Eppertshausen gründet Kerbverein

Kerbmodders Abrechnung

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Wem war Eppertshäusers Kerb? Ganz sicher der ersten Kerbmodder Katharina I. Schröder.

Eppertshausen - „Die Männer tate all’samt sich a bisje geniere, für Euch nen Kerbspruch zu notiere. Also musst ne Frau halt ran, und zeigt Euch, dass ne Frau das kann!“ Von Thomas Meier 

So begrüßte Katharina I.als erste Kerbmodder in der noch nicht allzu langen Geschichte der neuen Eppertshäuser Kerb das Publikum zum Familiennachmittag in der bis auf den letzten Platz besetzten Bürgerhalle. Und hoch oben von der traditionellen Leiter berichtete sie heiter von heimischen Possen.

Aktion „Kerb retten“ ist gelungen, ebenso das erneute Experiment mit der Geschlechtergleichberechtigung im Ort. Die Prima-Kerbmadonna nahm die Gemeinde im Handstreich. Und dies keinesfalls nur mit weiblichem Charme oder den Waffen einer Frau, sondern auch ganz burschikos und teilweise sogar bös austeilend. Letzteres durften – und da unterschied die erste weibliche Kerbred’ sich in nichts von den neun vorangegangenen Vadder-Kerbsprüch’ – vor allem die Nachbarn in Münster vernehmen. Besser: ein Münsterer. Doch der Reihe nach.

Da gab es ein Malheur bei der Seniorenfahrt, an das pointiert erinnert wurde, die Autopanne bei der Feuerwehr oder aber das Missgeschick des FVE-Trainers mit dem Autoschlüssel und dem Geschenk im Wagen, eine Geschichte, über die auch unsere Zeitung groß berichtete, bei der nichts zusammenzupassen schien und die Katharina I. herrlich ausgeschmückt nochmals für viele Lacher Revue passieren ließ.

Auch die Pfarrer wurden durch den Kakao gezogen, die Kicker-Fans, die Nachbarn mit dem gestrichenen Dieburg und dem dafür am Ortsschild nun prangenden „(Hessen)“ hinterm Minster. Und die wohl herzlichsten Lacher bekam die bundesweit aus Eppertshausen 2017 verbreitete Geschichte vom ausgemalten Zebrastreifen.

Doch dann war zwar nicht Schluss, doch für einen Nachbar-Kerbvadder wurd’s weniger lustig. Die Modder stieg noch mit „Lieber Hatschi“ ins Thema ein, wurde dann aber knallhart: Münsters Dauer-Kerbspruchvater Edgar Kreher habe es „da driwwe“ mit seinen bösartigen Witzeleien über Eppertshausen „üwerdriwwe“. Sie verbiete sich Einmischungen in Eppertshausens Kirchweihriten. „Ihr wollt uns net dabei ham, weil Kerb e Männersach wär – ihr seid halt und bleibt auch weiterhin Hinterwäldleer ...“, reimte sie erbarmungswürdig, und weiter: „Wir sind als Eppertshaiser daher leider auch hier, in Sachen Gleichberechtigung, tausendmal weiter als ihr!“ Mit ein paar saftigen weiteren Seitenhieben empfahl die Modder Hadschi: „Das geht so nicht weiter, halt lieber kei Red mehr, das wär g’scheiter.“ Auf die Antwort darf man heute schon gespannt sein, denn „Hadschi“ verfolgte die Rede als Gast live in der Halle.

Strahlende Besucher auf der Kerb in Eppertshausen: Bilder

Diese Abrechnung gefiel außer dem Betroffenen wohl allen, denn der Beifall zur ersten Kerbrede „ladylike“ war enorm. Auch Bürgermeister Carsten Helfmann strahlte über alle Backen und verkündete nach dem Kerbspruch, dass Eppertshausen es dennoch in einem dem Nachbarn nachmachen wolle: „Wir werden auch einen Kerbverein gründen.“ Das Kirchweih-Geschehen habe sich mittlerweile derart etabliert, dass solch ein Gremium sicher Sinn mache.

Quelle: op-online.de

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