Feuerwehren proben gemeinsam für den Ernstfall

Geheime Übung im Einkaufsmarkt

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Viel los am gestellten Unfallort: Nur eine falsche Bewegung und die schwer verletzte Bianca Spieß erleidet ihren künstlichen Verletzungen.

Eppertshausen - Die Folgen des Autounfalls sind für Bianca Spieß katastrophal: Sie hat eine Wirbelsäulenverletzung, einen offenen Oberschenkelbruch und ein Schädel-Hirn-Trauma. Von Michael Just 

In der Medizin wird in solchen Fällen von einem Polytrauma gesprochen, was bedeutet, dass von den in verschiedenen Körperregionen auftretenden Verletzungen mindestens eine lebensbedrohlich ist. In der Kombination können es auch alle sein. „Wer jetzt meinen Körper falsch anfasst, kann mich schnell umbringen“, sagt die 24-Jährige.
Dass sie überhaupt noch sprechen kann rührt daher, dass das Szenario am Donnerstagabend auf der Eppertshäuser Hauptstraße nur eine Übung ist, bei der Spieß als Statistin mitwirkt. Für die Alarmübung der Feuerwehren Eppertshausen und Münster sowie der Johanniter-Unfall-Hilfe Dieburg rückte ein alter Einkaufsmarkt in den Mittelpunkt. Nachgestellt wurde ein Unfall: Ein Auto, das von der Straße abkam und in das Gebäude fuhr. Parallel entstand durch das anschließende Durcheinander im Markt ein Feuer. So mussten die Blauröcke nicht nur zwei eingeklemmte Personen aus dem Auto schneiden – darunter Bianca Spieß – sondern parallel auch noch den Brand löschen sowie zehn vermisste Personen ausfindig machen.

Eine Maschine sorgte für künstlichen Nebel, der auch den ein oder anderen Autofahrer in der Haupt- und in der Friedhofstraße verwirrte.

„Die Schwierigkeit liegt darin, dass mit dem Brand und dem Unfall zwei Herausforderungen parallel auftreten“, so Einsatzleiter Marius Murmann. Eine Alarmübung findet einmal im Jahr unter möglichst realistischen Bedingungen statt. Des Weiteren ist kennzeichnend, dass das Gros der Einsatzkräfte nicht eingeweiht ist sowie mit Blaulicht und Horn angefahren wird. In der Regel wird die Alarmübung mit den Kollegen aus Münster gestaltet. Sie werden am Tage, wenn viele Retter beruflich beschäftigt sind oder der Einsatz sich als größer erweist, automatisch hinzugerufen.

Der Einkaufsmarkt steht seit fast 15 Jahren leer und bot sich als Übungsobjekt an. „Sein Abriss steht in den nächsten Monaten bevor“, erklärt Bürgermeister Carsten Helfmann. Das Areal wurde bereits von der Gemeinde erworben und ist für neue Parkplätze vorgesehen. Während des Einsatzes lief die Nebelmaschine auf Hochtouren und war so produktiv, dass sich in der Haupt- und in der Friedhofstraße dicke Schwaden über den Asphalt legten. So mancher Autofahrer zeigte sich über den plötzlich auftretenden „Herbstnebel“ im Ort verwirrt. Der simulierte Rauch trug ebenso zu einer realistischen Darstellung bei, wie der nach 19 Uhr immer noch reichlich auftretende Autoverkehr, den es am Einsatzort vorbeizuleiten galt.

Übung der Feuerwehren Eppertshausen und Münster: Bilder

Ein besonders dickes Lob hatten die Mitglieder der „Realistischen Unfall-Darstellung Darmstadt-Dieburg“ verdient. Die RUD ist eine Unterabteilung bei den Johannitern mit über 25 Personen. Das Wissen, wie Verletzungen täuschend echt mit Farbe und weiteren Hilfsmitteln aufgetragen werden, wird intern gelehrt und weitergegeben. Über 30 Mal im Jahr sind die Mitglieder im Einsatz und reisen dafür unter anderem bis nach Frankfurt oder Mainz. In Eppertshausen traten fünf von ihnen als Verletzte auf, die von einem verbrannten Arm bis hin zum offenen Schenkelbruch auf Hilfe warteten. Hinzu kamen drei Dummys. Bei Bianca Spieß war die Gefahr besonders groß, viel falsch zu machen. Von der Vakuum-Matratze bis zum Bein-Board mussten die Mitglieder der Feuerwehr für ihre Erstversorgung an vieles denken. Auf Nachfrage, ob alles richtig gemacht wurde, gab es von der 24-Jährigen ein „Ja“. Zwar habe die Sache etwas länger gedauert, aber die Handhabe sei grundlegend richtig gewesen und hätte ihr wohl so das Leben gerettet.

An diesem Wochenende führt die Jugendfeuerwehr Eppertshausen einen 24-stündigen Berufsfeuerwehrtag durch. Die Jugendlichen werden heute um 12 Uhr zu ihrem 24-Stunden-Dienst antreten und das Leben der Berufsfeuerwehr spielen.

Quelle: op-online.de

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