„Kindern werden Türen geöffnet“

Eppertshausen/Münster - Ein „Leistungsantrag für Bildung und Teilhabe“ steht wohl bei den wenigsten Menschen auf der Prioritätenliste, wenn es um dringende Besorgungen geht. Von Cora Werwitzke

Dabei könnten das „Bildungspaket“ - wie es geläufiger heißt - sicher auch noch einige Eppertshäuser und Münsterer Familien gut gebrauchen.

Seit Wochen gibt es das Paket - einen einzigen Antrag füllte Dieter Hüllmandel bisher zusammen mit einer Eppertshäuserin aus. Vielleicht eine Handvoll Leute hätten sich bis dato im Rathaus über das Bildungspaket informiert, so der Hauptamtsleiter, der sich in Eppertshausen federführend um soziale Angelegenheiten kümmert. Anders sieht das in Münster aus. Dort gingen bis dato immerhin rund 15 Anträge ein, meldet Carina Fleckenstein von der Kinder- und Jugendförderung. Direkt bei der Kreisagentur für Beschäftigung in Darmstadt - ohne den Umweg über die Gemeinden - liegen laut deren Pressestelle zusammengenommen noch einmal über 80 Anträge aus Münster und Eppertshausen vor. Trotzdem: Nicht gerade eine große Nachfrage, wenn man bedenkt, dass sämtliche Familien, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, einen Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, antragsberechtigt sind und zudem mehrere Anträge pro Familie möglich, wenn nicht sogar der Regelfall sind.

Denn im Detail gibt es die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien in sechs Bereichen zu fördern. So werden Kosten für Ein- und Mehrtagesausflüge übernommen. Das „Mobi-Tick“ in der Sekundarstufe II (Oberstufe oder Berufliches Gymnasium) wird bezahlt. Sollte die Versetzung gefährdet sein, sind im Paket Nachhilfekosten fürs zweite Halbjahr enthalten. Kinder bekommen in Kitas und Schulen ein kostenfreies Mittagessen. Zudem gibt’s bis zum 18. Lebensjahr monatlich maximal zehn Euro für Vereins-, Kultur- oder Ferienangebote. Zu guter Letzt können Eltern pro Schuljahr 100 Euro (70 im ersten und 30 Euro im zweiten Halbjahr) für die Schulausstattung ihrer Kinder, wie Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien, einplanen.

Die Kreisagentur benachrichtigte dieses Jahr jede Familie, die für das Bildungspaket in Frage kommt. Trotzdem geht Hüllmandel aus Eppertshausen davon aus, dass viele nicht bescheid wissen, „oder die Hemmschwelle, den Antrag auszufüllen, zu groß ist“, ergänzt Bürgermeister Carsten Helfmann.

Während die Kreisagentur die Antragsprozedur abwickelt und Gelder überweist, sind die Kommunen vor allem dafür zuständig, ihre Bürger zu beraten und zu informieren. „Wir versuchen mit Infomaterialien in den Kitas und Schulen an die Familien heranzukommen“, erzählt Carina Fleckenstein von der Gemeinde Münster. Dass das gar nicht so einfach ist, diese Erfahrung hat man in Eppertshausen gemacht. Denn: „Genau genommen wissen wir gar nicht, welche Eppertshäuser Familien für das Bildungspaket in Frage kommen“, erläutert Bürgermeister Helfmann. Hintergrund sei, dass der Kreis solche Infos aus Datenschutzgründen nicht an die Gemeinden weitergeben dürfe: „Auf dieses Problem stießen wir, als es vor einiger Zeit darum ging, in den Eppertshäuser Kitas ein kostenloses Mittagessen für Kinder aus bedürftigen Familien einzurichten“, so Helfmann. Weil man die entsprechenden Eltern nicht gezielt ansprechen konnte, sei ein Schreiben an alle rausgegangen. „Im Endeffekt nehmen das Angebot nur eine verschwindend geringe Anzahl von Kindern in Anspruch“, fügt Dieter Hüllmandel hinzu.

Auf die Sinnhaftigkeit des Bildungspakets angesprochen, kann sich der Eppertshäuser Hauptamtsleiter trotz des für ihn entstehenden Mehraufwands für die Initiative begeistern: „Das ist eine gute Einrichtung. Kindern wird damit die Tür zu vielen Aktivitäten geöffnet, die sonst nicht ohne Weiteres drin wären.“ Zumal der Aufwand für Familien an die Förderungen zu kommen, nicht groß sei: „Wenn jemand zu mir kommt und wir den Antrag gemeinsam ausfüllen, dauert das vielleicht zehn Minuten“, so Hüllmandel. Je nachdem, was speziell gefördert werden solle, bräuchten die Antragsteller sonst nur noch eine Schulbescheinigung, den Nachweis, dass das Kind im Verein oder bei einer Nachhilfe ist, beziehungsweise eine Klassenfahrt oder Ausflüge anstehen.

Wer sich im Detail informieren möchte, kann das jederzeit tun. Für Eppertshausen ist Dieter Hüllmandel (((((s 06071 3009-52) der richtige Ansprechpartner, in Münster kümmert sich Nicole Ewig (s 06071 3002-413) um Infos und Anträge rund ums Bildungspaket. In der Kreisagentur für Beschäftigung hilft Klaus Früchtenicht (s  06151 8815256 ) weiter.

Quelle: op-online.de

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