Heranwachsen mit Handicap

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David, derzeit zusätzlich zum Muskelschwund mit einem Knochenbruch gehandicapt, lernt mit seiner Mutter Brigitta Baier zuhause den Stoff der siebten Gymnasialklasse.

Eppertshausen ‐ Zwei kleine Kätzchen toben durch das Haus der Familie Baier. Sowohl Mutter Brigitta als auch ihr Sohn David sind fasziniert von den beiden schnurrenden und balgenden Katern. Von Jasmin Frank

Die meisten dreizehnjährigen Jungen würden nun hinter den beiden Stubentigern her rennen, um mit ihnen zu spielen, doch das kann David nicht: Er leidet an Spinaler Muskelatrophie und ist an den Rollstuhl gefesselt.

Dennoch liebt er die beiden Wildfänge über alles: „Gerade jetzt, als es mir wieder so schlecht ging, war es wunderbar, dass Fritz und Max zu uns gebracht wurden, sie machen mich richtig lebensfroh“, sagt der Gymnasiast. Erst vor kurzem hat er sich ein Bein gebrochen, als in der Pause im Klassenraum mit einem Basketball gespielt wurde. Der Ball traf versehentlich den gehandicapten Eppertshäuser und schon war der Knochenbruch da. Zudem hatte er sich einen Infekt zugezogen und musste täglich an das Atemgerät. „Das Problem bei einer Erkältung ist nicht die Lunge an sich, sondern die mangelnde Muskelkraft. Ist er geschwächt, kann er einfach nicht mehr selbstständig atmen“, so Brigitta Baier, die sich als ausgebildete Kinderkrankenschwester gut auskennt.

„Wir bekommen viel Unterstützung“

Derzeit hat die kleine Familie aber noch andere Sorgen: Nach dem überraschenden Tod von Davids Vater fiel der Versorger weg. Dennoch gaben die beiden nie auf und haben konkrete Pläne für die Zukunft. „Wichtig ist jetzt, dass David ein ebenerdiges Zimmer und ein behindertengerechtes Bad bekommt. Wenn ein Junge älter wird, will er nicht dauernd auf seine Mutter angewiesen sein“, weiß die blonde Frau, die ehrenamtlich als Stillberaterin im Einsatz ist. Zurzeit entsteht im Garten der Baiers ein Anbau, der auch ein Zimmer für die Pflegeassistenz vorsieht, die später für David sorgen soll. Doch es ist nicht einfach, den kleinen Bau zu finanzieren.

„Wir bekommen viel Unterstützung. Einige Handwerker aus Eppertshausen haben mitgeholfen und für uns die eine oder andere Dienstleistung günstiger oder gar kostenlos gemacht“, freuen sich Mutter und Sohn. So wurden die Steine von der Firma Ytong zur Verfügung gestellt, die Bauleitung übernahm der ortsansässige Architekt Michael Kramer und die Firma Gerüstbau Rügemer stellte das Baugerüst auf. Vom Baumarkt Andre + Oestreicher kam eine großzügige Spende, Ewald Mutalis sorgte für die Heizung und Wolfgang Bremer wurde als Elektriker aktiv. Zudem übernahmen Davids Großvater und sein Onkel die Kosten und Arbeiten für das Dach und die Freie evangelische Gemeinde unterstützte Mutter und Sohn bei ihrem Vorhaben. Doch trotz der vielen fleißigen Handwerker bleiben noch einige Arbeiten offen, das Badezimmer und der gesamte Innenausbau müssen noch bewerkstelligt werden.

„Ein solcher Bau ist auch teurer als ein normaler Anbau, denn alleine die Kosten für den benötigten Aufzug belaufen sich auf 25.000 Euro“, so Mutter Baier.

Alltag wie andere auch

Spendenkonto: Spendenkonto „David“: Volksbank Eppertshausen, Nummer 100032603

Während sie jede Menge Papierkram zu erledigen hat, brütet ihr Sohn über seinen Schulaufgaben, denn mit dem Stoff der siebten Klasse im Gymnasium hat er viel zu lernen. In den Wintermonaten wird er zwar zu Hause unterrichtet, denn die Ansteckungsgefahr ist in der Erkältungszeit zu groß, aber David wäre viel lieber in seiner Klasse. „Dort kommt ja jeder mal dran und hier zu Hause bin ich es, der alle Fragen alleine beantworten muss“, grummelt der Junge. Doch obwohl er vor- und nachmittags ein umfangreiches Programm aus Schulaufgaben, Physiotherapie und Logopädie zu bewältigen hat, findet er noch freie Zeit, um mit seinen Freunden zu spielen.

„Ich habe eigentlich einen Alltag wie andere auch, ich lerne für die Schule, spiele Computer und treffe mich mit meinen Kumpels“, meint er, doch sowohl er wie auch seine Mutter wissen genau, wie viel Anstrengung es den Jungen kostest, mit seiner Krankheit zurechtzukommen, die ihn immer wieder in sein Bett zwingt und die ihn auf andere angewiesen sein lässt. „Man gewöhnt sich eben daran, dass jemand anderes Dinge für einen tun muss“, sagt David und bittet seine Mutter zum wiederholten Mal, ihm den Kopf ein wenig zu drehen, denn er möchte seinen Gesprächspartnern ins Gesicht sehen können – auf Augenhöhe.

Quelle: op-online.de

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