Jeder darf sich auf Sattel schwingen

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Den Mitmenschen im Blick: Mit ihrer Fahrradaktion macht derzeit die Eppertshäuser Kolpingjugend auf sich aufmerksam. Die Jugendlichen von St. Sebastian haben ausrangierte Fahrräder repariert, die sie jetzt zur öffentlichen Nutzung an zwei markante Punkte im Ort gestellt hat.

Eppertshausen - Die Kolpingfamilie macht ausgediente Fahrräder flott, um sie Eppertshäusern zur Verfügung zu stellen. Von Michael Just 

Sie leuchten in einem auffallenden Orange, haben einen praktischen Korb und eine kleine Tafel, auf der sich die Nutzungsbedingungen ablesen lassen: Seit ein paar Tagen stehen insgesamt sechs markante Fahrräder am Bahnhof und am Rathausplatz. Auf den ersten Blick wirken sie herrenlos, denn ab- oder angeschlossen sind sie nicht. Bei näherem Inspizieren fällt auf, dass sie, wie das große „K“ auf einer Metallplatte und am Korb verrät, der Kolpingfamilie gehören. Sie hat die Zweiräder zur öffentlichen Benutzung bereitgestellt: Jeder darf und soll mit ihnen möglichst oft fahren. „Die Idee zu dieser Aktion hängt mit dem Jubiläum 150 Jahre Kolping in der Diözese Mainz zusammen. Damit war für jede Familie unter dem Motto ,sozial vor Ort - Profil zeigen’, die Aufgabe verbunden, sich eine beispielhafte Aktion auszudenken“, erzählt Marcus Schledt, Vorsitzender von Kolping Eppertshausen.

Zusammen mit der Kolpingjugend entstand die Idee zu einer ungewöhnlichen Fahrradaktion. Die sah so aus, dass man sich zehn ausrangierte Schrottfahrräder einer Wohnungsbaugesellschaft besorgte. Vorrangig in den Osterferien schraubten und werkelten die jungen Katholiken, um die Drahtesel wieder auf Vordermann zu bringen. Es wurde geschliffen und lackiert, neue Reifen und Schläuche aufgezogen, Glühbirnchen gewechselt oder Bremsen neu eingestellt. „Aus ehemals zehn defekten Rädern haben wird sechs einsatzbereite gemacht“, erzählt Paul Schledt, der zu den Aktivposten in der Kolpingjugend mit ihren 15 bis 20 Mitgliedern im Alter von zehn bis 20 Jahren zählt. Regelmäßige Unterstützung gab´s von Eltern und anderen Erwachsenen. Besonders engagiert zeigten sich einige Rentner, die viele hilfreiche Tipps und Kniffe parat hatten. Nicht wenige der Senioren schraubten ihr Rad nach dem Krieg selbst auf ähnliche Weise zusammen – wenn vielleicht auch nicht so umfangreich wie jetzt mit Korb und allen Notwendigkeiten für die Verkehrssicherheit.

Wie mache ich mein Fahrrad fit?

Für die Kolpingfamilie ist mit der Fahrradaktion – neben einem sozialen Dienst – noch ein weiteres Anliegen verbunden: „Wir wollen die Leute dazu animieren, mit öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren“, sagt der Vorsitzende. Denn damit werde ein erheblicher Beitrag zum Schutz der Natur und der Umwelt geleistet. In 50 deutschen Großstädten bietet die Deutsche Bahn bereits seit mehreren Jahren einen ähnlichen Service unter dem Stichwort „Call a Bike“ an. Während hier jedoch Ausleihkosten anfallen, ist das Angebot in Eppertshausen frei. Einzige Bedingungen sind laut den Hinweistafeln am Korb, dass die fahrbaren Untersätze für kleinere Strecke genutzt werden und in Eppertshausen verbleiben.

Des Weiteren wird gewünscht, dass die Zweiräder innerhalb eines Tages wieder an ihren Ursprungsort (Rathausplatz oder Bahnhof) auftauchen. Durch die auffallende Farbe und das deutliche „K“ hofft man bei Kolping, dass Langfinger von den Rädern fernbleiben und die Vetrauensbasis, die dem ganzen zugrunde liegt, eingehalten wird.

Quelle: op-online.de

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