Wie vor 60 Jahren die Kolpingfamilie Eppertshausen gegründet wurde

Jung, männlich und katholisch

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Von den ursprünglich 17 Gründungsmitgliedern leben heute noch fünf in Eppertshausen: (von links) Edmund Becker, Stephan Euler, Alois Scharf, Engelbert Müller und Walter Gruber. Alle haben im Laufe ihrer Mitgliedsjahre Aufgaben im Vorstand wahrgenommen, Walter Gruber ist heute noch im Vorstand als Beisitzer tätig.

Eppertshausen - Die Kolpingfamilie Eppertshausen feiert in diesem Jahr 60-jähriges Bestehen. In einer losen Serie stellen wir die Gruppe vor. Heute, im zweiten Teil, geht es um die Anfänge. Von Peter Panknin 

Bereits 1846 gründete sich der katholische Gesellenverein, dessen Bedeutung von Adolph Kolping erkannt und als Idee weitergetragen wurde. Um einem Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus zu entgehen, änderten die Gesellenvereine 1935 ihren Namen und nannten sich fortan Kolpingfamilien. Im Raum zwischen Offenbach und Darmstadt waren diese Gesellenvereine nicht sehr verbreitet, erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges erhöhte sich die Anzahl der gegründeten Kolpingfamilien allmählich. In Eppertshausen dauerte es noch bis zum Jahr 1957, bevor sich in der damals zirka 3 000 Einwohner umfassenden Gemeinde eine eigenständige Kolpingfamilie gründete. Es gab bereits seit vielen Jahren einen katholischen Männerverein im Ort, aber die damalige Jugend war damit nicht zufrieden. Man war sich einig, dass über die Jugendarbeit hinaus laut Protokollbuch der Eppertshäuser Kolpingfamilie „... einiger junger Männer, die einsahen, daß in der kath. Jugendorganisation Eppertshausen etwas geschehen müßte“.

Kontakte nach Ober-Roden, teils aus familiären, teils aus beruflichen Gründen bestehend, führten zu Überlegungen, ob auch in Eppertshausen eine Kolpingfamilie eine Daseinsberechtigung hätte. Im Februar 1957 gab es ein erstes Treffen mit den Kolping-Mitgliedern aus Ober-Roden, in dessen Folge der Beschluss getroffen wurde, auch in Eppertshausen eine solche Familie zu gründen. Der Geistliche Rat Pfarrer Fleischmann war zunächst nicht von dem Gedanken angetan, erklärte sich aber bereit, einen Versuch zu wagen. Es vergingen noch mehrere Monate, angefüllt mit Vorbereitungen für die offizielle Gründung der Familie, die am 20. Oktober 1957 stattgefunden hat. Das im Original noch vorhandene Protokollbuch verzeichnet dazu: „Um 9 Uhr in der Früh trafen sich 12 Fahnenabordnungen aus den Bezirken Offenbach, Mainz, Bensheim und Dieburg im Schwesternhaus. Von dort wurde gemeinsam zur Kirche gezogen. Um 9 Uhr 30 begann das Hochamt, das von Domkapitular und Diözesanpräses Weißbäcker zelebriert wurde.“

Versuchsbedingt bestanden bis 1962 der katholische Männerverein, dessen Mitgliederzahl generationsbedingt allmählich rückläufig war, und die neu gegründete Kolpingfamilie, deren Mitgliederzahl kontinuierlich Anwuchs, parallel nebeneinander. 1962 schließlich ging der katholische Männerverein in der Kolpingfamilie auf. Die traditionelle Fahne des Vereins blieb erhalten, wurde restauriert und ist noch heute in einem Schaukasten in der Kirche der Pfarrgemeinde St. Sebastian zu betrachten.

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Wie die Gründung der Kolpingfamilie an sich später als in anderen Orten erfolgte, wurden in Eppertshausen auch Frauen erst spät offiziell als Mitglieder der Familie zugelassen. Freundinnen oder Ehefrauen der Männer wirkten schon beizeiten bei allen Arbeiten in der Familie mit, aber offizielle Mitglieder durften sie erst 1977 werden.

Attraktive Angebote der Kolpingfamilie Eppertshausen bewirkten ein Anwachsen der Mitgliederzahl auf heute über 160 Personen. Zu den regelmäßig, inzwischen sogar traditionell gewordenen Angeboten der Kolpingfamilie zählen die Fastnachtsveranstaltungen, die bekannteste darunter ist der Settchesball. Weiterhin sind es gut besuchte Ereignissen im Ort wie die Podiumsdiskussionen vor jeder politischen Wahl (Kreistag, Landtag, Bundestag), im kirchlichen Bereich die Fahrrad-Wallfahrt nach Walldürn, der Kreuzweg am Karfreitag und das Stiftungsfest im Oktober. In jedem Frühjahr werden Wanderwochen angeboten, die auch gut angenommen werden. Regelmäßig treffen sich „Kolpinger“ zum Sport in Eppertshausen und Betriebsbesichtigungen in unterschiedlichen Unternehmen werden organisiert. Den Mitgliedern werden darüber hinaus noch regelmäßige Treffen alle vier Wochen im Kolpingheim in der Schulstraße angeboten. Mitglieder und Vorstand sind zurzeit damit beschäftigt, die Vorbereitungen zu den Jubiläumsveranstaltungen zu treffen.

Nächster Termin: Am Samstag, 26. August, beim „Fest am Bewegungsparcour“.

Quelle: op-online.de

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