Vor zehn Jahren erfolgte Weckruf zur Rettung der Kirchweih

Zur Kerb zieht alles an einem Strang

+
Ein großer Kraftakt endet im dritten Anlauf mit vereinten Kräften und vor viel Publikum auf dem Codigoroplatz glücklich: Eppertshausens größter Kerbbaum steht schließlich wie eine Eins.

Eppertshausen - Auch wenn das Wetter dem Ort eine wechselhafte Kerb im Jahre zehn der Kirchweih-Rettung bescherte, die Gemüter der vielen Mitfeiernden waren stets heiter. Von Thomas Meier 

Beim Kerbbaumaufstellen strahlte die Sonne mit der Kerbmodder um die Wetter, beim Umzug am Samstag lachten die Gesichter unter den Regenschirmen, und gestern in der Bürgerhalle beleuchtete Petrus das lustige Innengeschehen durch die großen Fenster. Die Kerb, sie ist auch heute noch Eppertshausen. Erstmals stand ihr eine Kerbmodder vor, doch bestritt Katharina I. (Schröder) das Kirchweihfest wahrlich nicht als einzige Repräsentantin. Ihr zur Seite standen 13 Kerbburschen und sechs weitere Kerbmädel des Jahrganges 1998/99, und dies von Beginn an mit großem Tatendrang.

Ein Umzug bei lausigem Wetter zum Begeistern: Alle Generationen ziehen bestens gelaunt vom Gottesdienst an Haus Westermann zur Kerbparty an die Bürgerhalle.

Seit einem halben Jahr trifft sich die aktuelle Kerbjugend regelmäßig im Ort, um das viertägige Fest zünftig auf die Beine zu stellen. Diese Zusammenkünfte sind wesentlicher Bestandteil des vor zehn Jahren wieder so richtig in den Fokus gerückten Brauchtums, das Bürgermeister Carsten Helfmann damals unter das Motto stellte: Rettet Eppertshausens Kerb. „Wir Initiatoren wollten, dass die Jahrgänge auch wieder einmal richtig zueinander finden,“ sagt Helfmann. Einmal aus der Schule entlassen, hätten sich viele Jahrgangsangehörige zwischenzeitlich oftmals aus den Augen verloren. Der eine geht weiter auf die Schule oder studiert, andere lernen einen Beruf, wieder andere absolvieren ein Soziales Jahr oder machen sonst etwas. Doch zur gemeinsamen Kerb können alle Jahrgangsmitglieder sich wieder zusammenfinden.

Und weil es bei der Kirchweih nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl eines Jahrganges, sondern um das des ganzen Dorfs geht, banden kirchliche und kommunale Gemeinde damals geschickt alle Vereine und Institutionen mit ins Geschehen ein. Nun, im zehnten Jahr des Rettungs-Gedankens, können alle Beteiligten mit Fug und Recht sagen: Rettungsaktion gelungen.
In den vergangenen Wochen wurden die Treffen häufiger, in den Tagen vor Kerb gab es schließlich jede Menge zu tun. Bevor der Kerbbaum am Freitagnachmittag unter viel Mühen und noch viel mehr Beobachtung auf dem Codigoroplatz aufgestellt wurde, galt es, ihn erst einmal zu einem solchen zu machen. 19,02 Meter hoch ist der Stamm, der wieder von „Beckmanns Ranch“ stammt. Am vergangenen Montag wurde der Baum geschlagen, am Dienstag geschält und am Donnerstag die Krone gebunden und geschmückt. Mit geholfen haben dem Jahrgang Eppertshausens Bulldogfahrer, die das Schmuckstück mitsamt Kerbjugend auch auf dem Platz vorfuhren, auf dem sich am Freitag schon zahlreiche Schaulustige zuvor versammelt hatten.

Die Regie über alles Treiben hat die Gemeinde. Der Bürgermeister fand mittlerweile in Marius Murmann und Armin Ouaajoura zwei hervorragende Organisatoren. Er selbst beteiligt sich – schließlich vor einigen Jahren zum Kerbborsch ehrenhalber ernannt – als Moderator, Baumaufstellhelfer, Gabelstapelfahrer und eben als (Kerb)Mädchen für alles.

So stellte er kurz nach Eintreffen der Schar die Kerbleute einzeln vor, darunter nach der Kerbmodder ihre ersten Adjudanten Oberkerbborsch Nils Scharf und Oberkerbmädel Philina Sehring. Erstmals befinden sich gar Drillinge im Kerbjahrgang: Franziska, Moritz und Henrick Unterleider zogen kräftig mit an allen Strängen, als es galt, den bislang größten Kerbbaum im Ort seit Kirchweiherneuerung aufzustellen.
Es war alles so schön vorbereitet: Lange Seile lagen auf dem großen Platz vor der Bürgerhalle verteilt parat. Die Baumhalterung war ins Pflaster eingelassen, Keile lagen bereit. Doch dann gab sich der Kerbbaum widerspenstig. Zwar hievte ihn die Jugend schnell vom Trecker, schulterte dem Stamm zum Platz, doch in die Höhe kam der Trumm erst im dritten Anlauf und mit Unterstützung zuschauender Kerbjahrgangsteilnehmer vergangener Jahre.

Die Menge hatte wahrlich einen außergewöhnlichen Kraftakt geboten bekommen und applaudierte mächtig, als die Bänder an der Baumkrone bei strahlendem Sonnenschein im Wind flatterten. Die ungewollt große Gemeinschaftsaktion schweißte die Gemeinschaft wieder etwas fester zusammen. Pfarrer Harald Christian Röper, der schon immer mal von oben auf seine Schäfchen herunterblicken wollte, drehte mit der Kerbbobbe im Arm eine Runde im Hubwagen über den Platz, chauffiert vom Bürgermeister, und gemeinsam holten sie im ungewohnten Gefährt Pfarrer Johannes Opfermann von der nahegelegenen Friedensgemeinde zum Geschehen. Ein super Auftakt.

Strahlende Besucher auf der Kerb in Eppertshausen: Bilder

Und das schlechte Wetter sollte den Samstag nicht übermäßig eintrüben, auch wenn der Regen bereits zum Gottesdienst am Haus Westermann ziemlich heftig einsetzte. Es fanden sich zum Umzug hunderte Menschen ein, vor allem an die Feuerwehr und die Ecke Im Niederfeld/Waldstraße waren schon lange vor Zugbeginn umlagert. 22 Zugnummern galt es zu bestaunen, von denen etliche mit großen Wagen anrollten. Die waren am Samstagmorgen gar vom TÜV begutachtet worden.

Die Stimmung war prächtig. Einige Jahrgangsumzügler waren nicht zu übersehen, weil mit Konfettiregen oder Nebelschwaden ankommend, und andere schwerlich zu überhören, so laut schallten die E-Beats aus den Boxen. Da hatte es der Odenwaldklub mit Gitarren- und Mandolinenklang vergleichsweise schwer, zum Ohr des Zuschauers durchzudringen. Der Umzug endete direkt vor der Bürgerhalle, in der es nahtlos in die Kerbparty mit DJ Nürnberger überging. Gestern Nachmittag gab’s den Kerbspruch in vollbesetzter Bürgerhalle, und Münsters Kerb-Hadschi bekam voll sein Fett weg (Bericht folgt).

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare