Chöre zu den Menschen bringen

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Hans Dieter Müller bereitet sich intensiv auf das Konzert „Music and Friends“ vor.

Eppertshausen - Seit 20 Jahren ist Hans Dieter Müller Chorleiter bei der Germania und steht sowohl dem Männerchor als auch dem Ensemble Musica vor. Am Sonntag (18. ) gibt es zum Jubiläum unter dem Titel „Music and Friends“ um 17 Uhr ein großes Konzert in der Bürgerhalle.

Der waschechte Eppertshäuser tritt dabei als Moderator, Chorleiter und auch als Sänger auf. Unser Mitarbeiter Michael Just hat Hans Dieter Müller vorher getroffen und ihn zu seiner Arbeit bei der Germania befragt.

Warum sollte man „Music and Friends“ nicht verpassen?

Der Abend wird reichlich Musik, Gesang und Unterhaltung bereithalten. Es war mir bei der Planung wichtig, dass nicht eine Laudatio auf die nächste folgt. Viel eher möchte ich danke sagen. Deshalb führe ich selbst durchs Programm und stelle Titel vor, zu denen ich eine enge Beziehung habe. Dazu gehört ein Stück von einem Chorwettbewerb in Spanien, das „Vater unser“ auf russisch oder ein Stück aus Israel. Hier musste ich bei einem Auftritt ganz unerwartet dirigieren. An jedem Stück hängt eine persönliche Begebenheit. Aber keine Angst, ich werde nicht alle Geschichten erzählen.

Neben den Titeln gibt’s auch zu den Sängern eine enge Beziehung. Andrei Morozow von der Staatsoper Minsk gehört zu den Freunden, die beim Konzert dabei sind.

Mit Andrei Morozow konzertiere ich seit 15 Jahren. Er kommt wegen dieses und eines weiteren Konzerts nach Deutschland. Bei der Weihnachtsfeier der Germania ist er ebenfalls schon aufgetreten und danach bei Schnee 1 650 Kilometer mit dem Auto wieder heimgefahren. Diesmal kommt er aber mit dem Flugzeug.

Blick zurück: Welche Veränderungen hat der Männerchor der Germania in den letzten Jahren durchlaufen?

In erster Linie ist es die Anzahl und das Alter der Sänger. Einst waren wir 50 bis 55, heute sind wir rund 40. Die Zahl ist aber noch in Ordnung. Allerdings sind die Männer, die damals schon dabei waren, jetzt 20 Jahre älter. Trotzdem bin ich mit der Leistung des Chors sehr zufrieden, da die Mitglieder voll hinter ihrem Hobby stehen. Auch bei den Stimmen liegt immer noch ein hohes Niveau vor. Manchmal sage ich anerkennend, „ihr klingt jünger als ihr seid“. Kaum zu glauben: Einer meiner besten Sänger ist 85 Jahre. Natürlich hinterlässt das Alter seine Spuren. Gerade das Hören ist ja ein wesentlicher Bestandteil beim Singen.

Wo sehen Sie die Germania in 20 Jahren?

Den Verein wird es in zwei Jahrzehnten mit Sicherheit noch geben. Derzeit ist die Lage nicht so, dass wir den Verein mangels Sängern in zwei Jahren zumachen müssen. Durch Werbeveranstaltungen kommen doch immer wieder neue Sänger dazu. Wie die Zukunft aussieht, wird sich zeigen, auch die Frage, ob es dann mit einem oder zwei Chören weitergeht.

Was können Sie über Ihre Zukunft verraten?

Ich hoffe, noch ein paar Jahre Chorleiter bei der Germania zu sein. Durch eine berufliche Umstrukturierung habe ich mehr Zeit, mich nun auch privat verstärkt der Musik zuzuwenden. Ich möchte mehr Konzerte besuchen, Workshops und Fortbildungen belegen. Diesen Monat fahre ich noch auf den deutschen Chorwettbewerb nach Weimar, wo ich vier Tage Musik hören werde.

Neue Literatur ist Ihnen ebenfalls wichtig.

Ja, das stimmt. Vor allem Volkslieder in anderen Sprachen, Musikstilen und Harmonien. So herrschen in Nordeuropa Moll-Tonarten vor, die sehr getragen und melancholisch daherkommen. Die ungarische Musik ist ganz anders in Rhythmik und Tonleiter. Meine Konzertreisen als Sänger und Chorleiter führten mich von den Philippinen bis nach Amerika. Hier habe ich mehr gelernt als im Musikstudium.

Sie sagen, das Chorwesen hänge in Zukunft entscheidend auch von anderen Präsentations- und Konzertformen ab.

Ich habe jüngst eine Matinee erlebt, wo ein Frühstücksbrunch und Singen kombiniert wurden. Das war eine tolle Idee. Dazu gibt es Möglichkeiten bei der Beteiligung des Publikums oder der Moderation. Auch Powerpoint und ein Beamer fürs Bühnenbild lassen sich nutzen und schaffen eine andere Atmosphäre. Im Kreis Offenbach gibt es „Singen ist gesund“. Da sind Ärzte und Krankenkassen mit von der Partie. In großer Runde werden die Vorteile des Singens veranschaulicht, etwa zum richtigen Atmen, der Prävention von Demenz oder die vielen sozialen Aspekte.

Sie vertreten die These, dass im Leben auch manchmal der Berg zum Propheten kommen muss.

Beim Babenhäuser Altstadtfest haben vor wenigen Jahren 26 Chöre an verschiedenen Plätzen in der Stadt gesungen. Viele Besucher waren begeistert und wären ohne diesen Festrahmen wohl nie zu so einer solchen Gesangsveranstaltung gegangen. In dem Fall lässt sich sagen: Wenn die Menschen nicht zu den Chören kommen, dann muss es eben umgekehrt passieren.

Frankfurter Beschwerdechor macht Ärger singend Luft

Quelle: op-online.de

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