Die Integration erkämpfen

Menschen, die sozial oder physisch

Eppertshausen - Wenn es im Eppertshäuser Sportzentrum äußerst diszipliniert zugeht und eine bunte Mischung aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen streng nach den Befehlen eines Trainers agiert, dann wird wohl gerade Karate praktiziert. Von Jasmin Frank

„Wir setzen den Schwerpunkt auf Integration durch Leistungssport“, sagt Ernes Erko Kalac, Vereinsvorsitzender und Gründer des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus. „Gerade weil wir so viele Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft zusammenbringen, sind wir so erfolgreich. “.

Insgesamt 500 Mitglieder zählt Lotus. Die meisten davon sind aktiv am Vereinsleben beteiligt. „Wir haben mehrere Sparten, neben Karate auch Kickboxen, Taekwondo und Gesundheitssport für Frauen“, informiert Kalac. Stolz sei er vor allem darauf, dass viele verschiedene Nationalitäten problemlos miteinander Sport treiben. Eine Maxime von Kalac ist: „In der Halle sind alle gleich, egal aus welchem Land die Teilnehmer kommen, und ganz gleich, ob es sich um einen Jungen oder Mädchen handelt.“ Gerade für weibliche Muslime sei es nicht immer leicht, aber der engagierte Vereinsvorsitzende habe sich bislang stets durchsetzen können. Er erinnert sich: „Ein 15-jähriges Mädchen aus einem unserer Kader sollte zwangsverheiratet werden, vielen anderen wurde verboten, bei uns zu trainieren.“ Bislang habe der Verein sich zum Guten für die Mädchen einsetzen können, ergänzt er.

Dem Verein ist es wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche eine Chance bekommen, die einen Migrationshintergrund haben oder aus sozial und finanziell schlechter gestellten Verhältnissen kommen. Und weil dort die Unterstützung des Vereins greife, könne Kalac große Erfolge verzeichnen. „Ich kann viele Namen nennen, die zeigen, dass Integration dem Leistungssport gut tut: Hüsseyn Imam und Aydin Afrim beispielsweise, beide waren Europameister. Erkan Tamer ist Deutscher Vizemeister geworden und Aytuk Dogan Hessenmeister. Das sind nur einige Personen, die es durch unsere Unterstützung zu einigem Erfolg gebracht haben“, sagt Kalac, er strahlt dabei. Kalac selbst ist den Weg der Integration in Deutschland gegangen. Das macht ihn zu einem idealen Vorbild für seine Schützlinge.

„Wir haben noch einen weiteren Punkt, auf den wir sehr stolz sind: Integration erstreckt sich beim Lotus-Verein auch auf den Behindertensport“, ergänzt Kalac. Und das Konzept machte über die Stadtgrenzen hinaus Schlagzeilen. „Karate für Menschen mit Behinderung“ wurde durch das Engagement des Vereinsvorsitzenden vom kleinen Eppertshausen aus bis zum Weltverband getragen und dort unter seiner Federführung als Abteilung eingerichtet. Seit dem Jahr 2008 werden nun jährlich deutsche Meisterschaften ausgerichtet, die ebenfalls von Kalac ins Leben gerufen wurden. In zwei Jahren soll es in Paris die erste Weltmeisterschaft für Karatesportler mit Behinderung geben.

„Wir trainieren mit behinderten und nicht behinderten Sportlern gemeinsam in einer Gruppe. Dafür habe ich ein eigenes Konzept entwickelt. Wichtig ist, nicht zu viel Rücksicht auf die Betroffenen zu nehmen, aber auch nicht mehr von ihnen zu verlangen, als für sie machbar ist“, erläutert Kalac. Auch damit hatte er Erfolg: Yakup Mutlu zum Beispiel wurde nach intensivem Training im Jahr 2009 Deutscher Meister. „Für uns ist Integration selbstverständlich und deshalb sind wir als Verein auch so erfolgreich“, fasst Kalac zusammen. Informationen über den mehrfach ausgezeichneten Eppertshäuser Verein gibt es auf www.karate-lotus.de.

Quelle: op-online.de

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