Mit Generalkonsul, Tanz und Reistafel

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Sogar Organisatorin Hülya Lehr zeigte sich überrascht von den 220 Menschen, die zum Abend mit dem Thema Bali und Indonesien in die Eppertshäuser Mehrzweckhalle gekommen waren.

Eppertshausen - Reichlich südostasiatischer Trubel hielt in die Eppertshäuser Mehrzweckhalle Einzug: Gleich am Eingang wurden die Besucher von zwei Elefantengottheiten, sogenannten Ganesha-Statuen unter Baldachinen begrüßt, Balinesen hießen Willkommen. Von Alexander Klug

220 Menschen fanden sich zum Spektakel aus der Inselwelt des Indischen Ozeans ein. „Wir hatten mit höchstens 70 Besuchern gerechnet“, sagt Organisatorin Hülya Lehr verblüfft. Die Schirmherrschaft über den Abend hatte Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann übernommen.

Gleich in der Nähe des Eingangs verbreitete sich der Duft der balinesischen Reistafel – Köchinnen von der Insel auf der anderen Seite der Erdkugel boten dort landestypische Stärkungen an, was viele Besucher bereits den ersten Stopp einlegen ließ.

Dank und Anerkennung ließ Hülya Lehr den beiden balinesischen Köchinnen (von links) Sian und Rini zuteil werden.

Außer zahlreichen Gästen aus Eppertshausen und Münster – am dortigen Rathausplatz betreibt Lehr ihr Kunstgeschäft „Darmadi Arts“ – war auch diplomatischer Besuch in die Mehrzweckhalle gekommen: Der derzeitig kommissarische Generalkonsul der Republik Indonesien, Diddy Hermawan, war von Frankfurt nach Eppertshausen gereist und hielt eine Rede.

Darin hob er die Bedeutung des Themas der Veranstaltung „Einheit durch die Vielfalt der Kulturen“ hervor. „Als ein Land, das aus mehr als 17 000 Inseln besteht, gehört natürlich nicht nur Bali zu Indonesien. Indonesien besteht darüber hinaus aus Tausenden von anderen Inseln mit einer Vielfalt von Natur und Kulturen, die allesamt nicht weniger anziehend sind. Indonesien hat 238 Millionen Einwohner, die 300 verschiedenen ethnischen Gruppen angehören und mehr als 350 unterschiedliche Sprachen und Dialekte sprechen“, erläuterte der Leiter des Generalkonsulats. Dabei müsse man auf die einzelnen Ethnien Rücksicht nehmen, denn sie hätten verschiedene Bräuche, Angewohnheiten und Charaktere.

„Trotzdem ist sich die indonesische Bevölkerung bewusst, dass die Einheit das Hauptkapital für den Fortschritt als große Nation ist, auch wenn die Mitglieder dieser Nation einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund haben.“

Auch Organisatorin Hülya Lehr sprach zu ihren zahlreichen Gästen – sie zeigte sich ergriffen vom großen Andrang zu der Premierenveranstaltung. Sie ging auf die Freiheiten in der westlichen Welt ein: „Heute steht der Europatag im Kalender, der an die Idee zur Schaffung einer Europäischen Union 1950 erinnert. Einen Tag zuvor gedenken wir dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai des Jahres 1945. Dass ich heute als Türkin mit deutschem Pass vor Ihnen stehe und über Indonesien berichten kann, haben wir der Liebe zum Frieden hier zu verdanken.“

Besucher ab 70 Jahren hatten an diesem Abend freien Eintritt. „Sie sind es, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg für den Aufbau der Demokratie und des Friedens eingesetzt haben“, sagte Hülya Lehr. „Gerade am Tag nach dem Jahrestag der Kapitulation möchten wir den Betroffenen aus dieser Zeit so unsere Dankbarkeit zeigen.“

Doch ging es wahrlich nicht nur staatstragend zu in der vollen Halle: Die balinesischen Tänzer eroberten die Aufmerksamkeit der Besucher schnell mit Kostümen und traditionellen Tänzen. Mit indonesischen Pop-Songs begaben sich die Besucher auf eine Phantasiereise durch den Archipel Indonesien. Dabei tippte so mancher mit den Füßen im Takt.

Aryani Kriegenburg von der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft brachte in ihrem Vortrag einiges über das Leben auf Bali und dem Verhältnis der Religionen zueinander zum besseren Verständnis. „Gott hat verschiedene Namen und verschiedene Gesichter, dennoch ist es nur einer“, führte sie aus.

Hülya Lehr nahm das Thema auf und sprach von ihrem Bestreben, die Einheit aller Glaubensrichtungen zu zeigen und dabei besonders für mehr Verständnis für Islam, Hinduismus und Buddhismus hinzuwirken. „Indonesien ist ein islamisches Land und dazu noch ein Vielvölkerstaat“, erläuterte die Deutsch-Türkin. Trotzdem funktioniere das Zusammenleben der Kulturen dort heute gut“, meinte Hülya Lehr.

Die Einnahmen aus den Eintrittskarten von 1 000 Euro übergab die Organisatorin noch am selben Abend an David Baier – der an Spinaler Muskelatrophie erkrankte Junge aus Eppertshausen war vor kurzer Zeit Halbwaise geworden.

Quelle: op-online.de

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