Jüngere Senioren helfen älteren

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Ungewöhnlicher Auftritt: Clowns belebten den Nachmittag und sorgten mit ihren Einlagen für Kurzweil und Hingucker.

Eppertshausen - Der demographische Wandel hat zwei Seiten: Einerseits bedeuten immer mehr Ältere, dass diese auch immer wichtiger und einflussreicher werden. Von Michael Just

Andererseits bringt die Entwicklung auch Verlierer und damit jene Rentner hervor, die mit den einhergehenden Unzulänglichkeiten des Alters Unterstützung brauchen. Entsprechende Hilfsangebote können von Staat oder Kirche gar nicht oder nur bedingt geleistet werden. Hier setzt die Seniorenhilfe an: Sie unterstützt beim Einkaufen, bei Arzt- und Behördengängen, entlastet pflegende Angehörige oder bietet Fahr- und Besuchsdienste an.

In diesem Jahr kann die Seniorenhilfe auf ihr 15-jähriges Bestehen blicken. Das wurde auch groß in der Bürgerhalle gefeiert. Es gab Kaffee und Kuchen, am Abend wartete noch ein Buffet. Nach der Ansprache von Vorsitzendem Peter Langmaack betraten Clowns die Bühne und animierten mit einem kleinen Unterhaltungsprogramm zum Lachen.

Konzept ist einfach

Die Seniorenhilfe wurde vor 15 Jahren von 43 gleichgesinnten Personen gegründet. Das Konzept der genossenschaftlich organisierten Hilfe ist einfach: Menschen helfen anderen und erwerben dadurch Punkte, die bei eigener Bedürftigkeit als Bezahlung für empfangene Hilfe genutzt werden können. Zwei Punkte sind dabei der Gegenwert von einer Arbeitsstunde. Die Menschen, die selbst zu schwach und zu alt zum Helfen sind, können mit einem geringen Entgelt von drei Euro die erste und zwei für jede weitere Stunde eine Leistung bezahlen. Fahrdienste außerhalb von Eppertshausen werden mit 40 Cent pro Kilometer berechnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt sechs Euro im Jahr.

Derzeit hat die Seniorenhilfe 341 Mitglieder, davon sind 94 aktiv. In einem Jahr werden rund 250 Einsätze geleistet. In den vergangenen 15 Jahren wurde die stolze Zahl von 3 598 gezählt. „Das ehrenamtliche Engagement der Aktiven ist nicht hoch genug zu bewerten“, hob Langmaack in seiner Rede heraus. Das gelte schon deshalb, da diese Dienste von staatlicher als auch gewerblicher Seite unbezahlbar seien. So hänge die Existenz der Seniorenhilfe grundlegend von den Aktiven ab. Ihre Zeit und Energie mache den Vorstand als auch die Empfänger unendlich dankbar.

Der Vorsitzende warf einen Blick in die Zukunft. In der könne man die Begleitumstände einer immer älteren Gesellschaft lediglich mildern und in einigen Fällen erträglicher machen. „Deshalb brauchen wir auch weiterhin eine engagierte und gut funktionierende Seniorenhilfe mit vielen tatkräftigen Mitarbeitern“, so Langmaack, der die Eppertshäuser dazu aufrief, sich verstärkt einzubringen. Das Engagement beinhalte eine gewinnbringende Situation, sowohl für die Aktiven als auch die Empfänger.

Engagierten Clowns

Noch hat die Seniorenhilfe genügend Helfer, auch wenn das Motto „Jung hilft Alt – Alt hilft Jung“ mittlerweile so nicht mehr zutrifft. In der Regel gilt „Alt hilft Alt“. Schüler oder junge Erwachsene gibt es im Aktivenkreis eigentlich gar nicht. Das mag auch daran liegen, dass diese arbeiten müssen, wenn sie gebraucht würden. Das Augenmerk liegt auf Helfern, die gerade das Berufsleben verlassen haben und sich mit einer neuen Aufgabe in ihren Ruhestand stürzen wollen.

Elan verbreiteten beim Fest auch die engagierten Clowns. Sie bewiesen, dass Spaßmacher nicht nur für Kinder da sind. Bei ihrem Auftritt waren Sabine Paulke aus Frankfurt und Birgit Eissner aus Seligenstadt neben ihrem Bühnenprogramm auch beim Kaffeetrinken zwischen den Stuhlreihen unterwegs. Sie gaben reichlich Gelegenheit zum Amüsieren und offenbarten, wie Clowns die Welt verstehen und interpretieren. Immer wieder zauberten sie den Menschen, die ihnen zuschauten, ein Lächeln ins Gesicht. Damit hatten sie etwas mit der Arbeit der Seniorenhilfe gemein: Sie schafft es seit 15 Jahren, dass sich die Dankbarkeit der Hilfsempfänger ebenfalls in einem Lächeln zeigt.

Quelle: op-online.de

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