Gegen das Vergessen

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Etwa 70 Bürger wohnten der Veranstaltung in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im Eppertshäuser Rathaus bei.

Eppertshausen ‐ Vor 65 Jahren ging eine grausame Zeit mit der Befreiung von Auschwitz zu Ende. Wenn auch zu spät: Sechs Millionen Juden hatten ihr Leben bereits verloren. Heute ist der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer von Verfolgung und Gewalt im Nationalsozialismus. Von Christina Schäfer

Am Mittwoch luden der Arbeitskreis der Ökumene und die Gemeinde Eppertshausen zur Gedenkstunde. Etwa 70 Bürger nahmen an der Veranstaltung teil. „Die Resonanz zeigt, dass es nicht heißt zu vergessen, sondern zu verarbeiten“, sagte Bürgermeister Carsten Helfmann. Mit der Ausstellung der Darmstädter Geschichtswerkstatt über Karl Plagge, die seit dem 18. Januar im Rathaus-Foyer zu sehen ist, stellt der Arbeitskreis der Ökumene zwar einen Helden in den Mittelpunkt, beleuchtet aber durch ihn Opfer dieser Zeit.

Der aus Darmstadt stammende Karl Plagge war Offizier der deutschen Wehrmacht und hatte die Leitung des Heeres-Kraftfahrparks (HKP) im litauischen Wilna inne. Aufzeichnungen und Erzählungen von Überlebenden belegen, er rettete 250 ihm zugewiesenen jüdischen Zwangsarbeitern das Leben. Sie alle verrichteten kriegswichtige Arbeiten.

Nur noch „Arbeitsjuden“ in Litauen

Auf Initiative der Überlebenden und deren Nachkommen wurde Karl Plagge zum Gerechten unter den Völkern geehrt. Hannelore Skroblies und Christoph Jetter von der Darmstädter Geschichtswerkstatt berichteten bei der Gedenkstunde über Karl Plagge und die Recherchen zur Ausstellung und erinnerten gleichfalls an die Opfer in den Ostgebieten. Es habe damals in Litauen keine Juden mehr gegeben – nur noch die Arbeitsjuden, berichteten Skroblies und Jetter. Karl Plagge habe seine jüdischen Arbeiter menschlich behandelt, würden Aufzeichnungen belegen, so die beiden Referenten. Samuel Bak, er überlebte als Zehnjähriger das Wilnaer Ghetto und das HKP, schrieb in Erinnerung an Plagge: „Ich wünschte, ich hätte ihm sagen können, wie dankbar ich ihm bin.“

Noch bis Mittwoch, 3. Februar, kann die Ausstellung über Karl Plagge im Rathaus besichtigt werden.

Im Dialog beleuchteten die zahlreichen Besucher der Gedenkstunde gemeinsam mit den beiden Referenten, dem Organisationsteam sowie dem evangelischen Pfarrer Johannes Opfermann, dem katholischen Pfarrer Harald Christian Röper und Pfarrer Werner Stoklossa, Bildungsreferent im evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald.

Quelle: op-online.de

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