Konsequenter SPD-Fraktionsvorsitzender

H.-J. Larem gibt Mandat wegen GroKo zurück

Eppertshausen - SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Larem gibt sein Mandat in der Gemeindevertretung zurück. Der Entscheid der Bundes-SPD für eine Große Koalition mit der CDU decke sich nicht mit seiner Einstellung. Von Thomas Meier 

Hans-Joachim Larem gibt sein SPD-Parteibuch und sein Mandat in der Gemeindevertretung zurück.

Er ziehe die bereits vor Monaten angekündigten Konsequenzen, erklärt der Ex-Genosse auf Nachfrage unserer Zeitung. Was jetzt vom Wahlleiter der Gemeinde Eppertshausen als formaler Akt bekannt gemacht werden musste, dürfte in Reihen der in den vergangenen Jahren stark dezimierten SPD-Fraktion eingeschlagen haben wie eine Bombe. Allerdings waren die Genossen des Ortsvereins vom Urgestein ihrer Partei vorgewarnt worden: „Als die Jamaika-Koalition vor Monaten platzte, kündigte ich meinen jetzigen Schritt für den Fall an, sollte die SPD sich für eine weitere GroKo entscheiden“, erklärt Larem.

Der 1957 geborene Diplom-Verwaltungswirt, dessen Vater bereits für die Genossen als Erster Beigeordneter im örtlichen Parlament saß, machte umgehend nach Bekanntwerden des SPD-Mitgliederentscheids seine Ankündigung wahr: Im Mai wären es 43 Jahre gewesen, in denen er das rote Parteibuch hatte, das er jetzt enttäuscht zurück gab.

„Klar, dass ich auch in einer kleinen Kommune nicht weiter als Fraktionsvorsitzender agieren kann, als sei nichts gewesen. Folgerichtig mein Schritt, auch in der Fraktion von allen Ämtern zurückzutreten“, sagt der Parteipolitiker, der seit 1981 – mit Unterbrechung von 1999 bis 2000 – als Gemeindevertreter, Fraktionsvorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion angehörte.

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Seine Fraktionskollegen seien von seinem konsequenten Handeln „natürlich nicht begeistert“, sagt Larem, sie seien davon ebenso enttäuscht wie er von der erneuten Großen Koalition seiner Partei mit der Union. In der Gemeindevertretung muss man sich nun nach einem neuen stellvertretenden Vorsitzenden des Haupt- und Finanzausschusses umschauen.

Doch nicht nur in Parteikreisen muss der Vater zweier kommunalpolitisch aktiver Kinder seine Entscheidung verteidigen. Sein Sohn Andreas sitzt ebenfalls in der Gemeindevertretung, Tochter Jennifer saß darin, gab aber wegen Umzugs in eine andere Gemeinde ihr Mandat vor Kurzem bereits zurück. Und Bruder Andreas Larem ist SPD-Bürgermeister in der Nachbarkommune Messel. „Meine Familie begrüßt den Schritt, aber weil sie hofft, dass ich nun mehr Zeit für sie habe“, sagt der Mandatsverzichter, und schiebt durchaus glaubhaft nach: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht, sondern sehr schwer gefallen.“

Quelle: op-online.de

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