Ein Jahr unter den Ärmsten der Armen

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Leslie Peters zeigt Erzeugnisse der chilenischen Frauen, die für ihre Existenz grundlegend sind.

Eppertshausen ‐ Wie ist es, ein Jahr lang unter den Ärmsten der Armen zu leben? Diese Frage bekamen am Freitag die Besucher des ökumenischen Gottesdienstes in der evangelischen Friedensgemeinde beantwortet. Von Jasmin Frank

Anlass war der Weltgebetstag der Frauen, der das Land Chile in den Mittelpunkt rückte und die Frage aufwarf: „Wie viele Brote habt ihr?“.

„Das Thema Teilen passt sehr gut zu Chile, weil die Menschen dort sehr herzlich sind und zueinander stehen. Gerade im Armenviertel, in dem ich gelebt habe, hilft jeder jedem“, berichtete Leslie Peters. Die junge Eppertshäuserin war für ein Jahr vor Ort gewesen, um Mitten im sozialen Brennpunkt Kinder- und Jugendprojekte zu betreuen. Auf die Idee war sie schon in der Schule gekommen, als ein Jugendoffizier der Bundeswehr für seine Truppe warb und den Mädchen das freiwillige soziale Jahr anempfahl. „Ich muss sagen, dass meine Sehnsucht, weit weg in ein anderes Land zu kommen und mein Ziel, anderen Menschen zu helfen, gleichermaßen bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben“, gibt Peters zu, deren Mutter Julia lächelt: „Wir beide haben immer Fernweh. Obwohl ich beruflich viel unterwegs bin und Leslie auch oft mitgenommen habe, reisen wir selbst immer noch gerne, wenn möglich auch unkonventionell zum Beispiel mit dem Rucksack durch Kuba.“

Aufenthalt war Bereicherung

Doch Leslies Arbeit in Chile hatte nicht viel mit einem Erholungsurlaub zu tun, zumal in den Armenvierteln die Drogenbanden das Sagen haben. „Wichtig ist, dass man sich heraushält und immer einen klaren Kopf hat. Nimmt man Drogen oder ist betrunken, wird man schnell zum Opfer“, weiß Leslie. Sie war als Helferin aber im Viertel akzeptiert und wurde von den Dealern nicht nur in Ruhe gelassen, sondern sogar beschützt. „Einmal wäre ich beinahe zwischen die Fronten eines Straßenkampfes geraten, die Männer hatten schon Aufstellung bezogen, aber dann haben sie mich gewarnt und ich konnte mich in Sicherheit bringen“, erzählt sie.

Angst habe sie keine gehabt, vielmehr sei der Aufenthalt in dem fernen Land eine Bereicherung gewesen. „Ich habe viel mehr erhalten, als ich gegeben habe. Es fühlt sich an, als hätte ich dort das pure Leben bekommen“, strahlt sie. Den Besuchern des Gottesdienstes erzählt sie von der Armut der Menschen, zeigt die kunsthandwerklichen Waren, die von Frauen hergestellt werden, damit sie etwas zum Lebensunterhalt beitragen können und sie macht die Wärme, Offenheit und Herzlichkeit der Chilenen spürbar. „Ich bin dort so wunderbar aufgenommen worden, es ist ein Geschenk“, meint die 19-Jährige, die Kommunikation und interkulturelles Management studiert und später einmal in der Entwicklungshilfe arbeiten will, wo sie ihr Engagement einbringen kann.

Quelle: op-online.de

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