Eppertshäuser Brüder zeigen Extremsportart

Kitelandboarder erobern die Äcker

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Lukas Doll fliegt über die Hergershäuser Wiesen. Mit seinem Bruder hat der Eppertshäuser das Kitelandboarding entdeckt.

Eppertshausen - Ungewöhnlich ist, wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt. Noch viel verblüffender: Auf Eppertshausens Wiesen an der Babenhäuser Straße lässt jetzt immer öfter ein Drachen große Jungen aufsteigen. Nicht umgekehrt! Von Thomas Meier

Maximilian hängt mit seinem Hintern fast auf der Ackerfurche, soweit hat er seinen Oberkörper auf einem rollenden Brett nach hinten gebeugt. Sein ganzes Gewicht hängt in dem rund zwölf Quadratmeter großen Schirm in der Luft, mit dem er und sein Board über ein am Oberkörper befestigtes Trapez und einer 25 Meter langen Leine verbunden sind. Der 18-Jährige ist voll konzentriert, hält Bodenwellen und Windsegel gleichzeitig im Auge, derweil sein jüngerer (nicht kleinerer) Bruder Lukas ruft: „Lass dich nicht zu weit nach links driften, da sind die Matschlöcher.“

Was Maximilian Doll und sein 16-jähriger Bruder treiben, nennt sich Kitelandboarding (KLB) und ist eine relativ junge Extremsportart, die dem Kitesurfing und dem Snowkiting sehr ähnelt. Und die beide Brüder ebenfalls betreiben.

Auf festem Untergrund ausgeübt

Im Gegensatz zu den Surfern, die sich im Wasser oder auf dem Schnee von einer Art Lenkdrachen ziehen lassen, wird das Kitelandboarding indes – wie der Name schon sagt – auf Land, also festem Untergrund ausgeübt.

Vor vier Jahren lernten die Eppertshäuser Buben, die beide in die Oberstufe des Dieburger Alfred-Delp-Gymnasiums gehen, das Kitesurfen auf dem Wasser bei Oma und Opa am Steinhuder Meer nahe Hannover kennen. „Wir waren begeistert und buchten in den nächsten Sommerferien gleich einen Kurs am Meer“, berichten die Jungen.

Alsbald wurde auch das erste Brett und der erste Schirm für die diese eher feuchte Sportart gekauft. Das zweite folgte schnell, und die beiden hessischen Landratten zog es in jeder schulfreien Ferienzeit fortan hinaus auf See oder ans Meer. Und auch im Schnee standen sie nun auf dem Board.

Auslauf für die Bewegungsfanatiker

Maximilian Doll in Montur.

Doch die wenigen Wochen im Sommer oder einige verlängerte Wochenenden beim Opa waren schnell zu wenig Auslauf für die Bewegungsfanatiker. „Wir schauten nach Alternativen und stießen auf das Kiten an Land“, sagt Lukas. Vor einem Jahr entdeckten die auch im „ganz normalen“ Skatefahren Bewanderten den erweiterten Kitespaß. Der allerdings ist, wie auch der Funsport auf dem Wasser, nicht eben billig.

Vor drei Monaten schlugen sie – dank Sponsoring durch Papa Bernhard (46) – zu. Ein 300 Euro teures Allterrainboard (ATB) wurde zur Wasserausrüstung hinzugekauft. Plus einige andere, notwendige Extras wie Helme und Protektoren, die an Land unabdingbare Sicherheitsaccessoires sind.

Das ATB ist ein übergroßes Skateboard und mit entsprechend großen (acht Zoll), luftgefüllten Reifen versehen. Sie ermöglichen es dem Fahrer, auch auf Wiesen, Schotterplätzen und Feldern mit kleinen Unebenheiten zu fahren. Halt finden die Füße in Bindungen. Die Kites, auch Lenkmatten genannt, sind stablose Drachen mit luftaufgepumpten Flügelprofilen. Bei entsprechendem Wind bauen diese Segel enormen Zug auf, der hohe und weite Sprünge ermöglicht.

Bilder: Kitesurfen an Land

Kitesurfen an Land

„Man braucht schon ein immenses Gefühl fürs Gleichgewicht“, sagt Lukas. Ihm und seinem Bruder kommen beim Landbording die Kenntnisse vom Skaten und Wasserkiten zugute. „Zunächst braucht man fürs Kiten – egal auf welchem Untergrund – die Brettkontrolle“, sagt Maximilian. Die müsse sein, wolle man auch noch den Schirm beherrschen. Und Letzteres lernten beide zunächst mal auf dem Trockenen und ohne jegliches Brett unter den Füßen.

Dazu braucht es eine Bar. So heißt die 30 bis 45 Zentimeter lange Lenk-Stange, auf die der aufgepumpte Schirm reagiert. Und man steckt im Geschirr, ähnlich einem Kletterer.

Grundvoraussetzung fürs Kitelandboarding ist das Beherrschen der gepolsterten Arten. Und wagt man sich mit diesem Sport aufs Land, so ist eine „große, weite Fläche ohne Windabdeckung“ nötig. Kein Haus oder Wald sollte nahe des Kiteplatzes sein, ein konstanter Grundzug durch Wind ist nötig. Der darf nicht plötzlich abbrechen. Und ganz wichtig: Starkstromleitungen sollten ebenfalls in weiter Ferne sein. „Sonst war’s schnell der letzte Luftsprung“, sagt Maximilian.

Quelle: op-online.de

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