Zum „Ich“ finden im sozialen Jahr

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Michael Schledt führt die jungen Turner im TAV in den Gerätesport ein.

Eppertshausen ‐ Wer viele Talente besitzt, der hat oft auch zahlreiche Interessen. So geht es dem Eppertshäuser Michael Schledt: Nicht nur, dass er mit seinen 19 Jahren schon ein verantwortungsvoller, aber auch witziger Kerbvater war und bei vielen Kindern als engagierter Turntrainer beliebt ist; er hat noch viele andere Facetten. Von Jasmin Frank

„Ich schauspielere auch gerne, in meiner Schule war ich in der Theatergruppe, das hat mir viel Spaß gemacht. Schlagzeug habe ich mal gespielt, aber am liebsten mache ich doch eines: Sport!“, begeistert sich der Abiturient. Weil er in so vielen Bereichen aktiv ist, war für ihn nach dem Schulabschluss auch noch nicht eindeutig klar, wohin die Reise gehen soll. „Viele ärgern sich ja, jetzt noch zu dem Jahrgang zu gehören, der noch nicht von der Wehrpflicht oder dem Zivildienst befreit ist. Ich muss sagen, dass mir dieses eine Jahr Auszeit gerade recht gekommen ist, damit ich mich erst einmal orientieren kann“, gibt der junge Eppertshäuser zu.

Er hat sich auf Anregung von Trainerin Ellen Dotterweich dazu entschieden, beim Turn- und Athletikverein ein freiwilliges soziales Jahr abzuleisten. „Eigentlich wollte Michi ja ins Ausland, aber da er ja auch regelmäßig nach Münster muss, ist das ja fast dasselbe“, lacht sie. Viele Vereinsmitglieder waren froh, nach dem engagierten FSJ’ler Sebastian Engel nun einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. „Ich habe nun ganz verschiedene Aufgaben, so muss ich auch im Büro mithelfen. Das ist zum einen Verwaltungsarbeit, aber auch Organisation. So hat mein Träger, die Sportjugend Hessen, vorgesehen, dass ich innerhalb dieses Jahres mindestens ein großes Projekt planen muss: die Fahrt zum Hallenturnfest nach Viernheim. Aber auch unser TAV-Familienabend am 11. Dezember wird von mir mitorganisiert“, berichtet er.

Acht Mal in der Woche trainiert er Jungen und Mädchen

Eine Aufgabe, in die er sich noch hineinfinden muss, ist seine Tätigkeit in der Teestube an der Münsterer Schule auf der Aue. „Das ist etwas ganz anderes, als ich es hier als Turntrainer gewohnt bin. Dort sollen sich die Kinder ja entspannen können und ruhig verhalten. Oft kommen sie aber aufgekratzt in unseren Raum und wenn ich dann alleine bin, fällt es mir nicht immer leicht gleich zu entscheiden, wie ich mich optimal verhalte“, erzählt Schledt.

Viel einfacher ist es für ihn, sich mit den Kindern seiner zahlreichen Turngruppen zu beschäftigen. So trainiert er acht Mal in der Woche Jungen und Mädchen verschiedener Leistungsstufen vom Kindergartenalter bis zur sechsten Klasse. „Es ist für mich immer wieder überraschend, wie unterschiedlich die Gruppen sind. Manche Kinder müssen sich erst einmal lange austoben, bevor es losgehen kann, andere sind sofort einsatzbereit und stehen diszipliniert vor den Geräten“, meint er. Besonders seine Leistungsgruppe, die er schon vor seinem freiwilligen sozialen Jahr trainiert hat, ist ihm ans Herz gewachsen. „Eigentlich möchte ich ja im nächsten Jahr wirklich mal richtig weg ziehen. Entweder um Sport zu studieren, oder aber um mir meinen Traum zu erfüllen und zum Fernsehen zu kommen. Mit meiner Familie, meinen Freunden und meiner Freundin kann ich ja dann immer noch Kontakt halten, aber meine Jungs würde ich dann wohl nicht mehr sehen, und das macht mir die Entscheidung wirklich schwer. Wenn ich etwas angefangen habe, möchte ich es auch zu Ende führen, und da gebe ich meine Gruppe natürlich nur schweren Herzens mittendrin einfach auf“, meint der Sportler. Doch lange grübeln kann er an diesem Nachmittag nicht, denn seine Einstiegsturngruppe wartet schon auf ihn. Die Kinder tollen wild herum und freuen sich, als Michael endlich mit ihnen Fußball spielt. Und dabei wird deutlich: Kicken und Herumtoben macht nicht nur kleinen Jungen großen Spaß.

Quelle: op-online.de

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