Tour an den Grenzen

+
Jahrelang wurde der Grenzgang am Buß- und Bettag veranstaltet. Seit drei Jahren nun findet er am ersten Adventswochenende statt. So kamen dieses Mal 120 Interessierte zusammen. 120 Eppertshäuser liefen beim Grenzgang mit, der dieses Mal durch den Südosten der Gemeinde verlief.

Eppertshausen - Schon die ägyptische Königin Kleopatra hatte einen Vorkoster. 2000 Jahre später gibt es diesen immer noch: Er heißt Jürgen Hüllmandel und sitzt im Hauptamt des Eppertshäuser Rathauses. Von Michael Just 

Zusammen mit Bürgermeister Carsten Helfmann plante er den Grenzgang, der am Sonntagnachmittag in der Bürgerhalle mit einem Essen seinen Abschluss fand. Das DRK kochte und bot dabei ein beachtliches Novum: Ausnahmsweise gab es mal keinen Eintopf, sondern einen Schinken-Nudel-Auflauf, der mit Sahne verfeinert wurde. Das Verantwortungsbewusstsein, dass die Grenzgänger im Namen der Gemeinde auch wirklich etwas Schmackhaftes bekommen, ließ Hüllmandel -– gepaart mit ein bisschen Neugier – zum Probierlöffel greifen.

In gewisser Weise mag der Schinken-Nudel-Auflauf auch ein kleines Festessen gewesen sein, denn am Wochenende stand ein Jubiläum an: So fand der Grenzgang zum 40. Mal statt. Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Gemeindevorstand mit Rainer Eder und Carsten Helfmann die Mitläufer am Kreisel vor der Kirche willkommen heißen. Natürlich fehlte bei der Begrüßung ein kleiner Rückblick nicht: „Viele Jahre sind wir am Buß- und Bettag gelaufen, bis man uns diesen weggenommen hat“, sagte Eder schmunzelnd und erinnerte an 1995, als der bundesweite Feiertag gestrichen wurde. In der Folge mussten die Verantwortlichen im Rathaus einen Ersatztermin finden, was sich nicht als einfach erwies.

Als zukunftsweisend kristallisierte sich mehr und mehr das erste Adventswochenende heraus. „Am Anfang sind wir samstags gelaufen. Seit drei Jahren ist nun der Sonntag angesagt“, erzählte Eder, der zudem darauf hinwies, dass es Grenzgänge in Eppertshausen natürlich schon weit länger als 40 Jahre gibt. So hätten früher die Bauern ihre Grenzsteine kontrolliert, um durch mögliche Grenzverletzungen von Nachbarn, die die Steine versetzt hatten, kein Land zu verlieren. In diesem Jahr zählte die Veranstaltung rund 120 Teilnehmer. Das ist eine deutliche Steigerung zu 2012, als 80 Köpfe dabei waren. Machte sich der Tross vor einem Jahr Richtung Nieder-Röder Gemarkung auf, stand dieses Mal der Südosten der Gemeinde auf dem Plan. Zuerst ging es Richtung Münster, dann den Pappelweg Richtung Kläranlage. Dort wurde die Landstraße nach Hergershausen überquert und beim zukünftigen Waldfriedhof „Abteiruhe“ eine Pause eingelegt.

Es folgte ein großer Schlenker über die Grenz- und Seligenstädter Schneise zurück zur Bürgerhalle, wo nach zwei Stunden der gemütliche Ausklang anstand. Insgesamt erwies sich die Tour als machbare Runde für alle Altersgruppen. Bürgermeister Carsten Helfmann nutzte den Grenzgang, um die Bürger über die neuesten Entwicklungen und Entscheidungen in der Gemeindevertretung und im Rathaus zu informieren. So wird den Kreisel vor der katholischen Kirche zukünftig eine Storchenfigur schmücken, sodass jeder, der von Münster kommt, gleich das Gemeindewappen von Eppertshausen erblickt. Ergänzt wird dieses durch drei Stadtwappen der Partnergemeinden Langenweißbach (Sachsen), Codigoro (Italien) und Chaource (Frankreich). Dafür sind rund 15.000 Euro vorgesehen.

Noch in diesem Jahr sollen die Plastik und die Wappen kommen und platziert werden. Zur Abteiruhe erklärte Helfmann, dass unter 42 Bäumen eine ewige Ruhe möglich sei. In der nächsten Gemeindevertretersitzung sollen die Satzung inklusive der Gebühren beschlossen werden. Eine wichtige Information gab es auch zum Pappelweg: Der asphaltierte Feldweg, der in der Nähe des Naturschutzgebiets „In den Stöcken“ verläuft, befindet sich bekanntermaßen in einem sehr schlechten Zustand. „Schon bald wollen wir hier sanieren“, kündigte Helfmann an. 300.000 Euro stünden für die Maßnahme bereit, die sich aufgrund der Länge des rund ein Kilometer langen Weges in mehrere Abschnitte gliedern wird. In zwei bis drei Jahren soll die jetzige Holperstrecke für Fahrräder und Kinderwägen beseitigt sein.

Quelle: op-online.de

Kommentare