Kinderbuchautor Rüdiger Bertram in Stephan-Gruber- und Mira-Lobe-Schule

Auch Vorleser erleben Zeitenwandel

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Den Spaß am Lesen zu wecken und sein schriftstellerisches Tun zu hinterfragen ist dem Kinderbuchautoren Rüdiger Bertram Verpflichtung. In der Aula der Eppertshäuser Schulen hingen jedenfalls die Schüler an seinen Lippen.

Eppertshausen - Den Kinderbuchautoren Rüdiger Bertram hatten gestern die Stephan- Gruber- und die Mira-Lobe- Schule für zwei Lesungen zu Gast. Sein und der Pädagogen Ziel: Den Lesespaß der Schüler zu wecken und zu stärken. Von Thomas Meier

„Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause“, sagt Frau Grimm im Buch „Mo und die Krümel – Der erste Schultag“. Und wenn Rüdiger Bertram, der Autor dieses Kinderbuches, in der Aula von Stephan-Gruber- und Mira-Lobe-Schule daraus vorliest, haben die Schüler eben keine Pause mehr, sondern bitte zuzuhören. Nein, streng ging es nicht dabei zu, diese Bitte des Schriftstellers zu erfüllen, denn die insgesamt 340 Zuhörer klebten gestern in zwei Lesungen förmlich an den Lippen des überaus talentierten Geschichtenerzählers. 240 Schüler der Stephan-Gruber- und 100 aus der Mira-Lobe-Schule waren eingeladen, den Spaß am Lesen hautnah zu erleben. In den ersten beiden Schulstunden waren die Kinder der Jahrgangsstufen 3 und 4 Zuhörer, als es um das neueste Werk des in Ratingen geborenen Schriftstellers ging. Die kleineren Zuhörer aus den Jahrgangsstufen 1 und 2 bekamen aus der Geschichte von Mo und ihrem ersten Schultag zu hören.

Dass die Lesung literarisches Leben in den Schulalltag bringen konnte, ist zwei Umständen zu verdanken. Einmal der Bücherinsel aus Dieburg, die den Autoren bereits am Vortag bei Lesungen und einem Comic-Workshop präsentierte und ihn netterweise weiter vermittelte, und vor allem den beiden Fördervereinen der Eppertshäuser Schulen. Für die beiden Lesungen waren immerhin 720 Euro locker zu machen; eine Summe, die eine Schule allein schwerlich hätte stemmen können. Kindern und Eltern entstanden somit keine Kosten. In der Stephan-Gruber-Schule haben Lesungen dieser Art eine lange Tradition, sie wechseln sich mit anderen Aktionen wie beispielsweise der Lesewoche ab. Und die Mira-Lobe-Schule mit ihrem Schwerpunkt für Sprachförderung schließt sich freilich bei solchen Lesungen gern an, dient doch gelebter Lesespaß auch dem Verständnis für Sprache.

Da traf es sich, dass Rüdiger Bertram es als seine Passion ansieht, das Interesse am Lesen gerade bei den Jüngsten zu wecken. Seit 15 Jahren schreibt er Kinderbücher, seit fünf lebt er ausschließlich davon und den Autorenreisen. Seine Lesereisen haben ihn von Köln aus bereits bis nach Hongkong, Palermo und Pretoria geführt. „Schon mit 13 Jahren war mir klar, dass ich später irgendwas mit Schreiben machen würde. Ein Autor oder Schriftsteller zu werden, lag damals allerdings jenseits meiner Vorstellungskraft“, sagt der Autor, der während seines Studiums (Geschichte, Volkswirtschaft und Germanistik) Glossen für den WDR-Hörfunk schrieb und nach seinem Abschluss zunächst als freier Journalist für mehrere Medien arbeitete. Später, nach einer Drehbuch-Ausbildung an der Internationalen Filmschule Köln, schrieb er für TV-Sitcoms und verantwortete als Chefredakteur den Branchen-Newsletter der Film- und Medienstiftung NRW.

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Als sein Sohn fünf war, wagte sich Betram an das erste Kinderbuch: „Thelonius in der Sofawelt“. Heute erklärt der Autor: „Seitdem schreibe ich mit Herz, Leib und Seele Kinder- und Jugendbücher. Die meisten entstehen in Zusammenarbeit mit meinem Freund und Illustrator Heribert Schulmeyer“, berichtete der Vorleser den Schülern und zeigte, was der Nachbar aus alten Zeiten so alles zu seinen Geschichten zu Papier brachte. Aber erst, nachdem er sich selbst an einer Zeichnung am großen Flipboard probierte. Sehr zur Freude der Zuschauer, denn zwar kann der große Geschichtenerzähler gut mit Worten jonglieren, doch den Zeichenstift überlässt er lieber (und besser) dem Profi.

Schnell nahm Bertram die Kinder damit ein, seine eigenen Schwächen anschaulich vorzuführen, um sie dann bei den Lesungen mit in die Welt der literarischen Phantasie zu entführen. Im vergangenen Jahr hatte er 108 Vorlesetage absolviert, wobei er an den meisten mehrere Termine wahrnahm. „Mir bereiten die Autorenreisen nicht nur Freude, ich brauche auch den unmittelbaren Kontakt zu Kindern und Jugendlichen“, sagt der Schreiber. Das „Feedback“ sei ihm wichtig, schließlich benötige er den „Reality-Check“.

Ob sich im Laufe der Jahre seines Schriftstellertums etwas geändert habe, beantwortet Bertram so: Die Themen, die Kinder faszinieren, bleiben gleich. Es gehe darum, anderen zu gefallen, beliebt zu sein und sich zu behaupten. Was sich ändere, sei die Geschwindigkeit, in der heute die Kinder etwas erzählt bekommen wollen. „Es ist wie beim Film: alles wird rasanter in unserer digitalisierten Welt“, sagt Bertram, der die Freude am analogen Geschichtenerzählen im Blut hat und weiter gibt.

Quelle: op-online.de

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