Boxerklub lehrt das Welpen-ABC

+
Viel Spaß mit der neuen Welpenschule haben Tina Pohl mit ihrem Sailer von der Erlenweide, Bernhard Brauner mit Barny von der Neckarschleife und Ausbildungswart Hans-Peter Schuchmann mit allen zusammen.

Eppertshausen - Die erste Hundeschule geht schon für die Babys aller Rassen ab acht Wochen los. Von Thomas Meier

Barny von der Nackarschleife ist furchtbar müde. Er streckt die lange rote Zunge heraus und reißt die Lefzen auseinander. Man meint, der Unterkiefer müsse gleich die Grasnarbe aufwühlen. Und deutlich sieht man an den nadelspitzen Reißzähnen des kleinen Boxerrüden noch Spuren seines Tuns der letzten 60 Minuten. Kleine rote Spritzer. An Armen und Händen von Herrchen Bernhard Brauner dominieren derweil die Kratzer, die vor einer Stunde noch nicht in dieser Menge zu verzeichnen waren. Was indes bei Hund und Herr gleichermaßen zu beobachten ist: Eine gelassene, heitere Zufriedenheit im Gesicht. Die erste Welpenstunde liegt hinter den beiden.

Premiere nicht nur für den 13 Wochen alten Welpen aus Dreieichenhain, sondern auch beim Boxerklub Eppertshausen, der am Samstag mit einer Schnupperstunde sein neues Angebot einläutete. Und nicht nur die Welpenstunde für Hundebabys jeder Herkunft soll im Vereinsangebot aufgenommen werden, auch Erziehungskurse für Hunde aller Rassen werden künftig unter fachkundiger Leitung von Ausbildungswart Hans-Peter Schuchmann gegeben.

Ein munterer Rüde

Neben Barny, der freilich nicht mit vollem Namen gerufen wird, tollte auch Sailer von der Erlenweide mit dem Boxerchen um die Wette. Der siebenmonatige Noch-Welpe wird Paul gerufen und hatte mindestens soviel Spaß wie die jüngeren Kollegen. Tina Pohl aus Arheilgen kam mit dem munteren Rüden, der schon etwas mehr Erziehung erkennen lässt, als sein kleiner Spielkumpan.

Und darum geht es auch in der Welpenschule. Ihr vorangestellt wird in Eppertshausen bereits seit längerem gar die Welpenspielstunde. Denn die Sozialisationsphase beginnt etwa mit der vierten Lebenswoche und endet, je nach Rasse, zwischen der zwölften oder 14. Lebenswoche. „Nur in dieser Zeit lernt der Welpe die für seinen Lebensraum typischen Situationen, Ereignisse und soziale Spielregeln kennen und benutzt diese sein Leben lang als Vergleichsmaßstab für ähnliche Situationen“, sagt Klubvorsitzende Barbara Allmann aus Dieburg.

Hat der Hund in dieser Zeit wenig Erfahrungen gemacht, kann er auch später nichts vergleichen und wird mit Angst reagieren. Im schlimmsten Fall entwickelt er sich zu einem ängstlichen Vertreter. Um dem entgegenzuwirken bietet der Boxerklub Spielstunden für Welpen ab der achten bis zur 20. Lebenswoche an.

Gehorsam durch Gewohnheit und Übung

In der Welpenschule geht es dann schon etwas straffer zur Sache, wenngleich immer noch spielerisch. Beim Lernen von Kommandos dürfen Halter den Welpen nicht überfordern. „Junge Hunde können sich nur fünf bis zehn Minuten konzentrieren“, weiß Ausbildungswart Schuchmann. Er rät seinen Herr- und Frauchen, mehrere kleine Übungsphasen am Tag einplanen und bis zum Alter von sechs Monaten auf eine halbe Stunde am Tag ausweiten.

Die Schnupperstunde vor den eigentlichen Lerneinheiten, die im zehnstündigen Kurs künftig immer samstagnachmittags von 14 bis 15 Uhr in der Einsteinstraße stattfinden, sollte Herr und Hund mit der Situation vertraut machen, plötzlich auf weitere solcher Doppel zu stoßen. Aber auch bereits den Welpen Grenzen aufzeigen.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

Der Gehorsam des Welpen besteht aus Gewohnheit und Übung. Hundehalter sollten daher in allen Lebenslagen und zu allen Gelegenheiten mit den Kleinen üben, damit der Babyhund Kommandos nicht an einen bestimmten Ort knüpft. Doch wollen auch die Kommandos erst einmal gelernt sein. Schuchmann vermittelt, wie Befehle eindeutig an den Vierbeiner kommen. Mit Handzeichen kombiniert, versteht sie der Hund auch auf weite Entfernungen, weiß der Ausbildungsleiter, der Lehrgänge in Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst für Hunde absolviert hat. Doch auch in Menschenführung, Rhetorik und Erste Hilfe am Hund ist er geschult.

Im Erziehungskurs für die bereits gesetzteren Welpen und junge erwachsene Hunde heißt es samstags ab 15 Uhr in der Hundeschule Gehorsamsübungen zu absolvieren: Fuss, Sitz, Platz, Steh, Aus, Nein, Hier, Bleib – so lauten dann die etwas harscheren Anweisungen. Es geht um die Fixierung auf den Hundeführer, das Verhalten gegenüber Radfahrern, Joggern und in Menschengruppen und anderes. In der Theorie werden den Haltern die Themen Triebverhalten, Ängste, Dominanzverhalten und Läufigkeit vermittelt.

Die Welpenschule dauert zehn Stunden à 60 Minuten und beginnt nächsten Samstag um 14 Uhr am Vereinsheim in der Einsteinstraße (Kosten: 50 Euro pro Hund). Der Welpe muss bereits geimpft und sollte vor der Spielstunde nicht gefüttert sein.

Quelle: op-online.de

Kommentare