Fastnacht der Germania

Der Hausmeister und die Stangen

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Die Gruppe „Fairit“ brachte viel patriotisches Lokalkolorit mit ihrem amerikanischen Auftritt. - Fotos: Scholze

Eppertshausen - Mit einer gelungenen Mischung aus Büttenreden und Musikeinlagen feierten die Sänger des Eppertshäuser Gesangvereins Germania ihren traditionellen Kappenabend. Von Verena Scholze

Und um dem Namen der Veranstaltung gerecht zu werden, hatte fast jeder Besucher sein Haupt mit einer bunten Kappe oder Perücke geschmückt. Viele Besucher hatten trotz des anhaltenden Frostes und rutschiger Nebenstraßen den Weg in die TAV-Halle gefunden und wurden mit einem stimmungsvollen Abend belohnt. Nachdem Andreas Hock als Sitzungspräsident das Publikum heiter begrüßt hatte, sorgte Dieter Christ als neuer DJ mit Schunkelliedern für das erste Stimmungshoch. Keinen der Anwesenden hielt es auf den Plätzen, alle schunkelten fröhlich mit.

Es folgte der Protokoller Hans Müller mit seinem fröhlichen Jahresrückblick, der das Zwerchfell der Anwesenden reizte und vielen ein zustimmendes Nicken entlockte. Mit spitzer Zunge teilte er seine Ansichten über die Politik, die Eurokrise und das Betreuungsgeld mit. „Die Kosten belasten uns sehr und die Kitaplätze bleiben leer“, reimte er. Schnell war er jedoch bei seinem Lieblingsthema angekommen, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog und das auch einige Nachfolger in der Bütt immer wieder beleuchteten, der alten Rivalität mit der Nachbargemeinde Münster. „Mer habbe ene lese un schreibe beigebracht, un sie entlaust ibber Nacht“. Auch die Sanierung des Münsterer Hallenbades wurde von ihm kritisch betrachtet. Und er hatte bereits einige Ideen für die gemeinsamen Passionsspiele im Jahr 2015 parat. „Über Eppertshausen lacht die Sonne, über Münster die ganze Welt“, sinnierte er, was ihm anhaltenden Applaus vom Publikum einbrachte.

Leicht bekleidete Damen

Als Hausmeister Erwin Kowalski stand Lutz Murmann in der Bütt und berichtete über die natürlichen Feinde eines solchen Faktotums: die Schüler und Vereine. Um den richtigen Umgang mit diesen zu erlernen, besuchte er sogar ein Seminar. In dessen Verlauf war er in einem Lokal, in dem es Stangen von der Decke bis zum Boden gab und er sich wunderte, wo denn die Feuerwehrmänner blieben. Stattdessen tauchten eben an jenen Stangen leicht bekleidete Damen auf und er berichtete sehr anschaulich, wie er eine der Damen mit dem Einsatz seiner EC Karte bezahlte. Das Publikum zollte ihm tosendes Gelächter und ließ eine Rakete steigen.

Protokoller Hans Müller hielt seinen Jahresrückblick.

Für die musikalischen Gesangseinlagen des Abends sorgte das Ensemble Musica, das den Klassiker „Im Wagen vor mir... “ performte, „die Herzen der stolzesten Frauen“ brach und feststellen musste: „Du hast mich tausend Mal belogen“. Als Zugabe hatte es „Marmor, Stein und Eisen bricht)“ im Gepäck, bei dem die ganze Halle lautstark mitsang. Auch die Kegler des Vereins gaben ein Gesangsmedley zum Besten. Astrid Beck und Claudia Fink sorgten mit Stimmungsliedern für gute Laune. Die Gruppe „Fairit“ nahm das Publikum bei ihrem tänzerischen Auftritt mit auf eine Reise nach „Amerika – früher und heute“. Es lieferte gerne eine lautstark geforderte Zugabe und bekam zwei tosende Raketen dafür.

„Williche und Hänsje“ erzählten in ihrem Dialog in der Bütt über Freud und Leid des Älterwerdens und tauschten sich über Lustgefühle, davon auch einige außereheliche, aus. „Bei uns herrscht Smog im Schlafzimmer, dicke Luft und kein Verkehr“. Auch mussten die beiden feststellen, das sich der Begriff „Lebensgefährtin“ von „Lebensgefahr“ ableitet, nachdem sie ihren Frauen im Bad beim Schminken zugesehen hatten. „Für das, was Du da tust, käme jeder Gebrauchtwagenhändler ins Gefängnis.“

Männliche Tratschweiber

Dass Männer nun mal die größeren Tratschweiber sind, bewiesen die überwiegend männlichen Büttenredner. Die beiden Stewardessen Gerda und Marianne alias Reiner Sperl und Jochen Ries taten das Ihrige für die Frauenquote und berichteten dem Publikum über ihre kleinen und größeren Pannen als „Saftschubsen“ bei Eppertshausen Airways hoch über den Wolken. Dies gar mit zwei blinden Kapitänen im Cockpit. Auch über einen Austausch von ihren Liebesgeheimnissen waren die beiden „Damen“, die sich in knallengen kurzen Kostümen und mit bunten Perücken präsentierten, nicht verlegen.

Für die richtige Frauenquote stand dann erstmals Rita Gotthold in der Bütt, die anschaulich über Figurprobleme redete und dem Publikum die Vorteile einer ordentlichen Leibesfülle näher brachte. „Wie herrlisch schmeckt a Stücksche Tort’?“, fragte sie und ließ die Anwesenden wissen, dass für Gekochtes, Gebackenes oder Gegrilltes sie sehr zu haben sei. „Des is koa Schmu, des is a Wort, besser geplatzt als wie verdorrt“. Die Akteure des Abends schafften es, die Lachmuskeln des Publikums die gesamte Sitzung über zu strapazieren und die Anwesenden sehen bereits erwartungsvoll dem nächsten Kappenabend entgegen.

Quelle: op-online.de

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