Beschluss vor zehn Jahren: Bau der Bürgerhalle

Öffentliche Liegenschaften: Gemeinde schießt täglich 780 Euro zu

+
Der kleine Saal der Bürgerhalle in Eppertshausen ist 180 Quadratemeter groß. Wie zum Beispiel bei der Faschingsbörse wird er zusammen mit dem großen Saal genutzt. Dann wird der kleine Saal zur Cafeteria.

Sie machen einen wichtigen Teil des Freizeitwerts einer Gemeinde aus: öffentliche Liegenschaften, etwa Bürgerhallen, Sportstadien oder Freizeitzentren. Auch Münster und Eppertshausen haben diesbezüglich einiges vorzuweisen.

Eppertshausen – Doch wer nutzt diese Objekte und was kosten sie? Wo stehen in näherer Zukunft womöglich Veränderungen an? Unsere Zeitung hat sich die markantesten Liegenschaften in beiden Kommunen näher angesehen und beleuchtet sie in loser Folge näher.

Wer montags bis freitags ab 17 Uhr in der Eppertshäuser Bürgerhalle vorbeischaut, der kann darauf wetten, dass dort was los ist: Ab diesem Zeitpunkt ist die gute Stube der Gemeinde unter der Woche täglich belegt. Was mit Ausnahme des Freitags auch für die früheren Nachmittagsstunden gilt und während der Schulzeit zudem für den Vormittag. Vor zehn Jahren fällte die Gemeindevertretung den Neubau-Beschluss für die Halle, die seit etwas mehr als sieben Jahren in Benutzung ist.

Mangelnde Nachfrage muss die Gemeinde kaum beklagen – und das trotz selbst gewählter Einschränkungen. „Bereits vor zehn Jahren, als wir über den Bau beraten und beschlossen haben, war unser Ansatz ganz klar, dass die Bürgerhalle für die Eppertshäuser und die hiesigen Vereine da ist“, blickt Carsten Helfmann, auch damals schon Bürgermeister, zurück. Die Vereine können die Halle gratis nutzen, mit Ausnahme eines Entgelts für die Reinigung. Sich einmieten können darüber hinaus nur Einwohner aus Eppertshausen sowie ortsansässige Unternehmen und Institutionen. Auch wer die 400 Euro Miete für den großen Saal – 400 Quadratmeter plus 130 Quadratmeter Bühnenfläche, maximale Kapazität bei Bestuhlung 500 Personen – oder die 300 Euro für den kleinen Saal (180 Quadratmeter) als Auswärtiger zu zahlen bereit ist, hat keine Chance auf Einlass.

Wobei im Gebäudekomplex, in dem auch eine 50 Quadratmeter große Küche, ein 70 Quadratmeter großer Thekenbereich, ein 110 Quadratmeter großes Foyer, Kühlhäuser, Toiletten und Garderoben sowie gen Bolzplatz hin der Jugendtreff der Gemeinde untergebracht sind, ohnehin selten etwas frei ist. Vormittags ist die benachbarte Stephan-Gruber-Grundschule der wichtigste Nutzer; die SGS nutzt den großen Saal insbesondere zum Sport. Wobei es hier Einschränkungen gibt, Fußball oder Handball darf dort nicht gespielt werden. Bälle fliegen aber durchaus, so beim Tischtennis-Training des TTC Eppertshausen. Dauernutzer sind auch die Kita „Sonnenschein“, der Fußball-Verein mit seiner Gruppe „Der bewegte Mann“, Tanzgruppen der FVCA-Fastnachter und der GKV Lotus.

Außerdem werden großer und kleiner Saal pro Jahr etwa 40- beziehungsweise 20-mal für Veranstaltungen belegt. Sie reichen von den Fastnachtssitzungen des FVCA über den „Odenwälder Abend“ des OWK und die Bürgerversammlung der Gemeinde bis hin zur Kreuzfahrtmesse oder der Weihnachtsfeier von Habasit. Einzig zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt die Liegenschaft, die 2018 noch einen Buchwert von vier Millionen Euro besaß, geschlossen.

Während Licht- und Tontechnik in jüngerer Vergangenheit nachgerüstet wurden, gilt besonders im Sommer und bei publikumsträchtigen Ereignissen wie der „Mai-Fire“ der Feuerwehr eine bessere Klimatisierung und Belüftung der Bürgerhalle als wünschenswert.

Programmatisch hält sich die Gemeinde mit eigenen Akzenten weitgehend zurück. „Dem ein oder anderen würde sicher etwas mehr Kleinkunst gefallen“, weiß auch Helfmann.

Veranstaltungen von Vereinen organisiert

Denn Comedy, Kabarett oder Zauberei haben Seltenheitswert, werden – wenn überhaupt – nur von den Vereinen organisiert. Anders als in Münster, wo die Gemeinde in ihrer Kulturhalle unter Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Lange und mit Unterstützung von Bürgermeister Gerald Frank 2014 ein ganzes Kulturprogramm mit teils hochkarätigen Künstlern aus der Taufe hob. Derlei ist laut Helfmann vom Eppertshäuser Rathaus nicht geplant: „Da könnte es Gegenwind aus den Vereinen geben. Mit deren Veranstaltungen wollen wir nicht in Konkurrenz treten.“

Unter dem Strich ist dennoch ziemlich viel los in der Bürgerhalle, was freilich auch Auswirkungen auf andere Orte in Eppertshausen hat: „Einiges hat sich vom Haus Westermann, dem Franz-Gruber-Platz und dem Haus der Vereine hin zur Bürgerhalle verlagert“, hat Helfmann festgestellt. Die noch immer ziemlich neue Halle bietet durch den Codigoro-Platz auch die Chance, Veranstaltungen gleichzeitig drinnen und draußen durchzuführen oder Besucher draußen zu bewirten, aber drinnen die Infrastruktur wie Küche, Schankanlagen und Toiletten zu nutzen.

All das will bezahlt sein, was in Eppertshausen die Steuerzahler in ihrer Gesamtheit übernehmen: Bei rund einer Viertelmillion Euro (darunter 80 000 Euro für Abschreibungen) und somit rund 780 Euro pro Tag liegt der Zuschuss der Gemeinde für einen ihrer Dreh- und Angelpunkte. Daran, dass das Geld letztlich gut investiert ist, hegen trotz der finanziellen Belastung nur wenige ihren Zweifel.

Von Jens Dörr

Lesen Sie dazu auch: Glasfaser-Nachfragebündelung frühestens Ende des Jahres - Außerdem: Kleine Schritte für besseres Eppertshausen

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare