Kickboxer Hüseyin Imam

Dank Lotus auf dem rechten Weg

+
Europameister im Kickboxen, Hüseyin Imam, sagt: „Mein Verein ist mein Leben, meine Familie, mein Baby.“ Vom Saulus zum Paulus: Hüseyin Imam.

Eppertshausen - Europameister im Kickboxen, Hüseyin Imam, sagt: „Mein Verein ist mein Leben, meine Familie, mein Baby.“ Von Jens Dörr 

Er war keiner, dem man in Eppertshausen gern begegnete: Hüseyin Imam während seiner Kindheit und Jugend ein „Früchtchen“ zu nennen, wäre eine maßlose Untertreibung gewesen. „Meine Polizeiakte war dicker als die Bibel“, erzählt der heute 30-Jährige, der inmitten seiner strebsameren Geschwister aus der Reihe tanzte. Etliche Schulwechsel und Straftaten pflasterten seinen Weg - ehe er im Fitnessstudio Erko Kalac kennenlernte. Der heute 49-Jährige ist Trainer und Kümmerer im Verein Lotus Eppertshausen/Rödermark, wo insbesondere Kickboxen und Karate auf dem Plan stehen. „Mit 15 wurde es bei mir besser, vor allem dank Erko und des Sports“, sagt Imam. Und fügt an: „Seither ist der Verein mein Leben, meine Familie, mein Baby. “.

Heute tut der Eppertshäuser, der im Ort manchmal noch schief angeguckt wird, aber nie ans Wegziehen gedacht hat, keiner Fliege mehr etwas zuleide - es sei denn, sie surrt im Ring: 2004 wurde er dank seines Talents und der Förderung durch Kalac Kickbox-Europameister, suchte dann eine neue Herausforderung im Karate, wurde unter anderem Deutscher Meister im Leichtkontakt. 2012 folgte das Kickbox-Comeback. Dieses Jahr kämpfte sich Imam auf Platz fünf beim „Best Fighter Worldcup“ in Italien. Am Stiefel Europas soll 2015 auch die Krönung folgen: der Worldcup-Sieg in der offenen Klasse. Mit seinen 70 Kilogramm Körpergewicht schlägt und tritt der Eppertshäuser dann auch 90-Kilo-Gegner. „Das wird mein letzter Kampf“, sagt Imam. Doch schon jetzt - und danach im Besonderen - zähle in erster Linie nicht mehr der eigene Erfolg, sondern der anderer: „Für mich ist es heute wichtig, mein Können und Wissen im Verein weiterzugeben, Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen.“

„Nie wieder zu Ehrung hingegangen"

Rund 250 Nachwuchssportler sind unter den derzeit 350 Lotus-Mitgliedern. Nur wenige von ihnen kämen aus Eppertshausen. „Es ist im Ort besser geworden - obwohl wir woanders höher angesehen sind“, sagt er. Im verbalen Sinne nachtreten möchte er nicht mehr, ganz losgelassen hat es ihn dennoch nicht, dass er nach seinem Titel 2004 auf der Sportlerehrung nur eine Nebenrolle einnahm. „Ein Bezirksmeister im Turnen wurde damals höher angesiedelt. Als Anerkennung gab’s Socken mit dem Wappen von Eppertshausen drauf. Ich bin zur Ehrung nie wieder hingegangen.“ Während Lotus in Eppertshausen mittlerweile besser mit der öffentlichen Hand zusammenarbeite, sich etwa beim Ergattern von Hallenzeiten leichter tue, opfert Imam wöchentlich viele Stunden für das Training des Nachwuchses. Finanzielle Unterstützung erhalte der Verein dabei seit Jahren vom Groß-Zimmerner Fitnessketten-Inhaber Michael Killer, der heute Prinz Maximilian Michael von Anhalt heißt. „Wessen Familie kein Geld für den Mitgliedsbeitrag hat, der kann trotzdem bei uns trainieren“, sagt Imam. 20 Kinder würden aktuell auf diese Weise vom Gönner des Vereins gefordert.

Kickboxen: Klarer Punktsieg für Dr. Theiss

Kickboxen: Klarer Punktsieg für Dr. Theiss!

Sein eigenes Geld verdient Imam vorwiegend als Personaltrainer. Eine ehemalige Trampolin-Olympiasiegerin sei ebenso unter seinen Kunden wie Prominenz aus Kunst und Wirtschaft. An Schulen im Landkreis Darmstadt-Dieburg referiert er über Gewaltprävention. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus ist längst vollzogen - und in Eppertshausen kann man Hüseyin Imam längst mit ruhigem Gewissen über den Weg laufen.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare