Zum Keltern oder sofort essen

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Am Mostausschank herrschte großer Andrang.

Eppertshausen ‐  „Hmm, ist das lecker“, freut sich der fünfjährige Leon Pretscherno und trinkt sein Glas frisch gepressten Most aus. „Viel besser als sonst der Apfelsaft schmeckt“, schwärmt er. Gemeinsam mit seiner Mutter Annett ist er an diesem Dienstag bei der Eppertshäuser Thomas-Hütte, beim 1. Hessischen Streuobsttag. Von Jasmin Frank

Mir waren Streuobstwiesen schon ein Begriff, aber erst durch die Vorbereitungen im Kindergarten habe ich erfahren, wie wichtig diese Areale sind“, erzählt die Mutter zweier Kinder. Die Vorschulgruppe der Kindertagesstätte Sonnenschein hat nämlich nicht nur an diesem Nachmittag mit der Verwertung der Äpfel zu tun, sondern hat sich im Vorfeld schon ausgiebig vorbereitet. Die Kinder für das Thema zu gewinnen ist unter anderem das Ziel des Hessischen Umweltministeriums, das dazu auf seine Naturschutz-Akademie zurückgreift. „Wir haben drei Schwerpunkte, die auch heute präsentiert werden“, informiert Koordinator Norbert Lemb.

Dazu gehört zum einen die Verarbeitung, die ja hier von den Kindern übernommen wird. Hinzu kommt aber auch die Hege und Pflege der Bäume. Deshalb bekommen die Jungen und Mädchen auch ein Exemplar der Sorte Roter Berlepsch für ihren Kindergarten geschenkt. Dann sehen sie, dass man den Baum nicht nur einfach einpflanzt und dann wartet, bis die Äpfel daran hängen, sondern dass er auch regelmäßig geschnitten werden muss.

Viele Apfelsorten vom Aussterben bedroht

Zu guter Letzt ist aber auch die Vielfalt der Apfelsorten ein Thema. Viele Obstsorten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht und häufig im Gartenhandel nicht mehr zu bekommen. Aber gerade diese Äpfel sind die Grundlage für das hiesige Nationalgetränk: den Apfelwein.

So werden mittlerweile auch Sortenweine gekeltert, beispielsweise ergibt die Goldparmäne einen milden Wein, während der Boskoop eine eher säuerliche Note hervorruft.

Vor Ort sind deshalb auch sogenannte Pomologen, also Apfelexperten, die eine ganze Vielfalt von Sorten mitgebracht haben, darunter so wohlklingende Arten wie Morgenduft, Gelber Richard, Hochzeitsapfel, Morgenduft, Roter Metternich und Heuchelheimer Schneeapfel.

Die Äpfel sind aber nicht nur zum Keltern geeignet, sondern sie schmecken auch beim direkten Verzehr großartig. Zudem profitieren von den Streuobstwiesen 3000 bis 4000 Tier- und Pflanzenarten, wie der in unseren Regionen kaum noch vorhandene Steinkauz und der Siebenschläfer“, berichtet Lemb. Damit sich ein paar der Tiere auch in Eppertshausen wohl fühlen, hat die Gemeinde schon vor Längerem ein entsprechendes Gebiet eingerichtet, dass nun vom Odenwaldklub gepflegt wird, so Bürgermeister Carsten Helfmann: „Wir sind zwar nicht ganz die typische Streuobstgegend, aber doch sehr stolz, dass wir diesen besonderen Tag, der zudem erstmalig ausgerichtet wird, bei uns abhalten können.

Lautenschläger pflanzt Boskoop-Baum

Wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit für das Thema zu begeistern, macht auch die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger deutlich, indem sie an der Thomas-Hütte einen Baum der Sorte „Roter Boskoop“ einpflanzt. „Ich wohne ja auf einem Bauernhof. Wir haben auch viele der alten Obstsorten auf unseren Wiesen und betreiben zudem eine eigene Kelter. Allerdings hatten wir in diesem Jahr nicht ganz so viele Äpfel wie ihm Vorjahr“, erzählt die Modautalerin.

Eine Lieblingssorte hat sie nicht, sie isst alle Äpfel gerne und das kann bei einer so großen Auswahl, wie sie am Streuobsttag angeboten wurde, auch nicht wirklich verwundern.

Quelle: op-online.de

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