Hausärztin Heike Berger hat Eppertshausen verlassen, wäre aber gern geblieben

„Ich bin keine treulose Tomate“

Eppertshausen - Ein wenig musste es doch verwundern: Mit Christine Schwinn und Matthias Röckel präsentierte die Gemeinde Eppertshausen kürzlich zwei neue Allgemeinmediziner, die ab November zunächst übergangsweise in der Nieder-Röder Straße und ab dem Frühjahr 2018 dauerhaft im Sandweg praktizieren werden. Von Jens Dörr 

Zugleich aber verließ Ende September mit Heike Berger eine andere, schon seit zwei Jahren in Eppertshausen (mit einem halben Sitz) niedergelassene Hausärztin, die gern geblieben wäre, die Gemeinde. Berger kritisiert im Gespräch mit unserer Zeitung insbesondere Bürgermeister Carsten Helfmann scharf. Berger hatte im Sommer 2015 die Praxis von Hausarzt Carl Ebell in der Friedensstraße übernommen. Die 56-Jährige, seit 2012 auch mit einer eigenen Praxis in Obertshausen tätig, machte schon beim Antritt in Eppertshausen vor zwei Jahren deutlich, den Standort ihres Vorgängers nur als Interimsstandort zu betrachten. Von Anfang an hatte Berger als Dauerlösung für ihre Praxis die von der Gemeinde ersteigerte Immobilie im Sandweg ins Visier genommen, in die im neuen Jahr – nachdem Ende Januar 2018 der bisherige Mietvertrag mit einem Privatmediziner endet – Schwinn und Röckel mit ihrer Gemeinschaftspraxis einziehen werden.

„Gemeinschaftspraxis“ ist auch das Stichwort, das den Knackpunkt in der Auseinandersetzung zwischen Berger und Helfmann in den vergangenen Monaten beschreibt. In Eppertshausen gab es mit Volker Kühnscherf zuletzt nur noch einen Allgemeinmediziner mit vollem Sitz, hinzu kam Berger mit einem halben. Für eine Gemeinde mit der Größe Eppertshausens werden drei volle Hausarzt-Sitze angestrebt. Da Kühnscherf in den kommenden Jahren in Ruhestand gehen dürfte, sah der Gemeindevorstand Bedarf für zwei neue Hausärzte, die in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten sollten. So, wie es Schwinn und Röckel planten und in Kürze tun werden.

Über diesen Wunsch war auch Berger, der der Eigentümer der Praxis in der Friedensstraße wegen anderer Pläne mit der Immobilie gekündigt hatte und die sich räumlich somit neu in Eppertshausen orientieren musste, informiert. „Ich habe dem Bürgermeister eine russische Internistin vorgestellt, mit der ich eine Gemeinschaftspraxis eröffnen wollte“, so Berger. Für sie sei zudem klar gewesen, dass nun die Zeit für ihren Umzug in den Sandweg – der ihr einst in Aussicht gestellt worden sei – gekommen sei: „Es wurde mir ja versprochen, dass ich dauerhaft bleiben kann – das ist auch durch Presseartikel dokumentiert.“

Helfmann sieht es derweil als ausschlaggebend an, dass nicht sicher gewesen sei, ob Bergers russische Kollegin in Deutschland die Zulassung erhalten werde. Das sei „offen“ gewesen und damit keine gleichwertige Alternative zu den beiden „sicheren“ Alternativen Schwinn und Röckel. Im Juli stellten sie sich dem Gemeindevorstand vor, eine Woche später sollte sich Berger präsentieren. Dazu kam es aber nicht. „Ich war zu diesem Zeitpunkt schon seit zwei Jahren da, da muss ich mich doch niemandem mehr vorstellen“, meint Berger dazu.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Sie kritisiert scharf, dass man ihr den Sandweg nun doch nicht zur Verfügung gestellt habe und auch keinen adäquaten Plan B: „Ich habe natürlich auch selbst gesucht – doch es gibt in Eppertshausen keine geeigneten Räumlichkeiten.“ Unter anderem sei ihr seitens der Gemeinde eine Ex-Thai-Massage-Praxis am Franz-Gruber-Platz angeboten worden. An diesen Räumen lässt die Medizinerin aber kein gutes Haar. Helfmann, der noch einmal deutlich macht, dass Berger zeitnah nicht definitiv die gewünschte Gemeinschaftspraxis habe bieten können und schlussendlich dem Gemeindevorstand ferngeblieben sei, sieht die Unterstützung anders. So könne er nicht ganz nachvollziehen, was etwa gegen das Objekt in der Nieder-Röder-Straße spreche, in dem momentan Schwinn und Röckel ihre Übergangspraxis einrichten.

Heike Berger unterdessen ist mächtig sauer, lässt juristische Schritte prüfen, da einstige Versprechen der Gemeinde nicht eingehalten worden seien und sie nun auch finanziell unter anderem durch die Kosten für ihren Umzug an den neuen Standort Ober-Roden („Ich habe 20.000 Euro bezahlt“) die Leidtragende sei. „Ich bin nicht einfach gegangen“, betont sie. „Ich wollte bleiben – wegen meiner Patienten und meiner zwei Mitarbeiterinnen. Ich bin keine treulose Tomate.“

Quelle: op-online.de

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