Generationenübergreifender Bewegungs-Spielplatz

Bürger pro Parcours

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Mobilmachung für den Senioren-Bewegungsparcours: Viele Eppertshäuser verstehen nicht den in ihren Augen ungerechtfertigten Protest gegen die Neuerung am Fuß- und Radweg entlang des Neubaugebietes Im Eichstumpf.

Eppertshausen - Teilweise hochroten Kopfes stehen die Versammelten neben dem erst im August errichteten Bewegungsparcours am Rand des Neubaugebietes Im Eichstumpf. Von Thomas Meier 

Die Gesichtsfarbe stammt nicht etwa daher, dass sie sich gerade ausgetobt hätten an Schulter-, Rücken- oder Ganzkörpertrainern. Nein, die knapp 20 Anwohner aus dem Failisch und aus benachbarten Straßen sind erzürnt über einen Teil ihrer neuen Nachbarschaft. Die wetterte bereits vor der Eröffnung des auf Initiative der Kolpingfamilie entstandenen generationenübergreifenden Bewegungs-Spielplatzes gegen solche Neuerung. Ruhestörung durch Zweckentfremdung und randalierende Jugendgruppen würden mit dem überwiegend für Senioren geschaffenen Platz einhergehen, fürchteten sie. Dennoch gaben die Gemeindevertreter dem Kolpingprojekt, das von zahlreichen heimischen Sponsoren unterstützt wurde, ihren Segen. Weil aber vier Anliegerparteien ihre Befürchtungen bestätigt sehen und „missbräuchliche Nutzung der Geräte“ ausgemacht zu haben glauben, schalteten sie einen Rechtsanwalt ein. Die Gemeinde solle den Parcours wieder vom Standort entfernen.

Zehnmal mehr Bürger unterzeichneten, entsetzt darüber, daraufhin eine Unterschriftenliste und gaben sie im Rathaus ab. Sie sind sich sicher, wenn es drauf ankommt, noch viel mehr Unterstützer für den Erhalt des Parcours mobilisieren zu können. Als sich die Neubürger kürzlich auch noch über eine Zeitung an die Öffentlichkeit wandten, „Störenfriede am Seniorenplatz“ ausmachten, von Lärmbelästigung sowie „wilden Partys“ berichteten, war es den „Alteingesessenen“ genug. Sie starteten ihre Gegenoffensive und wenden sich jetzt ihrerseits an die Öffentlichkeit.

Früher keine Probleme mit Lärmbelästigung

Ludger Törner und Peter Wertge präsentieren das Schild mit den Verhaltensregeln für den neuen Bewegungsparcours, der erst ab 14 Jahren und nur von 8 bis 20 Uhr genutzt werden darf.

„Dieser Weg zwischen dem alten Ortskern und dem Gebiet Im Failisch, der früher als Verbindungs-, Schul- und Landwirtschaftsweg diente, wurde früher noch viel stärker genutzt als heute“, sagen die Fans des Bewegungsparcours. Heinz Witzel, selbst Nutzer der Neuerung („Nicht auf allen Geräten turne ich herum. Aber auf fast allen...“), sagt, früher habe es keine Probleme mit Lärmbelästigung oder gar wilden Partys gegeben, und heute auch nicht. Und Annemarie Gyuroka ergänzt: „Am 21. September soll angeblich eine Party am Parcours gefeiert worden sein. Alles, was als Hinterlassenschaft dazu angeführt wird, sind eine Flasche Sekt und drei leere Tüten Chips. Das kann doch nicht unter randalierender Jugend und wilden Partys gemeint sein.“ Diese Äußerungen stehen freilich in Kontrast zu den Beobachtungen der vier Beschwerdeführer. Nicht nur, dass sie Lärm beklagen (weswegen schon eine Schallmessung von der Gemeinde fürs Frühjahr veranlasst worden ist: Solche Messung erfasse nicht die psychischen Belastungen, führen sie Pöbeleien durch Jugendliche an.

Von Partys und pöbelnder Jugend wollen die Pro-Parcours-Eppertshäuser nichts bemerkt haben. Und schon gar nicht sind sie der Auffassung, dass die Beschwerdeführer sich das Recht herausnehmen dürften, jeden Passanten von ihren Grundstücken heraus „zu Beweiszwecken“ zu filmen oder zu fotografieren. So sei es beispielsweise an einem Sonntagnachmittag geschehen, dass sich rund zehn erwachsene Eppertshäuser nahe der großen Bank am Parcours zufällig getroffen hätten. „Und wie’s so ist, da haben wir ein Schwätzchen gehalten. Wie seit ehedem, bevor der Bewegungskram da kam. Und wie wir so schwätzen, bemerkt einer von uns, dass wir von einem Grundstück von einer Person hinterm Busch heraus gefilmt werden. Das gehört sich doch nicht“, ärgert sich eine „Alt-Eppertshäuserin“.

Auch die von der Gemeinde aufgestellten Schilder vor und nach dem Bewegungsparcours bringen Bürger auf die Palme. Da werde genau reglementiert, von wann bis wann man auf die installierten Gerätschaften dürfe, und wie alt man mindestens sein müsse. „Das ist hier zum Benutzen da. So fühl ich mich ja völlig gegängelt“, klagt etwa Heinz Witzel. Wenn man dem Reglementierungszwang jetzt nicht Einhalt gebiete, laufe man Gefahr, dass auch bald der ebenfalls am Radweg etwas oberhalb vom Parcours liegende Kinderspielplatz geschlossen werde wegen lärmender Kinder, fürchten die Bürger. Eine Kindergruppe mit Erzieherinnen habe es kurz nach Eröffnung gewagt, ein Picknick am neuen bewegenden Areal zu veranstalten. Die Gemeinde habe dann Schulen und Kindergärten angeschrieben, dies zu unterlassen, wollen sie wissen. Und sie versichern, weiter für des Erhalt ihres Bewegungsparcours einzutreten.

Quelle: op-online.de

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