Gegen die Überalterung an

Germania auf Rekrutierungstour

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Die Begeisterung für den Chorgesang sprang bei der offenen Singstunde in der Bürgerhalle rasch über – verantworlich war der passionierte Germania-Dirigent Hans Dieter Müller.

Eppertshausen - Singen stärkt das Herz, senkt den Blutdruck und fördert die gute Laune. Das allein wäre schon ein hinreichender Grund, um dem Gesangverein Germania beizutreten. Von Ursula Friedrich

Doch es gibt weitere: Die muntere Gemeinschaft dreht derzeit stark die Werbetrommel für ihren Chor, der neben dem Singen auch einen gesellschaftlichen Anker hat und eine schöne Gemeinschaft bildet. Chorleiter Hans Dieter Müller war voll im Element. In einer offenen Singstunde bestach er kürzlich nicht nur mit seinem Können als Chorleiter, sondern ließ den Funken der Begeisterung und Leidenschaft überspringen. Da fühlten sich nicht nur rund 60 Männer im Saal der Bürgerhalle angesprochen, auch die Frauen sangen mit. Dabei ist Singen bei der Germania seit ihrer Geburtsstunde am 15. Oktober 1890 Männersache.

44 Herren singen derzeit im Chor, 16 in dem kleinen Ensemble Musica, das sich 1981 gründete. „Unser Problem ist, dass wir derzeit einfach überaltert sind“, sagte Vereinschef Hans Müller. Derzeit liegt der Altersdurchschnitt bei rund 60 Jahren. Nun geht die Germania in die Offensive, um neue Mitglieder zu werben. Mit Zeitungsannoncen, einem neuen Internetauftritt, Flyern, persönlicher Ansprache und einer Einladung zum Schnuppernachmittag. Immerhin sieben Neulingen mischten sich in die Reihen der alten Hasen, intonierten Leonhard Cohens „Halleluja“ und „Sugar Baby“.

„Bei uns lernt man das Singen von der Pike auf, solide und a capella“, sagte Germania-Chef Hans Müller. Das Repertoire des Chores reiche von traditionell bis klassisch und ist auch mal ganz modern. Um neue Mitglieder zu werben, lässt das motivierte Vorstandsteam nichts unversucht. Sogar als Chauffeur lassen sie sich verpflichten, um neue Mitstreiter persönlich zur Singstunde zu fahren. Weiteres Bonbon: Im ersten Jahr ist die Mitgliedschaft beitragsfrei. „Männerchor am Scheideweg, diese Schlagzeilen füllen regionale und überregionale Zeitungen“, beklagte Hans Müller. Liegt es an den gesellschaftlichen Veränderungen oder an den Chören selbst, dass sich ihre Reihen lichten? „Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte“, meinte der Vereinsvorsitzende. Die Germania unternimmt einen großen Kraftakt, um das Ihre zum Wachstum beizusteuern.

Ob sie damit an Höhenflüge wie in der 50er Jahren anknüpft, als fast 90 Männer den Chor bildeten, ist zwar ungewiss. Doch Interessenten sind da, die es nun auch menschlich zu integrieren gilt. „Wir fördern auch das Wir-Gefühl“, brach Müller eine Lanze für den Chorgesang, der nicht erst 2015, wenn die Germania ihr 125-jähriges Bestehen feiert, wieder groß rauskommen soll. Schnupper-Singstunden sind immer möglich. Geprobt wird montags in der TAV-Halle Eppertshausen; ab 19 Uhr „Musica“, ab 19.45 Uhr probt der Gesamtchor - Informationen auf der Homepage.

Quelle: op-online.de

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