Kiefer bringt nichts ins Wanken

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Revierförster Lothar Seipp (links) erklärt den Teilnehmern der Waldbegehung den Baumbestand. Die Gemeindevertreter aus Eppertshausen informierten sich vor allem über den Sicherheits- und der Freizeitaspekt.

Eppertshausen - Die Freude stand Rainer Eder ins Gesicht geschrieben. Nicht nur angesichts des schönen Wetters strahlte der Vorsitzende der Eppertshäuser Gemeindevertretung, sondern vor allem wegen der positiven Resonanz bei der diesjährigen Waldbegehung, zu der mehr Teilnehmer erschienen, als erwartet. Von Jasmin Frank

Angemeldet hatten sich nur 13 Personen, jetzt sind schon fast 20 da!“ sagte er froh und verwies darauf, dass außer den „Offiziellen“ auch Bürger ohne Amt mit von der Partie waren.

Für alle stand eine lehrreiche Fahrradfahrt durch den Eppertshäuser Wald auf dem Programm - angeleitet von Revierförster Lothar Seipp. „Ich steuere immer mehrere Stationen an, die für die Gemeinde interessant sind. Es geht vor allem darum, dass die Menschen sehen, was sich im Wald verändert hat und was für die Zukunft geplant ist.“

So wurde die erste Rast beispielsweise an einer Stelle eingelegt, an der man den Holzeinschlag gut nachvollziehen konnte. Die hier gestapelten Baumstämme stammen von Roteichen, einer eher seltenen Art in unserer Region, in der vorwiegend Kiefern beheimatet sind. Jede Baumart liefert unterschiedliches Holz und kann deshalb auch verschieden verwertet werden, erklärte der Experte.

Weit weg von grauer Theorie

Die Roteiche wird dementsprechend zumeist für die Parkettherstellung genutzt, während die Kiefer zu Bauholz, Paletten, Fenstern und Türen verarbeitet wird. Damit der informative Vortrag nicht nur graue Theorie blieb, reichte Seipp Blätter und Stammstücke von Bäumen herum. So konnten die Teilnehmer die Bäume quasi hautnah erleben.

Natürlich hatten die Besucher zahlreiche Fragen und Anregungen, beispielsweise in puncto Sicherheit. Kann ein schiefer Baum auf Spaziergänger kippen? Können Äste herunterfallen? Doch Seipp konnte die Radler beruhigen: „Nicht jeder Baum, der schief ist, muss gefällt werden. Unsere Kiefern richten sich wegen des Westwinds beispielsweise alle nach Osten und stehen dennoch stabil.“

Auch der Zustand der Wege war ein Thema, mit dem sich die Teilnehmer auseinander setzten. So mahnte Rita Brockmann, selbst aktives Gemeinderatsmitglied, mehr auf den Belag der Wege zu achten. Insbesondere die Strecke von Abteispielplatz bis zum Waldfriedhof werde häufig frequentiert. „An einigen Stellen ist kaum noch etwas von dem feinkörnigen Belag zu sehen. Dort sind nur noch große Steine, über die ältere Menschen und Kinder schnell stolpern können.“

Für solche Angelegenheiten hat der Förster ein offenes Ohr. Sein Vorgesetzter, der in Eppertshausen wohnende Leiter des Forstamts Dieburg, Helmut Seitel, erklärte, dass es für die Waldwege immer mehrere Zuständigkeiten gibt, im hiesigen Fall Forstamt wie Gemeinde, die gemeinsam beschließen müssen, ob und wo etwas saniert wird.

Der Förster ist auch Kommunikator

Wegen der unterschiedlichen Interessen am Forst sieht sich Seitel auch als Kommunikator: „Wir haben in unserem Bezirk Privat-, Staats- und Gemeindewald und somit verschiedene Eigentümer. Hinzu kommt die Nutzung des Waldes in wirtschaftlicher Hinsicht, dann spielt der Naturschutz eine elementare Rolle und schließlich ist er auch Erholungsraum. Da ist es nicht immer leicht, allen Wünschen gerecht zu werden.“

Letztlich war gerade der Freizeitbereich das wichtigste Anliegen für die Teilnehmer der Waldbegehung. So auch für Jennifer Larem, die nicht nur jüngstes Mitglied der Gemeindevertretung ist, sondern auch an diesem Tag die Jugend in der Runde repräsentierte: „Ich nutze den Wald zum Joggen und um zu entspannen. Ich bin mit den Wegen und dem Forst an sich sehr zufrieden, finde es aber dennoch wichtig, gut informiert zu sein, was noch geplant wird.“

Und da die meisten Bäume um die 100 Jahre alt werden, ist es sicher für kommende Generationen gut zu wissen, was Revierförster Seipp im Eppertshäuser Forst so anpflanzt.

Quelle: op-online.de

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