Busfahrer aus Eppertshausen vor Gericht

Glaubwürdigkeit der Aussage entscheidend

Darmstadt/Eppertshausen - Freiheitsberaubung und Nötigung – so lauten die Tatvorwürfe, wegen denen sich derzeit ein 37-jähriger Mann aus Eppertshausen vor dem Darmstädter Landgericht verantworten muss.

Im Kern geht es um den Vorwurf sexueller Übergriffe auf einige zum Tatzeitpunkt noch minderjährige Mädchen in dem Linienbus, den der gebürtige Kosovare seinerzeit als Fahrer steuerte. Inzwischen steht allerdings auch der Tatvorwurf erzwungenen Oralverkehrs – also vollendeter Vergewaltigung – im Raum. Die Sache ist schon mal verhandelt worden – Ende 2012 vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Dieburg. Erst im Verlauf dieser Verhandlung hat dann eines der mutmaßlichen Opfer von einem erzwungenen Oralverkehr berichtet, was Jugendrichter Thomas Roth bewog, das Verfahren angesichts des möglichen Strafmaßes an das Landgericht Darmstadt zu überweisen.

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Busfahrer aus Eppertshausen bestreitet Belästigung

Von dieser mutmaßlichen Vergewaltigung war in Staatsanwältin Sandra Scheffels Anklageschrift zunächst einmal gar nicht die Rede. Geschildert wurden – aus Sicht der mutmaßlichen Opfer – drei Vorgänge aus den Jahren 2010 und 2012. Im April 2012 soll der Fahrer in zwei Fällen an der Endhaltestelle der Linie 671 im Groß-Umstädter Stadtteil Heubach Mädchen im Tennager-Alter durch Verschließen der Türen im Bus festgehalten und sich ihnen körperlich genähert haben. Die mutmaßlichen Opfer schilderten jetzt vor Gericht Griffe an Po und Brust, Versuche, die Oberbekleidung herunterzustreifen, Versuche zu küssen. Durch ihre Anzeige kam das Verfahren ins Rollen. Die mutmaßliche Vergewaltigung liegt schon länger zurück. Es geht dabei um Vorgänge im Jahr 2010. Die heute 20-jährige Frau, zum fraglichen Zeitpunkt gerade einmal 15, hatte sich bei der Polizei gemeldet, nachdem sie von den mutmaßlichen Übergriffen auf die anderen beiden Mädchen – Mitschülerinnen und Bekannte aus dem recht übersichtlichen Wiebelsbach – erfahren hatte, dabei aber zunächst nichts von einer Vergewaltigung berichtet.

Busfahrer prahlte wohl von weiterem Opfer

In der Anklageschrift wurde der Tathergang daher jetzt so beschrieben: Bei der spätabendlichen letzten Fahrt sei der Fahrer nach dem linienmäßigen Abstecher ins Sackgassendorf Heubach nicht nach links Richtung Wiebelsbach abgebogen, sondern rechts Richtung Busdepot. Dem Mädchen, seinem letzten Fahrgast, habe er versichert, es von dort mit seinem Privatwagen nach Hause zu bringen. Das ist – so haben es der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer jetzt bestätigt – auch geschehen. Was davor im Busdepot geschehen ist, darüber gehen die Schilderungen weit auseinander. Das Mädchen hatte bei der Polizei zunächst von körperlichen Annäherungsversuchen – Begrapschen und dem Versuch zu küssen – berichtet, der Angeklagte bestreitet in diesem und auch in den anderen Fällen jegliche Annäherung. Andererseits scheint es sozusagen Plan B seiner Verteidigung zu sein, den Oralverkehr als einvernehmliche sexuelle Handlung darzustellen. Die anderen beiden mutmaßlichen Opfer haben vor Gericht jedenfalls berichteten, der Busfahrer habe ihnen gegenüber damit geprahlt, das dritte mutmaßliche Opfer „gefickt“ zu haben. In Plan A der Verteidigung spielt der Bruder dieses mutmaßlichen Opfers eine große Rolle. Er wurde am zweiten Verhandlungstag in den Zeugenstand gerufen, wo er bestätigte, von allen Vorgängen irgendwann Kenntnis erhalten zu haben, war aber nicht in der Lage, die Dinge detailliert zu schildern und in eine zeitliche Ordnung zu bringen. Konflikte mit dem Fahrer habe er nie gehabt.

In seinen Einlassungen am ersten Verhandlungstag hat der Angeklagte jedoch einen solchen Konflikt geschildert: Der Junge habe im Bus Chips aus einer Tüte verzehrt, dabei das Fahrzeug verunreinigt und dazu noch seine Füße auf dem Sitzpolster gegenüber abgelegt gehabt. Nachdem eine mündliche Zurechtweisung nicht gefruchtet habe, habe er den Fahrgast des Fahrzeugs verwiesen. Daraufhin habe der offensichtlich begonnen, mit seiner Schwester und anderen ein Komplott zu schmieden, das jetzt zu dieser Anklage geführt habe. Die Glaubwürdigkeit der Schwester, ihrer Schilderung des erzwungenen Oralverkehrs, spielt nun in dem Verfahren eine entscheidende Rolle. Da das mutmaßliche Opfer sich danach zunächst einmal weder Familienangehörigen noch der Polizei anvertraut, auch keinen Arzt aufgesucht hat, gibt es keinerlei unmittelbare Beweise.

(sr)

Quelle: op-online.de

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