Jedes Produkt hat eine Geschichte

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Sind stolz auf ihren schönen Shop mit Produkten aus den ärmsten Winkeln der Welt: Klemens Euler und Beate Noll im Weltladen, der vor zehn Jahren an den Franz-Gruber-Platz gezogen ist.

Eppertshausen ‐  Alles begann auf 20 Quadratmetern Ladenfläche - ohne Heizung. Mit einer Handvoll ehrenamtlicher Mitarbeiter. „Wir hatten nicht einmal eine Toilette“, erinnert sich Klemens Euler an die Anfänge des „Weltladens“, der vor 16 Jahren auf der Hauptstraße eröffnet wurde. Von Ursula Friedrich

Seit dem hat sich der „Weltladen“, der vor zehn Jahren auf den Franz-Gruber-Platz umgezogen ist, gemausert: Auf rund 40 Quadratmetern Ladenfläche sind Kunsthandwerk, Schmuck, Nahrungsmittel aus Bioanbau und Haushaltsartikel liebevoll arrangiert. Über 30 ehrenamtliche Mitarbeiter zählen zum Team, die den Laden unter Trägerschaft des Eine-Welt-Vereins betreiben. Geblieben ist die Idee der ersten Stunde: Menschen in den Entwicklungsländern durch den Verkauf von Produkten zu fairen Preisen eine würdevolle Existenz zu sichern.

„Jedes Produkt hier hat eine Geschichte“, erzählt Euler. Die kunstfertigen Taschen aus Indien sind aus Kunststoffresten gefertigt, Müll, der eingesammelt, aufbereitet, vernäht wird. Aus Pakistan stammen die Fußbälle – nicht maschinell geklebt, sondern von Hand genäht. Die Bananenbäuerin aus Equador kam sogar persönlich nach Eppertshausen, um die Mitarbeiter einzuweisen, wie die kostbaren Biofrüchte gelagert werden müssen, damit sie keine Dellen und Flecken bekommen. Dieser Besuch, der durch die Importorganisation Gepa ermöglicht wurde, hat die Crew am Franz-Gruber-Platz tief berührt. Der persönliche Kontakt zu Menschen aus den Erzeugerländern der Waren ist ein Erlebnis, das nicht verblassen wird.

„Für uns ist es einfach auch der Beweis: Was wir hier machen, kommt wirklich bei den Produzenten an“, so Euler. Über das Importunternehmen wird den Produzenten aus Südamerika, Afrika und dem asiatischen Raum ein konstanter, fairer Preis für ihre Waren geboten – weitgehend unabhängig von schwankenden Handelspreisen und unsicheren Börsenentwicklungen. Dies sichert Existenzen, ermöglicht den Betroffenen Sozialleistungen zu beanspruchen und Altersvorsorge zu betreiben.

„Mein kleiner Beitrag zu helfen.“

So sind die Erfolge des Weltladens, der auf einen kleinen Verkaufsstand unter Regie von Josef Spielvogel in der katholischen Kirche zurückgeht, viele Tausend Kilometer entfernt ablesbar: in Peru, Bolivien, Nicaragua, an der Elfenbeinküste und anderen Dritte-Welt-Ländern. „Es geht uns hier aber nicht nur um den Verkauf“, so Klemens Euler zur Philosophie der Weltladen-Mannschaft, „wir betreiben auch Öffentlichkeitsarbeit und informieren.“ Das Verkaufsteam setzt sich aus unterschiedlichsten Helfern zusammen: Einige Mitarbeiter der ersten Stunde sind treu geblieben, andere kamen erst kürzlich hinzu, um je nach verfügbarer Freizeit mit anzupacken.

Da ich mit meinem Mann gerne reise, habe ich die Armut in den Ursprungsländern unserer Waren selbst gesehen“, erzählt Beate Noll, „das hat mich motiviert.“ Trotz ihrer beruflichen Tätigkeit zweigt sie Zeit ab, um zu helfen. „Zwei, drei Stunden vormittags kann man investieren, es ist mein kleiner Beitrag zu helfen.

Der Weltladen hat sich zu einem der schönsten Geschäfte der Kommune entwickelt. Die Produktpalette ist ungeheuer vielfältig: Nahrungsmittel, darunter ein erlesenes Sortiment hochwertiger Schokoladen, stammt zum größten Teil aus biologischem Anbau. Das Weihnachtsfest schlug sich auch im Warensortiment nieder: Dekorationsartikel, handgefertigte Krippenfiguren und eine Fülle von Geschenkideen bereicherten das Angebot.

Montag bis Freitag öffnet der „Weltladen“ von 10 bis 12 und 16 bis 18 Uhr seine Pforten, samstags ist von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Am Mittwochnachmittag bleibt das Geschäft geschlossen.

Quelle: op-online.de

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