Heiß begehrtes Nadelholz

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das laufende Haushaltsjahr hatte das Forstamt Dieburg einen Überschuss von 9.000 Euro kalkuliert.

Eppertshausen ‐ Dass es nach der geplatzten Börsen-Luftblase wirtschaftlich wieder aufwärts geht, ist bis in den Eppertshäuser Gemeindewald hinein zu spüren. Für das laufende Haushaltsjahr hatte das Forstamt Dieburg einen Überschuss von 9.000 Euro kalkuliert. Von Jenny Westphal

Aktuell steht die Eppertshausens Waldwirtschaft bei einem Plus von 14.000 Euro. Und das trotz einer flauen ersten Jahreshälfte. „Bis zu den Sommerferien lief gar nichts“, stellte Thomas Schmalenberg, Bereichsleiter beim Forstamt, fest. Die Banken hatten auch die Holzwirtschaft in die Knie gezwungen. „Bereits im Februar hatten wir den Laubholzabschlag gestoppt“, berichtete Schmalenberg.

Exportwirtschaft braucht wieder mehr Holz

Nach dem Sommer war Holz plötzlich wieder heiß begehrt. „Der Markt dreht sich weg von Eiche und Buche. Nadelholz ist gefragt“, konstatierte der Förster. Er hat eine einfache Erklärung für die wachsende Beliebtheit des bisher eher vernachlässigten Holzes: „Der Export ist wieder angelaufen. Dafür braucht man Paletten. Und für die Paletten braucht man Nadelholz.“ Die Förster konnten nicht schnell genug abschlagen, wie die Wirtschaft nach mehr Nadelholz rief. Allmählich signalisiert der Laubholzmarkt ebenfalls Erholung. Wenngleich der Rubel rollt, kalkulieren die Förster zurückhaltend und erwarten einen Gewinn von 8.000 Euro fürs kommende Jahr.

Doch nicht allein die Wirtschaft verlangt nach heimischem Holz. Über 2000 Selbstholer hat das Forstamt Dieburg dieses Jahr an der Motorsäge geschult, das berichtete Revierförster Lothar Seipp. Er bescheinigt dem Eppertshäuser Wald beste Gesundheit – zumindest weitgehend. Der Borkenkäfer wütet an einigen Stellen. Sein liebstes Ziel sind Fichten. „Es ist den Fichten in unseren Gefilden zu warm, und auf dem trockenen Boden können sie sich nicht wehren“, erläuterte Seipp.

Auch im kommenden Jahr werden wohl wieder einige abgestorbene Fichten der Motorsäge zum Opfer fallen. Stattdessen pflanzt das Forstamt Eichen und Buchen. „Pflanzen, die ausfallen, werden ersetzt“, erläuterte Seipp das Grundprinzip der Forstwirtschaft. Doch nicht alle bereits abgestorbenen Bäume werden gefällt. So genannte Habitatbäume, die Specht, Fledermaus und Insekten ein Zuhause geben, bleiben dem Gemeindewald erhalten. Vor ausgesetzt, sie stehen nicht an viel benutzten Wegen. „Die Sicherheit der Menschen geht immer vor“, erklärte Seipp. Wie schmerzhaft ein herabstürzender morscher Ast sein kann, erfuhr erst kürzlich Thomas Schmalenberg. Der Kopftreffer bescherte ihm eine Behandlung im Krankenhaus. Der im Fachjargon genannten Verkehrssicherung diente denn auch das Besteigen der Bäume am Failisch.

Gesamtertrag von 50.680 Euro

Das Forstamt ließ trockene Äste entfernen, bevor sie auf ahnungslose Passanten niederstürzen können. Insgesamt 2000 Euro sind im Waldwirtschaftsplan 2010 für derlei sichernde Maßnahmen eingestellt. Für den Eppertshäuser Gemeindewald rechnet das Forstamt mit einem Gesamtertrag von 50.680 Euro. An Ausgaben sind 42.680 Euro kalkuliert. Darin veranschlagt sind 5 500 Euro für die Instandsetzung der Hütten- und der Oberwald-Schneise. Bereits dieses Jahr sollte beides erledigt sein, jedoch hat das Forstamt die Arbeiten aufgeschoben. „Nach den Stürmen Kyrill und Emma sind die Fördergelder zweckgebunden ins stärker betroffene Nordhessen geflossen“, erklärte Seipp. Der Revierförster hofft darauf, dass 2010 Mittel auch wieder in Südhessen verteilt werden.

Quelle: op-online.de

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