Hochgebirgswanderung des OWK

Von Wildspitze verschmäht

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In zwei Vierer-Seilschaften den Gletscher hinauf zum Gipfel.

Eppertshausen - Schon sehr früh am Samstagmorgen ist der kleine Tross der Hochgebirgswanderer des Odenwaldklubs (OWK) mit Anhang gen Süden gestartet. Ziel der diesjährigen Tour waren die Eisriesen der Ötztaler Alpen mit einem anstrengenden und anspruchsvollen Wanderprogramm.

Hier der Reisebericht: Um die Mittagszeit erreicht der Odenwaldklub den Ausgangspunkt Vent. Steigeisen, Seile, Pickel, Proviant und Trinkvorräte müssen verstaut werden. Das Material und die umfangreiche Ausrüstung werden aufgeteilt. Die großen Rucksäcke wiegen danach fast 20 Kilo.

Ziel erreicht: das Gipfelkreuz auf dem 3 606 Meter hohen Simelaun.

Die Mannschaft aus acht Bergwanderern verabschiedet sich von der restlichen Gruppe, die sich in und um Meran ein schönes Wellnessprogramm gönnt. Bei schönstem Wetter gehen die acht Wanderer die erste Etappe gemächlich an. Trotzdem: Der Rucksack drückt, der Schweiß lässt die Augen brennen, und die Füße müssen zwischendurch mit Pflaster verarztet werden. Nach rund drei Stunden und 800 Höhenmetern erreichen sie die Martin-Busch-Hütte. Der Abend ist kurzweilig, die Nacht nur kurz, der Wecker klingelt um 7 Uhr. Um diese Zeit ist es draußen noch sehr frisch. Den Schlaf noch in den Augen, die Müdigkeit im Körper, marschieren die Wanderer über Wildbäche und passieren Hochweiden mit grasenden Schafen und Ziegen, die in dieser Woche ihr Sommerrevier gegen tiefere Lagen tauschen werden.

Die Simelaunhütte (3 019 m) steht an der Endmoräne des großen Gletschers. Dort rüstet die Truppe sich um: Sie zurren Steigeisen an die Wanderstiefel, legen Brust- und Sitzgeschirr an und binden das Seil ein. Zum Schutz vor der Höhensonne cremen sie ihre Gesichter ein, dann ziehen sie Mützen auf, schieben dunkle Brillen auf die Nasen und stülpen Handschuhe über.

In zwei Vierer-Seilschaften zieht der Tross den gespurten Pfad Richtung Gipfel. Sie überqueren tiefe Gletscherspalten, kurze Stopps unterbrechen den Anstieg, und die Bergsteiger spüren allmählich, dass die Luft um sie herum dünner wird. Unterhalb des Gipfels lassen sie die Rucksäcke zurück. Kurz darauf hat die Mannschaft es geschafft: Sie steht am Gipfelkreuz des 3 606 Meter hohen Simelaun.

Ein phantastischer Rundblick auf die Gletscher- und Eiswelt belohnt die Mühen. Genauso wie eine Runde Gipfelschnaps. Dem Aufstieg folgt der Abstieg. Nach fast zehn Stunden Gekraxel sind alle wohlbehalten zurück in der Hütte. Auch in den nächsten Tagen bewegt sich die Gruppe immer in Höhen oberhalb der 3 000er Marke. Warnrufe der Murmeltiere und der spitze Schrei der Adler begleiten sie dabei. Letzte Enziane und Arnika künden den nahen Winter an.

Ziel einer anderen Wanderung ist der zweithöchste Berg der österreichischen Alpen: die Wildspitze (3 772 m). Mehrfach haben die Eppertshäuser Bergsteiger schon den Versuch unternommen, diesen Berg zu besteigen. Doch auch in diesem Jahr macht ihnen eine Kaltfront einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Der Wetterdienst hat Regen und Schnee bis in die Täler angekündigt. Das Unwetter zieht viel schneller heran als erwartet. Bergführer Bernhard Kraus und Ludwig Scharf entscheiden sich lieber für den Abstieg. Und damit liegen sie richtig. Einige Bergfreunde bezahlen in dieser Woche noch mit ihrem Leben und der Gesundheit. J kat

Quelle: op-online.de

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