„Halloween Nights“ an der Thomashütte

An Zombies vorbei ins Zirkuszelt

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Im Zelt zeigte eine internationale Truppe von Artisten, was sie draufhat.

Eppertshausen - In der Scheune ist es stockdunkel, lediglich ein paar Strohballen lassen sich durch ein entferntes rotes Licht ausmachen. Plötzlich springt eine Kettensäge an und aus dem Nichts taucht eine Fratze mit Wolfsgesicht auf, die das Adrenalin ausschütten lässt. Von Michael Just

Das passiert kurz nachdem man eigentlich glücklich war, diverse Untote und eine lebende Vogelscheuche abgeschüttelt zu haben oder den Grasmenschen ohne Herzkasper überlebte. Der saß so perfekt getarnt am Wegesrand, dass sein Aufspringen aus nächster Nähe fast zum Beinahe-Herzstillstand führt.

An vier Abenden fanden nun wieder die „Halloween Nights“ auf der Thomashütte statt. Nach der Premiere im letzten Jahr bewies der Gutshof, der sonst eher als Idyll und Streichelzoo bekannt ist, dass er auch anders kann. Die Arbeit, die im Vorfeld für das perfekte Grusel-Ambiente investiert wurde, war immens. Alleine für die Beleuchtungseffekte im Wald wurden unzählige Meter Kabel verlegt. Bei den künstlichen Spinnweben dürfte die Herstellerfirma nur durch die Thomashütte in diesem Jahr auf ihren Umsatz kommen: Das gesamte Firmament im Zelt für die After-Show-Party erwies sich als gigantisches, hauchdünnes Netz, das durch viele Haupt- und Nebenstränge verbunden war. „Da steckt eine Woche Arbeit drin“, weiß der Chef der Thomashütte, Alex Ramien.

Der Aufwand schien sich aus Sicht der Gäste gelohnt zu haben: Die meisten zeigten sich begeistert ob der Atmosphäre und dern perfekt geschminkten Erschrecker, denen mit Hollywoodreife wie in einem Fall Würmer aus der Backe krochen. Mit drei Freundinnen war Sigrid Czerwonka aus Dietzenbach gekommen, um auf den Halloween-Zug, der jedes Jahr mit mehr Dampf durch Deutschland fährt, aufzuspringen. Das Quartett war schon im begehbaren Gruselkabinett „Dungeon“ in Hamburg oder in der „Warner Brother Movie World“ in Bottrop, wo es auch eine Schock-Abteilung gibt. Für die „Halloween Nights“ in Eppertshausen haben sie das Kompliment parat, dass sich die Veranstaltung als kleiner Bruder von Bottrop oder Hamburg sehen darf.

„Halloween Nights“ an der Thomashütte

„Halloween Nights“ an der Thomashütte

Wer zum ersten Mal die Schreie oder das Wolfsgeheul aus dem Wald rund um die Thomashütte aufnahm, der wunderte sich, dass im Anschluss der Weg noch in ein Zirkuszelt führte. Hier wartete eine Show mit Artisten und Künstlern der Spitzenklasse. In schaurig schönen Kostümen traten Akteure aus Russland, Ungarn, Belgien, Usbekistan, England oder Belgien auf, für deren Engagement Alex Ramien keine Kosten und Mühen gescheut hatte. Ein Blickfang in vielfacher Hinsicht waren die Schwestern Alexandra und Katja aus Moskau mit ihrer Luftakrobatik im Ring und an den Tüchern. Chris Kiliano stellte deren Anmut einen faszinierenden Kraftakt an den Strapaten gegenüber. Für Auflockerung sorgte The Mighty Gareth aus England: Er überzeugte als Comedian, der mit Kettensägen jongliert oder Schwerter verschluckt, die ihm Besucherinnen herausziehen dürfen. Zu den weiteren großen Höhepunkten zählte Ursula Martinez, die zauberte und sich dabei stetig auszog, bis sie nackt vorm Publikum stand. Vor allem wegen ihr überschrieb man die Show mit „Skandal“.

Vom wirklichen Skandal waren Ursula Martinez und die Halloween Nights weit entfernt. Viel eher hatte Zeremoniemeister Alex Ramien ein Gruselreich und eine Show konzipiert, die sich ohne Probleme in die Nähe von Da Capo oder Flic Flac rücken ließ. „Statt Skandal hätte auch genial gepasst“, drückte es eine Besucherin ziemlich treffend aus.

Halloween Nights an der Thomashütte (2013)

Quelle: op-online.de

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