Kerb in Eppertshausen

Kerbmädchen haben die Nase vorn

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Viele kamen, um die „Ebbertshaiser Kerb“ auf den Straßen zu feiern.

Eppertshausen - „Mir laufe nakkisch uf de Straß´ erum und kauen Cherwinggum...“ – wenn Bürgermeister Carsten Helfmann solche Gesänge anstimmt, steht die Uhr in der Gemeinde ganz klar auf Kerbzeit! Von Ursula Friedrich 

Teile des Ortskerns wurden für die Feiergemeinde reserviert, als am Samstag der Kerbumzug, ein Lindwurm feiernder, tanzender und singender Menschen, durch die Straßen wogte. Dieser Freude konnte sich keiner entziehen. Höfe öffneten sich, Nachbarn machten die Straße zur Feierzone, Bierzeltgarnituren wurden nach draußen verfrachtet, Speis´ und Trank serviert. Auch Petrus sandte den Eppertshäusern für ihr Heimatfest bestes Spätsommerwetter.

Bereits am Freitag hatte Kerbvadder Michi Schledt mit seiner Truppe den Kerbbaum an der Bürgerhalle gestellt – mit über 13 Metern Höhe ragte der geschmückte Baum als ein Wahrzeichen des Heimatfests über den Franz-Gruber-Platz, wo ein kleiner Rummelplatz besonders für Familien beste Kerbunterhaltung bot. Um die „Ebbetshaiser Kerb“ war es zur Jahrtausendwende mau bestellt. Carsten Helfmann machte das Traditionsfest zur Chefsache, mit Erfolg. 2009 traten neue Kerbburschen an, um die Kirchweih in vorderster Front mit auszurichten – Helfmann ist Schirmherr und weiter eine tragende Säule der Feier.

Wenngleich es Neuerungen gibt: Im Vorjahr waren die Burschen zahlenmäßig so schwach auf der Brust, dass etliche Kerbmädchen in die Bresche sprangen, um die Kerb zu retten. Die Kerb, in vielen Gemeinden eine Männerdomäne der volljährigen Burschen, hat hier matriarchalische Züge. Die Kerbmädchen legten auch gleich tüchtig vor und entwendeten auf der Münsterer Kerb erfolgreich die Krone.

Bilder der Eppertshäuser Kerb

Kerb in Eppertshausen

„Andere belächeln uns“, sagte Michi Schledt, doch er ist für die Emanzipation dankbar. In diesem Jahr ist die Frauenquote leicht gesunken. Zehn Kerbburschen und drei Mädchen sowie Kerbpuppe Chantal sind die Träger der diesjährigen Kerb, die heute schon wieder zu Ende geht.

Ohne kirchlichen Segen wäre die Kerb kein Kirchweihfest, so begann der Samstag mit einem ökumenischen Gottesdienst. „Wir sind kein gottverlassenes Kaff“, sagte der evangelische Pfarrer Johannes Opfermann. Gemeinsam mit dem katholischen Geistlichen Harald Christian Röper wurde im Anschluss das Haus Westermann geweiht, wo der Open-Air-Gottesdienst stattfand. Nach vielen Monaten ist das runde Gebäude nun grundsaniert und kann wieder genutzt werden.

Nach dem Festumzug hatte der Kerbvadder das Wort. Michi Schledt hatte bereits zum fünften Mal den Zylinder als Vadder aufgesetzt – ein Routinier, trotz leichter Grippe. „Ich sach jetzt mol frei raus, der Storch uf dem Kreisel sieht nix aus. Weg mit dem rostische Ding“, nahm der Kerbvadder auch diesmal in seinem Kerbspruch kein Blatt vor den Mund.

Quelle: op-online.de

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