Gute Stimmung trotz magerer Ausbeute

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Die Nachwuchs-Angler Niklas Wildhirt und Mangnus Baum präsentieren stolz ihre „Beute“: einen kleinen Barsch.

Eppertshausen - „Damals haben wir die Forellen noch mit der Hand gefangen“, erinnert sich Ewald Gillner an seine Jugendjahre in Oberhessen. Meist stünde der Raubfisch an einem schattigen Platz im Bachlauf gegen die Strömung, um auf Beute zu lauern. Von Michael Just

Wer wolle, könne den Fisch dabei am Bauch kraulen oder mit beiden Händen von unten unverhofft mit einem Ruck bogenartig über den Kopf an Land werfen. „Wenn man nicht aufpasst, hüpfen sie aber wieder ins Wasser zurück“, lacht der Vorsitzende des Partnerschaftsverein Eppertshausen-Codigoro.

Mit einer Reihe weiterer Vereinsvorsitzender nahm er am Wochenende die Einladung zum Gastangeln beim Angelverein Eppertshausen (AVE) an und griff am „Beckmann-Teich“ zum traditionellen Fischfanggerät.

Dorthin hatte der AVE zu einer kleinen Feier anlässlich seines 50-jährigen Bestehens geladen. Nach eineinhalb Stunden mit der Rute in der Hand musste Gillner aber ein ernüchterndes Fazit ziehen: „Nichts am Haken, nur den Wurm gebadet. Es ist einfach zu heiß heute“, begründete sein Nebenmann die vorherrschende Lethargie, die sich seiner Meinung nach auch im Wasser abspiele.

Die bescheidene Ausbeute störte die Feierlaune der Angler und ihrer Gäste aber nicht. Wie AVE-Vorsitzender Stefan Buchheim sagte, habe man zum runden Geburtstag von einer akademischen Feier abgesehen: „Rede an Rede in einer Halle liegt uns nicht. Wir feiern lieber naturverbunden am See.“

Nach dem Gastangeln wurde gegrillt und eine Dia-Show mit alten Fotos präsentiert.

Vorsitzender Stefan Buchheim mit dem Gründungs-Protokoll.

In Doppelfunktion trat Carsten Helfmann auf: Zum einen als AVE-Rechner, zum anderen als Bürgermeister. In dieser Funktion gratulierte er seinen Kollegen im Namen der Gemeinde und hob das Engagement der 84 Mitglieder hervor. Das Besondere: Alle seien aktiv. Dabei helfe auch eine kleine List: So gebe es 16 Pflichtarbeitsstunden für jedes Mitglied im Jahr zu absolvieren, die für die Gewässerpflege und die Feste eingesetzt werden. Leiste man diese nicht, werde mehr Geld vom Konto abgebucht. „Beim letzten Fischerfest auf dem Franz-Gruber-Platz halfen 75 der 84 Mitglieder“, lobte Helfmann.

Die Vereinsverbundenheit lasse sich zudem daran erkennen, dass bei jeder Versammlung über 50 Prozent der Mitglieder anwesend sind. Derzeit betreut der AVE mit dem Peter-Beckmann-Teich, dem Steinbruch und dem Zankelweiher drei Seen, sowie einen etwa zwei Kilometer langen Abschnitt der Gersprenz. Dass der Verein finanziell auf gesunden Füßen steht, verdeutlichte der Kauf des Zankelweihers im vergangenen Jahr.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Da der See nicht allzu tief ist, installierte der AVE noch eine mit Zuschüssen geförderte Belüftungsanlage. Sie hilft zukünftig, dass der See im Winter nicht mehr zufriert und im Sommer ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Die jüngste Entwicklung lässt den Stefan Buchheim, mittlerweile seit 15 Jahren Vorsitzender, optimistisch in die Zukunft blicken. Allenfalls die Zahlen im Jugendbereich mit nur einem halben Dutzend Nachwuchs-Angler könnten seiner Meinung nach noch nach oben geschraubt werden.

Von den vier Gründungsmitgliedern des AVE lebt heute nur noch Walter Gruber. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er damals mit Freimut Zankl, Helmut Larem und Karl Müller in einer Gaststätte in der Schulstraße den Verein ins Leben rief. „Eigentlich hat ein Fremder das Angeln nach Eppertshausen gebracht“, gesteht der 70-Jährige. „Freimut Zankl war aus Mannheim und hat uns zu diesem Schritt veranlasst.“ Vom Schützenverein habe er ihn bereits gekannt. Zankl sei mit gutem Beispiel vorangegangen: „Die Tongrube, die er zuvor gepachtet hatte, übergab er dann dem Angelverein.“

Den größten Unterschied von den Gründungsjahren zur Gegenwart macht Gruber daran fest, dass heute alles dokumentiert wird. „Ein Fangbuch hatte damals niemand“, sagt der Rentner. Heute werde penibel registriert, was ausgegeben und eingenommen wird.

Auch die Kosten für neuen Fischbesatz waren früher deutlich geringer: Den paar Mark von damals stünden heute bis zu 5000 Euro gegenüber. An den Fischarten habe sich wenig geändert, nur der Waller, eine Welsart, trete häufiger in Erscheinung. „Ein paar zweibeinige Hechte sind ebenfalls dazugekommen“, ergänzt ein Kollege. Bei diesem Stichwort bedauert Rechner Carsten Helfmann, dass die 84 AVE-Mitglieder alles Männer sind und bis heute keine einzige Frau den Angelsport in Eppertshausen für sich entdeckt hat.

Laut Gruber habe er beim AVE stets vorrangig die Kameradschaft und das Gesellige gemocht und nicht etwa den Kampf mit dem Fisch oder die Romantik am See. So sei es schon eine Weile her, dass er das letzte Mal geangelt habe. Unvergessen bleibt für ihn aber das Hochseefischen 1979 vor dem schwedischen Göteborg oder als er mit AVE-Mitgliedern zum Lachsfischen aufbrach. Nicht immer sei das gewünschte Ergebnis eingetreten: „Vom Lachsfischen ging es mit einem 50 Zentimeter langen Hecht zurück.“

Apropos große Fische: Laut einiger AVE-Mitglieder seien Welse von bis zu zwei Meter Länge im Steinbruch-See keine Seltenheit. Und als kürzlich ein paar Besucher sich mit ihrem Hund zu dicht dem steilen Ufer des Steinbruchs näherten, warnte sie Walter Gruber mit einem Augenzwinkern, dass große Welse auch Dackel fressen. Anglerlatein gehört eben auch nach 50 Jahren fest zum Fischen.

Quelle: op-online.de

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