Hoch im Kurs stehen Eigengewächse

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Erich Kampmann (links) weiß, was Kunden wie Philipp Stuckert wollen - statt Gurken und Tomaten kommen Auberginen und Paprika in die Einkaufstüte.

Eppertshausen/Münster - Eine Meldung, die zu denken gibt und über die sich viele Bürger derzeit den Kopf zerbrechen: „Seit dem Wochenende 21. /22. Mai 2011 ist es zu mehreren Infektionsfällen mit dem EHEC-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia Coli) mit schweren Verläufen gekommen, in Stadt und Landkreis werden zur Zeit elf Menschen deswegen stationär behandelt. “ Von Jasmin Frank

Dies ist auf der Homepage des für unsere Region zuständigen Gesundheitsamtes zu lesen und als einer von mehreren guten Ratschlägen wird empfohlen, bis auf Weiteres auf den Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat aus Norddeutschland in ungekochtem Zustand zu verzichten. Wie halten es unsere Leser, fragten wir nach.

„Bei uns konnte man einen ganz deutlichen Rückgang bei diesen Produkten verzeichnen“, informierte Erich Kampmann. In seinem Edeka-Markt in Münster ging der Umsatz bei Gemüse um etwa 15 bis 18 Prozent zurück. „Wir verkaufen zwar etwas mehr Obst, weil die Kunden natürlich weiterhin gerne etwas Frisches und Gesundes essen wollen, aber dadurch wird der Rückgang nicht ausgeglichen“, weiß er. Ähnlich geht es allen umliegenden Händlern, die Gemüse vertreiben. Einige Kunden haben ihre Gurken sogar im Markt wieder abgegeben, andere fragen den Experten, was sie denn nun überhaupt noch essen könnten.

„Momentan ist ja Spargelsaison, zudem gibt es ja noch viele andere Gemüsesorten wie Zucchini oder Möhren, da gibt es schon noch eine große Auswahl“, empfiehlt Kampmann, dessen Rezeptautomat auch schon auf Küchentipps mit Lebensmitteln ohne EHEC-Verdacht angepasst wurde.

Kunde Philipp Stuckert weiß zwar, dass derzeit Sprossen im Visier der Untersuchung stehen, dennoch bleibt er bei seinem veränderten Einkaufsverhalten. „Ich verzichte weiterhin auf Tomaten und Gurken und nehme lieber Paprika oder Auberginen. Als Endverbraucher ist man eben verunsichert. Ich warte ab, bis ein endgültiges Ergebnis da ist“, sagt der Münsterer.

Solche Probleme haben Renate und Edmund Becker nicht: Sie kaufen kaum Gemüse ein, denn alles was sie brauchen, pflanzen sie selbst an. „Ich habe außerhalb noch ein großes Grundstück, da wächst alles, was viel Platz braucht, oder wenig pflegeintensiv ist; Kartoffeln, rote Beete oder Bohnen. Obstbäume habe ich dort ebenso wie hier an meinem Garten am Haus“, erzählt er, während er gemütlich unter seinem ausladenden Kirschbaum sitzt. Wenn die beiden Eppertshäuser einen Salat möchten, müssen sie nicht lange überlegen, was überhaupt noch genießbar ist, denn gespritzt wird bei ihnen sowieso nicht. „Gurken, Salate, Tomaten und Kräuter habe ich hier direkt vor Ort und da kann ich jederzeit genau das anrichten, was wir essen wollen. Ohne EHEC und ohne Giftstoffe“, freut sich Renate Becker, die alles verarbeitet, was ihr Mann anpflanzt, so dass selbst Marmelade nicht eingekauft werden muss.

Dennoch können sie verstehen, dass ein solcher Garten nicht jedermanns Sache ist, denn es muss viel Zeit und Arbeit in die Beete investiert werden, vom ersten Umgraben bis zur Ernte. „Dafür genießen wir unser Obst und unser Gemüse aber bedenkenlos und unsere Kinder und Enkel freuen sich auch über die frischen Lebensmittel“, strahlen die beiden. Somit haben alle Hobbygärtner derzeit gut lachen. Für diejenigen, die auf Gemüse aus dem Supermarkt angewiesen sind, heißt es nun abwarten, was die neuesten Untersuchungen ergeben.

Quelle: op-online.de

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