Mit Julio Iglesias Deutsch lernen

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Vor vier Jahren ist der heute 21 Jahre alte José Schmidt-Figuereo wegen seiner Freundin nach Eppertshausen gezogen – derzeit absolviert er eine Lehre zum Automechaniker.

Eppertshausen - Im Wohnzimmer hängt ein Poster mit einer Palme im Sonnenuntergang. „Cuba Libre?“, fragt José Schmidt-Figuereo und lächelt gastfreundlich in seiner ölverschmierten blauen Latzhose, unter der er ein rosa-farbenes Hemd und eine Goldkette trägt. Von Kathrin Rosendorff

Es ist kurz nach 18 Uhr, gerade ist er von der Arbeit nach Hause in seine Wohnung zurückgekehrt und irgendwie findet er es etwas merkwürdig, warum gerade er interviewt werden soll. „Was ist denn an mir besonders?“, fragt er und zuckt mit den Schultern.

Der 21-Jährige, der gerade seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Eppertshausen macht, ist in der Dominikanischen Republik geboren und lebte dort, bis er elf Jahre alt war. Dann zog er mit seiner Familie nach Frankreich. Seinen deutschen Nachnamen Schmidt hat er vom deutschen Mann seiner Mutter bekommen. Nach Eppertshausen kam er vor vier Jahren – „wegen meiner Traumfrau“, wie er erzählt.

José Schmidt-Figuereo geht in die Küche und entscheidet sich dann doch für einen Rosé als Feierabendgetränk. Fröhlich singt er dabei ein paar Zeilen aus einem Salsa-Lied. Dann erzählt er, wie gerne er das Essen aus seiner Heimat (Bohnen, Kochbananen und viel, viel Fleisch) kocht und dass seine deutsche Freundin mittlerweile diese Gerichte sogar besser hinbekommt als er selbst. Seine zweite Leidenschaft, sagt er, seien die lateinamerikanischen Tänze Merengue und Bachata (ein Musik- und Tanzstil aus der Dominikanischen Republik) – und zwar seit frühester Kindheit. Auf die Frage, ob er denn jemals Tanzstunden genommen hätte, prustet er los. „Nein, wir Latinos haben das im Blut. Ich habe einmal zugeschaut und dann einfach getanzt.“

Nach Eppertshausen der Liebe wegen

Beim Salsa hat er seine Freundin kennen gelernt, mit der er sich die Wohnung teilt. „Ich war mit meinen französischen Freunden nach Frankfurt in den Latino-Club Chango gefahren.“ Am Anfang dachte er, es sei einfach nur ein schöner Tanz. „Ich wohnte in Frankreich, sie in Deutschland. ‚Das geht doch nicht’, dachte ich“, erzählt José Schmidt-Figuereo. Doch ein paar Wochen später trafen sie sich noch einmal im selben Club.

Sie wollte unbedingt meine Handynummer. Sie klebte an mir wie Kaugummi“, sagt Schmidt-Figuereo und lacht. Und schließlich, als sie noch mal miteinander tanzten, war er sich sicher. „Mein Herz sagte, das ist meine Traumfrau.“ Letztlich überzeugt habe ihn, dass sie genauso tanzbegeistert sei wie er selbst. Vier Wochen später zog er nach Eppertshausen.

Dort fühlt er sich wohl. „Obwohl ich hier eigentlich nur den Bürgermeister richtig kenne“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Der habe ihm auch die jetzige Ausbildungsstelle besorgt.

In Frankreich hat er sich dagegen nie richtig zuhause gefühlt. „Ich konnte nicht mal ein Bier trinken gehen, ohne dass ich rassistische Sprüche hören musste.“ Mit seiner Zwillingsschwester, die in Luxemburg lebt, telefoniert er regelmäßig. „Erst sprechen wir Deutsch, wenn das nicht klappt, Spanisch und am Ende Französisch.“

„Die deutschen Wörter sind einfach zu lang“

Irgendwie will das mit dem Aussprechen der deutschen Endungen einfach nicht klappen, erzählt José Schmidt-Figuereo. „Manchmal bin ich auch einfach zu faul, alle Endungen auszusprechen. Die deutschen Wörter sind einfach zu lang“, sagt er und grinst. Einmal die Woche macht er einen Deutsch-Sprachkurs in Heusenstamm. Der Onkel seiner Freundin hat ihm ein paar Schlager-CDs geschenkt – zum Deutschlernen. „Julio Iglesias auf Deutsch verstehe ich kaum“, sagt er. Besser sei da schon Helene Fischer. „Die spricht sehr deutlich.“

Viel Freizeit habe er nicht. „Aber ich arbeite sehr gern“, betont der 21-Jährige.

Einmal im Jahr besucht er mit seiner Freundin seine Familie in der Dominikanischen Republik. „Die ersten Tage wohnen wir bei meiner Familie“, erzählt José Schmidt-Figuereo. Danach buchen sie sich lieber ein Hotelzimmer. „Bei meiner Familie ist immer viel los. Allein mein Opa hatte schon vier Frauen. Da ist nicht viel mit Ausruhen.“

In seine alte Heimat zurückzukehren, kann er sich nicht vorstellen. „Meine Mentalität ist einfach zu europäisch. Ich bin pünktlich und pflichtbewusst. Außerdem mag ich den Sommer dort nicht, wegen der Hitze.“

Quelle: op-online.de

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