An der Kapazitätsgrenze

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Rotlicht-Atmosphäre der anderen Art: Heimelige Weihnachtsbeleuchtung am Stand der „Bäcker-Marie“.

Eppertshausen ‐ Als die Bürger von Eppertshausen am Sonntagmorgen aufwachten und aus dem Fenster schauten, zeigte sich die erste weiße Pracht des Jahres. Das Glück der Gemeinde liegt vor allem darin, dass der Schnee parallel zum lokalen Weihnachtsmarkt fiel. Von Michael Just

So wurde am Sonntag das wahr, was viele andere Städte und Gemeinden die Wochen zuvor nur träumen konnten: Glühwein trinken in winterlichem Ambiente.

Doch nicht alle Besucher zog es nach Eppertshausen, um sich durch den weißen Zauber weihnachtlich einzustimmen: „Wir kommen extra von Dietzenbach hierher, weil wir festgestellt haben, dass dieser Weihnachtsmarkt neben seiner Beschaulichkeit auch kulinarisch der beste im Umkreis ist“, sagt Thomas Kunz (43) und fragt hinterher: „Wo sonst gibt es Spezialitäten wie Lammbratwürste, Backfisch aus Bremerhaven oder die hausgemachten Kartoffelpuffer der Liederkranz-Frauen.“ Vor allem Sohn Juri verdrückt gleich mehrere Kartoffelpuffer auf einmal, was Erstaunen bei den Eltern auslöst: „Sonst isst der auswärts eigentlich nie was“, weiß seine überraschte Mama.

Premiere mit Backfisch- und Matjes-Baguette

Als der frühabendliche Hunger anrückt, drängen sich immer mehr Besucher an einer Bude, die dieses Jahr als Geheimtipp gilt: Es ist der Fischstand von Manfred und Antje Dörrstein. Auf ihren Stehtischen stehen kleine Leuchttürme, an der Wand wirbt ein Plakat für die „Sail Bremerhaven 2010“. Das Eppertshäuser Ehepaar, das seit 1982 in der Gemeinde lebt, ist zum erstem Mal mit einer Bude vertreten. Im Angebot finden sich Backfisch, Matjes- oder Bremer-Baguette, dazu gibt’s selbst gemachte Remoulade und Flensburger Bier.

Treffpunkt Eppertshäuser Weihnachtsmarkt: Im Kreis der Bekannten schmeckt der Glühwein doppelt so gut.

Da sich in dem kleinen Holzhäuschen nicht viel lagern lässt, spielen die Kinder den „Zulieferdienst“ zwischen Markt und der Kühltruhe zuhause. „Wir dachten, wir probieren das mit dem Stand mal aus“, sagt der 54-Jährige und schickt noch gleich das Leitmotiv hinterher: „Wir sind von der Qualität der Ware überzeugt und essen das selbst gerne.“ Ihr Angebot besorgten die beiden am Donnerstag noch frisch in Bremerhaven. Von der Stadt an der Nordsee sind beide begeistert. Zwar wurde Antje Dörrstein in Kassel geboren, da ihre Tante aber in Bremerhaven lebte, verbrachte sie in ihrer Kindheit viel Zeit an der „Waterkant“. Danach folgten noch viele Urlaube. Mit dem Stand hat die Familie eine Marktlücke in Eppertshausen entdeckt: „Wir merken, dass das eine willkommene Abwechslung zur Bratwurst ist.“

Mittlerweile modernste Technik

Mit rund 45 angemeldeten Ständen bewegt sich der Eppertshäuser Weihnachtsmarkt mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze. „Wir fingen mal mit 25 an. Jetzt haben wir Probleme, alle unterzubringen“, sagt Marktleiter Dieter Hüllmandel. „Die Fußballer wollten diesmal ein größeres Zelt stellen. Das ging leider nicht.“ Etwas entzerrt hätte die 23. Neuauflage zum Schluss drei krankheitsbedingte Absagen von Beschickern. Wie Hüllmandel erzählt, gehen die ersten Anschreiben für den Markt bereits in einer „lauen Sommernacht“ im August heraus. Nach dem Anmeldeschluss im September folgten die Elektropläne.

Für die Auftritte während des Marktes, wie etwa der von den Germania-Sängern am Samstag, kann die rechte Hand des Bürgermeisters mittlerweile auf modernste Technik zurückgreifen. „Das haben wir uns letztes Jahr gegönnt“, deutet Hüllmandel auf ein großes HiFi-Rack mit Mischpult, schnurlosen Mikrofonen, Headsets oder CD-Wechslern. Der moderne Turm kommt in erster Linie bei den Gemeindevertretersitzungen zum Einsatz, nachdem die vorherige Anlage in die Jahre gekommen war. An der neuen Technik macht Hüllmandel auch den Lauf der Zeit aus: „Früher bin ich alle 30 Minuten ins Rathaus gerannt und habe die Cassetten mit den Weihnachtsliedern gewechselt. Heute könnte die Musik drei Tage am Stück durchspielen.

Schneekanone nach Eppertshausen holen

Wie der Marktorganisator sagt, habe es Petrus dieses Jahr mit den weißen Flocken gut mit Eppertshausen gemeint. Da dies aber weniger als alle paar Schaltjahre vorkomme, habe er noch einen Traum: „Wenn es das Wetter zulässt, werde ich irgendwann mal probieren, eine Schneekanone nach Eppertshausen zu holen.“ Die müsse sich laut dem Urberacher doch in einem hessischen Mittelgebirge in kleinerer Ausfertigung finden lassen. „Das wäre ein Spaß, die Gaudi machen wir mal“, kündigt Hüllmandel an und ergänzt: „In zwei Jahren feiert der Markt sein 25-Jähriges, das wäre eine gute Gelegenheit.

Quelle: op-online.de

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