Trockenheit, Stürme und Käfer: Kosten für Eppertshausens Forst übersteigen mageren Ertrag

Kein prima Klima: Wald kommt Kommune teuer

Den Waldwirtschaftsplan für Eppertshausen bekamen die Gemeindevertreter zur jüngsten Sitzung in der Bürgerhalle von Revierförster Lothar Seipp erläutert.
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Den Waldwirtschaftsplan für Eppertshausen bekamen die Gemeindevertreter zur jüngsten Sitzung in der Bürgerhalle von Revierförster Lothar Seipp erläutert.

Eppertshausen – Drei trockene Jahre hintereinander, Borkenkäfer und andere Plagegeister, Stürme: Auch Eppertshausens Gemeindewald bleibt nicht verschont. Was sich monetär niederschlägt. Mit 17 376 Euro in den Miesen schließt der Waldwirtschaftsplan 2020, den die Gemeindevertreter von Revierförster Lothar Seipp zur jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter in der Bürgerhalle erläutert bekamen.

Ohne prima Klima geben sich derzeit auch die Bäume auf den 285 Hektar Gemeindewald nicht mehr so resistent wie in den Vorjahren. Verzeichnete die Bewirtschaftung noch 2018 Überschüsse von rund 12 000 Euro, so sind für die kommenden Jahre eher noch höhere Ausgaben als Gewinne wahrscheinlich. Schon im vergangenen Jahren galt es, 10 000 Euro aus dem Gemeindesäckel in den Wald zu stecken, statt zu ernten. Vor allem die Beseitigung von Sturmschäden ließen jede Erwartung in Gewinne schwinden. „Allein die Arbeit am Windbruch an Verkehrsstraßen des Gemeindewaldes verschlang viel Geld“, sagte Seipp, der Bilder per Beamer von geschädigten Randbereichen des Waldes auf eine Leinwand werfen ließ. Und im Waldesinnern sieht es nicht besser aus: Abgeblätterte Baumrinde an abgestorbenen Fichtenstämmen, Nahaufnahmen von Borkenkäferbefall – Seipps Bilder zeigten deutlich die schlimmen Schäden durch Wetterextreme und Klimawandel auf.

Viel Arbeit hatten die Waldarbeiter am Parkplatz des Waldfriedhofs und am Odenwaldring, wo jeweils aus Sorgfalt auch 70 bis 80 Zentimeter im Stammumfang messende Bäume umgemacht werden mussten. Dürr und brüchig waren die Kronen dieser in ihrer Standfestigkeit unsicher gewordenen Bäume durch die anhaltende Trockenheit. Und Seipp zeigte Aufnahmen gefällter, einst stattlicher Buchen, die große dunkle Löcher der Stammfäule aufwiesen.

Schöner wurde sein Bericht, als er auf im vergangenen Jahr aufgestellte naturkundliche Schilder zu sprechen kam. Auf etwa drei zusammenhängende Kilometer soll einmal der Waldlehrpfad anwachsen, der Wissenswertes über Flora und Faune vermittelt. Der „Eppertshäuser Baumartenpark“ erstreckt sich derzeit bereits über Abteiwald, Waldfriedhof und Seligenstädter Schneise. Allerdings erschienen manchem Betrachter die Schilder, die rund 285 Euro pro Stück kosten, für Grundschulkinder etwas hoch aufgehängt.

Keinen Sinn macht es für den Revierförster derzeit, frisches Holz einzuschlagen. Man habe größte Probleme, bereits geschlagenes Holz aus dem Wald heraus zu bekommen. 40 Prozent der zwischen Januar bis November angefallenen 1100 Festmeter lägen derzeit noch an den Wegen. Frischholz waren davon einzig 100 Festmeter, der Rest das nur schwer vermarktbare Schadholz. Auch werde einiges an Holz, das bereits verkauft sei, nicht gleich abgeholt sondern lagere im Forst, sagte Seipp.

Vor einigen Jahren, so Bürgermeister Carsten Helfmann nach Seipps Betrachtungen, habe man noch 20 000 Euro Gewinn aus dem Wald ziehen können. Nun sei es eben an der Zeit, ins Refugium mit hohem Freizeitwert zu investieren.

Von Thomas Meier

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