Konzert der Germania

Dirigent brilliert auf „altem Freund“

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Zur 20-jährigen Leitung der Germania an die musikalischen Anfänge erinnert. Hans Dieter Müller feierte sein 20-jähriges Chorleiterdasein bei der Germania mit einem Konzert. Mit dem Männerchor gestaltete er, wie hier am Klavier, den Großteil der Auftritte.

Eppertshausen - Überraschungen sind immer gut: Zu seinem Konzert hatte der Chorleiter der Germania, Hans Dieter Müller, gleich zu Beginn eine solche parat, als sich zeigte, dass er den ersten Programmpunkt absichtlich im Heft außen vor gelassen hatte. Von Michael Just 

Beim Öffnen des Vorhangs saß der Eppertshäuser ganz unerwartet am Flügel und spielte die Pop-Ballade „Music was my first Love“ von John Miles. „Überraschung geglückt!“, ließ sich daraufhin nur sagen, denn mit diesem treffenden Klassiker an seine erste Liebe berührte Müller gleich zu Beginn emotional das Publikum und sicherte sich Gunst und Sympathie der über 300 Besucher für den weiteren Abend.

Unter der Ankündigung „Music and Friends“ feierte der 58-Jährige in der Bürgerhalle seine 20-jährige Zusammenarbeit mit der Germania. Neben dem Männerchor und dem Ensemble Musica gehörten zu den Freunden Andrei Morozow, Irina Yafiimava und das Vocalensemble „Incognito“. Den Abend bestimmten Lieder, mit denen der beliebte Chorleiter Stationen und Meilensteine seiner musikalischen Biografie verbindet. Im Stile eines Conferenciers stellte er viele Geschichten und Anekdoten informativ und unterhaltend vor, ohne dabei in Längen zu verfallen.

Musikalische Laufbahn begann mit Klaviervortrag

Dabei vergaß er einen seiner frühesten „Freunde“ nicht: Es ist der altehrwürdige Flügel der Mehrzweckhalle, der jetzt in der Bürgerhalle steht. „An ihm begann vor 50 Jahren meine musikalische Laufbahn im Grundschulalter mit einem kleinen Klaviervortrag“, berichtete Müller. In der Folge ließ er das Publikum daran teilhaben, wie der Gründer und Dirigent des Kammerchors Hausen, Robert Pappert, sein Ziehvater wurde, wie er durch dessen Abwesenheit in Hergershausen zum Aushilfsdirigenten avancierte („du spielst Klavier, also kannst du auch dirigieren“) und wie man einst neue Sänger gewann. So bekamen die jungen Mitglieder der Germania für jeden neuen Mann, den sie warben, vom Verein einen Bembel mit Äppelwoi gestiftet. „Da wir sehr viel Durst hatten, brachten wir fortlaufend neue Sänger. Heute ist das nicht mehr ganz so einfach“, räumte Müller ein.

An seine unzähligen Konzertreisen als Sänger und Dirigent, etwa nach St. Petersburg, Israel oder Spanien, erinnerten die Stücke „Tebje pojem“ und „O bone Jesu“. Ein halbes Dutzend Sprachen, darunter slowenisch, englisch, italienisch, lateinisch und russisch, klangen durch die Bürgerhalle und machten die weltweite Konzerttätigkeit Müllers, die er vor allem mit dem Kammerchor Hausen und als Musiklehrer an der Darmstädter Wilhelm-Leuschner-Schule absolvierte, deutlich.

Stimmgewaltig: Andrei Morozow von der Staatsoper Minsk

Mit Andrei Morozow stand ein besonders charismatischer Interpret auf der Bühne: Bei dem Sänger der Staatsoper Minsk vibrierte der gesamte Körper, als er stimmgewaltig zu Georges Bizet „Agnus Dei“ ansetzte.

Beeindruckend präsentierte sich „Incognito“, ein kleiner, privater Kreis von elf weiblichen und männlichen Sängern mit wunderbaren Stimmen. Deren zwei Leiter, Ulrike Pantzner und Hans Dieter Müller, stehen bei Auftritten nicht vor dem Chor, sondern gehen als Sänger darin auf. Incognito sang im ersten Teil drei Kirchenlieder. Sie wiesen auf die Tätigkeit des Jubilars als Organist sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirchengemeinde in Eppertshausen hin.

Nach der Pause blieben vor allem die beschwingten Stücke wie „Schwefelhölzle“ oder „Die Martinsgans“ in Erinnerung. Die stets gehalt- und stimmungsvolle Programmauswahl der musikalischen Zeitreise bescherte Hans Dieter Müller und seinen Gästen einen minutenlangen Schlussapplaus und die Erkenntnis, dass die Germania stolz sein kann, von diesem Chorleiter betreut und angeleitet zu werden.

Eine Überraschung setzte der 58-Jährige ebenfalls ans Ende von „Music and Friends“, als er die männlichen Nicht-Sänger im Publikum fragte, ob sie in den letzten 20 Jahren vielleicht etwas verpasst haben – und ob es jetzt nicht endlich an der Zeit wäre, einem Chor beizutreten...

Quelle: op-online.de

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