Mitarbeiter müssen vor allem zuhören können

Ganz Ohr für Hospizarbeit

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Zehn Jahre gibt es Sterbebegleitung in Eppertshausen. Die Mitarbeiter lernen früh: Zuhören ist das Wichtigste. Christa Wagener und Sueli Küpper-Tetzel schmökern in einem Ordner mit alten Ausbildungsunterlagen.

Eppertshausen - Lang ist der Ausbildungsweg zur Hospizmitarbeiterin und kann doch so kurz sein. Von Peter Back

Über ein Jahr besuchten Christa Wagener und Sueli Küpper-Tetzel einen Kurs zum Thema „Hospizarbeit im Nachbarschaftsbereich“ und lernten bereits sehr früh: Zuhören können ist das Wichtigste bei der Hospizarbeit. Zehn Interessierte aus den evangelischen Kirchengemeinden Dieburg, Groß-Zimmern und Eppertshausen hatten sich ab Oktober 2002 regelmäßig getroffen, um Kompetenzen zur Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen zu erwerben.

Themen wie „Tod als Teil des Lebens“ und „Emphatische Gesprächsbegleitung“ gaben den Teilnehmerinnen nicht nur Regeln und Handlungsmuster an die Hand, sondern auch die Gelegenheit, die persönliche Lebenssituation zu überdenken und die eigene Motivation zur Mitarbeit zu stärken. Ergänzt wurde das Ausbildungsprogramm durch praktische Tätigkeiten im evangelischen Elisabethenstift in Darmstadt, in dem Kursleiter Pfarrer Walter Ullrich als Seelsorger tätig war.

Während sich die in Brasilien aufgewachsene Sueli Küpper-Tetzel schon kurze Zeit nach ihrem Zuzug 2000 in der Caritas-Arbeit der Pfarrei St. Sebastian engagiert und Kranke besucht hatte war die seit 40 Jahren in Eppertshausen lebende Christa Wagener schon viele Jahre zuvor in der Seniorenarbeit der Friedensgemeinde tätig gewesen. „Wenn jemand bei einem unserer Seniorennachmittage fehlte war es für mich selbstverständlich, ihn zu Hause zu besuchen“, spannte sie den Bogen zur jetzigen Tätigkeit.

Ergänzung zur Gemeindearbeit

„Der Hospizkurs war die logische Ergänzung unserer ehrenamtlichen Gemeindearbeit“, ergänzt Küpper-Tetzel, die Leiterin der Caritas von St. Sebastian. „Wir wollten von Anfang an Hospizarbeit für Menschen in Eppertshausen anbieten“, stellt Küpper-Tetzel, die zur Zeit eine Person betreut, den lokalen Bezug heraus. „Ich darf auch weinen, wenn ein Mensch stirbt, den ich begleitet habe“, betont sie, denn auch für die Betreuer sei der Abschied oftmals mit Schmerz verbunden. Gleichzeitig sei es wichtig, Grenzen zu setzen, um die Psyche, aber auch das Privatleben zu schützen.

Ganz unterschiedlich sei der zeitliche Umfang der Begleitung, der sich von einem Tag in der Woche bis zu mehrmaligen Besuchen täglich ausweiten kann, wie Christa Wagener bemerkt. Es sei auch schon vorgekommen, dass eine der beiden Hospizmitarbeiterinnen eine Begleitung abgelehnt hätte, denn „die Chemie zwischen dem Sterbenden und der Betreuerin muss stimmen“, sagt Sueli Küpper-Tetzel.

Für Trauer gibt es keine Patentrezepte

„Der Wunsch zur Begleitung wird von den Angehörigen oder über die Pfarreien an uns herangetragen“, informiert Christa Wagener. Die Entlastung der Familienmitglieder sei ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Hospizarbeit. „Oftmals ist die Begleitung des Sterbenden mit dessen Tod nicht zu Ende und wandelt sich in eine Trauerarbeit für die Angehörigen“, so Wagener. Allerdings gebe es keine Patentrezepte. Jeder nehme auf seine ganz persönliche Art Abschied, merken beide unisono an. Auch treten in der Begleitung immer wieder Situationen auf, in denen sie an ihre Grenzen stoßen und sprachlos werden.

Regelmäßige Fortbildungsseminare, beispielsweise besuchte Sueli Küpper-Tetzel im Sommer ein Exerzititenwochenende in der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard im Rheingau, aber auch Gespräche mit den Ortspfarrern bieten Hilfe oder fangen sie auf.

Am Mittwoch, 30. Oktober, 19 Uhr, findet zum zehnjährigen Jubiläum der Hospizarbeit in Eppertshausen eine Andacht in der Kirche der evangelischen Friedensgemeinde in der Friedensstraße 2 statt. Beim anschließenden Imbiss besteht die Möglichkeit zum Gespräch.

Quelle: op-online.de

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