldfriedhof mit dem Namen „Abteiruhe“. Gegen das Vorhaben der CDU wehren sich die Sozialdemokraten mit Vehemenz. Der Friedwald soll eine Gesamtfläche von 8,4 Hektar umfassen, von denen dann aber nur 0,4 bis 0,5 Hektar für Bestattungen genutzt werden. Manfred Hechler mahnte die Verkehrssicherungspflicht an und damit die Gefahr durch herabstürzende Äste. Dazu müssten viele Dutzend Bäume gefällt werden. Eine besondere Besorgnis äußerte er für die sogenannten Habitat-Bäume. Das sind alte Stämme, die mit ihrem großen Totholzanteil und den Löchern für Vögel und Insekten ein bevorzugter Lebensraum sind. Da das Gebiet Feuchtwald darstellt, geht er von zusätzlich notwendigen Entwässerungsmaßnahmen aus.

Bürgermeister Carsten Helfmann wies alle Einwände zurück. So blieben die Habitat-Bäume, die von Amtswegen geschützt sind, unangetastet. „Dazu gibt es keinen Feuchtwald in dem Bereich, den wir ausgesucht haben“, so der Verwaltungschef. Die Verkehrssicherung sieht der Bürgermeister ebenfalls erfüllt. Deshalb habe man bereits 50 Bäume gefällt und einen weiteren Sicherungsstreifen um den vorgesehenen Bestattungsreich geschaffen.

Der Verkauf der Bäume führt laut Helfmann der Gemeinde 12.000 Euro zu. Wie er ergänzte, wird in der Abteiruhe nach der Umwandlung keine wirtschaftliche Nutzung durch Hessen Forst mehr stattfinden. Auch die Pachtfläche für die Jäger würde um die besagten 8,4 Hektar verringert. Für die noch bevorstehende Umweltverträglichkeitsprüfung sieht Helfmann im Gegensatz zur SPD keine Probleme. So beschloss die CDU-Mehrheit gegen die Genossen die Errichtung der Abteiruhe.

Für die Angehörigen von Verstorbenen wird sich die Urnenbestattung im Friedwald nicht als wesentlichgünstiger erweisen als in einer Urnenwand oder im Boden eines Regel-Friedhofs. Das wird damit begründet, dass der wirtschaftliche Nutzungsausfall des Waldes in die Gebühren einfließt.

Die Gemeindevertreter beschlossen in ihrer Sitzung zudem den Verkauf von zwei weiteren Grundstücken im Park 45 (Siemenstraße 8 und Einsteinstraße 24). Zur Beschlussfassung kam es auch bei der Neugestaltung der nördlichen Ortseinfahrt. Einstimmig sprach sich die Gemeindevertretung für die Schaffung von verkehrsberuhigenden Elementen, wie einer Verkehrsinsel im Bereich der Ober-Rodener und der Urberacher Straße, aus. Die Gesamtkosten belaufen sich hier auf 225. 000 Euro.

Quelle: op-online.de

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