Herz für fitte Rentner und Studenten

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Michael von Anhalt freut sich schon, Eppertshäuser Sportsfreunden eine besondere Attraktion anbieten zu können.

Eppertshausen - Wo einst Bananen, Wurst, Käse und Getränke in die Einkaufskörbe wanderten, sollen sich bald Muskeln kontrahieren, Hanteln in die Höhe stemmen, Ergometer per Pedale antreiben und Menschen des Fitnesstrainers Anweisungen Folge leisten. Rewe ging, Killer kommt. Von Jasmin Frank

Seit geraumer Zeit steht er schon leer, der ehemalige Einkaufsmarkt an der Ober-Röder-Straße. Er ist das erste große Gebäude, auf das Autofahrer blicken, wenn sie aus Ober-Roden kommend nach Eppertshausen fahren. „Dort wurde von 1988 bis zu seiner Schließung ein HL- beziehungsweise Rewe-Markt betrieben, bevor das neue Pendant in der Einsteinstraße eröffnet wurde“, erläutert Jürgen Geist vom Bauamt der Gemeinde. Der Fachbereichsleiter hat auch alle Zahlen zu dem an exponierter Stelle gelegenen Areal parat und führt aus: „Das Grundstück hat eine Größe von 2 470 Quadratmeter, das Gebäude eine Flächengröße von etwa 1 000.“

Preiswertes Fitnessstudio

Nicht nur die Einwohner hatten sich gefragt, warum das Haus trotz seiner idealen Lage noch keinen neuen Nutzer gefunden hat. Doch erst per Zufall wurde ein Geschäftsmann auf den leer stehenden Markt aufmerksam: Michael Prinz von Anhalt, weithin bekannter Unternehmer aus der Region, war auf dem Weg nach Urberach, als er vom Wege ab und an dem Gebäude vorbei kam.

„Ich erkundigte mich sofort, ob es noch zu haben sei. Eine einzige Besichtigung genügte mir, um es zu kaufen. Es ist ideal, um darin meine Vision von einem hochwertigen, aber preiswerten Fitnessstudio zu verwirklichen“, schwärmt von Anhalt. Hintergrund ist, dass er vor über zehn Jahren selbst in Eppertshausen gewohnt hatte und schon damals dachte, dass dieser Markt ideal für ein Studio sei. „Die Lage ist einfach bestens, jeder kann direkt von seinem Weg auf oder von der Arbeit hier halten und sein Sportpensum absolvieren“, so der Geschäftsmann.

Er hat Großes vor: Derzeit betreibt er sechs Premiumclubs in der Umgebung und will nun Fitnessfabriken im Radius von zehn Kilometern um Groß-Zimmern herum aufbauen. Danach soll der Kreis bis auf fünf Kilometer enger gezogen werden. In jedem neuen Studio werden etwa drei Auszubildende und drei Festangestellte benötigt.

Auch für Rentner und Jugendliche

„Wichtig ist es mir, das Flair der Gebäude zu erhalten, die ich erwerbe. In Groß- Bieberau, dem Pilotprojekt, sind wir in einem ehemaligen Kino, und das verleiht dem Studio eine ganz besondere Atmosphäre“, erzählt er. Deshalb sei er auch an der Dieburger Ludwigshall´ interessiert gewesen, denn er habe den altehrwürdigen Bau vor dem Abriss bewahren wollen.

„Sowohl in Dieburg wie auch in Reinheim stehe ich schon bei weiteren Gebäuden in Verhandlungen, in Groß-Umstadt feiern wir im September Eröffnung“, freut sich von Anhalt über seine Erfolge. Eine Fitnessfabrik, wie sie auch in Eppertshausen entstehen soll, unterscheide sich von seinen Premiumclubs nur in einzelnen Bereichen, so wird auf eine Sauna und vielfältige Kursangebote verzichtet. Dafür sollen sich allerdings auch Rentner und Jugendliche den Monatsbeitrag leisten können. „Es wird auf jeden Fall richtig chic, nicht nur von innen, das Haus wird ein Schmuckstück sein, auf das die Eppertshäuser stolz sein können“, sagt der Prinz.

Der Umsetzung steht nun nichts mehr im Wege, für die Umwandlung in ein Fitness -Center ist zwar noch ein Antrag auf Nutzungsänderung nach den Vorgaben der Hessischen Bauordnung erforderlich, die beim Landkreis eingereicht werden muss, doch dann kann es losgehen.

„Konkurrenz belebt das Geschäft“

Ende diesen Jahres, spätestens aber ab Anfang 2012 hätten Sportbegeisterte in Eppertshausen dann ein weiteres Fitnessstudio im Angebot - zwei Clubs sind hier schon vorhanden. Doch Konkur-renzängste kennt von Anhalt nicht und meint: „Die Menschen gehen dahin, wo sie die beste Leistung für ihr Geld bekommen. Wir haben ein gut geschultes Team und ein Programm mit Gesundheitszirkel, Trainerbetreuung und Rückengruppentrainings, damit können wir punkten. Zudem haben unsere Kunden den Vorteil, gegen einen Aufschlag auch die Angebote in den Premiumclubs nutzen zu können.“

Bürgermeister Carsten Helfmann freut sich ebenfalls über den Neuzugang in Eppertshausen und sieht keine Probleme auf die bereits vorhandenen Studios zukommen: „Konkurrenz belebt das Geschäft, und somit ist ein größerer Wettbewerb sicher von Vorteil für die Kunden. Zudem wird die Ortseinfahrt bald viel vorteilhafter aussehen.“

Ob in Eppertshausen genug Nutzer für gleich drei Fitnessstudios vorhanden sind, habe sich von Anhalt nicht gefragt, er handle stets nach seinem Bauchgefühl und werte keine Marktanalysen aus. „Ich habe so viele Projekte, von Reisebüros über Schönheitslounges bis hin zum Stretch-Limousinen-Service, da muss ein einzelner Club nicht den großen Gewinn bringen, Hauptsache ist, er trägt sich. Ich möchte betreiben, was mir Spaß macht, das Geld steht für mich nicht im Vordergrund. Das gilt insbesondere für meine Sportintegrationsstiftung“, sagt der Prinz mit einem breiten Lachen und dann streckt er weit Arme aus, als wolle er seine neue Fitnessfabrik am liebsten umarmen.

Quelle: op-online.de

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