„Klein, aber immer wieder schön“

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Auch Engel gab es auf dem Weihnachtsmarkt. Sie erfüllten Wünsche für einen lokalen Kindergarten.

Eppertshausen - Ein Weihnachtsmarkt kann auch ohne weißes Kleid und klirrende Kälte gefallen. Am Samstag wurde der Glühwein auf dem Franz-Gruber-Platz ganz frei von Schneeflocken genossen.

Einige Besucher schienen sogar froh, dass der erste Wintereinbruch der Saison wieder vorüber ist: „Ich habe die letzten Tage schon genug gefroren und Schnee geräumt“, sagt Ellen Arnold aus Rödermark.

Wie die Jahre zuvor erzeugten im Herzen der Gemeinde vor allem die lokalen Vereine und Gruppen Adventsstimmung an den insgesamt 42 Buden. Mit einem riesigen, beheizten Zelt machte das Partnerschaftskomitee Chaource Eindruck und bot mit Blick auf die wenigen Sitzmöglichkeiten des Marktes eine willkommene Anlaufstelle. Fast ein halbes Holzhaus hatte der Feuerwehrverein platziert. Im Gegensatz zur Jugendwehr, die seit vielen Jahren zum Markt gehört, ist der Feuerwehrverein mit seiner Premiere 2011 noch ein Neuling. „Unsere Leute wollen kochen“, sagte Jürgen Müller und verwies auf die jüngst angeschaffte Feldküche. In der garte am Samstag ein Gyros und am Sonntag Erbsensuppe. „Dazu bedeutet so ein Termin Kontakt zur Bevölkerung. Der ist uns wichtig“, so Müller.

Ein paar Meter weiter setzte der Gewerbeverein das Feuer effektvoll in Szene. Mit über 50-prozentigem Rum begoss Michael Wildhirt den karamellisierenden Zuckerhut, der brennend in die Feuerzangenbowle tropfte. Der trockene Rotwein mit Früchten und Gewürzen wurde über einer Feuerstelle erhitzt. „Das hat sich zu einem Höhepunkt des Marktes entwickelt“, berichtete Wildhirt. Nur zu warm sei sein Job, denn ab und zu herrsche Saunaatmosphäre. Dazu fühle man sich durch den Rauch des Feuers manchmal wie ein Nichtraucher in einer Raucherkneipe.

Während Wildhirt den Herren der Feuerzangenbowle verkörpert, ist Dieter Hüllmandel der Herr des Marktes. Seit 26 Jahren und damit von Anfang an liegt die Organisation in seinen Händen. „Die meisten Stände kommen von Einheimischen“ erzählte der Rathausmitarbeiter. Dennoch benötige es Profis, da gewisse Sortimente, wie etwa gebrannte Mandeln, die lokalen Teilnehmer nicht bieten. Fast alle Beschicker seien Stammkunden, erklärte er, und freuten sich, wenn im September die Einladung zum nächsten Weihnachtsmarkt kommt.

Jedes Jahr ein großer Anlaufpunkt: Der Stand mit den Lammbratwürstchen von Peter Wunderlich und Stefan Buchheim. Der Gärtnermeister und der Pilot trafen mit ihrer Idee vor ein paar Jahren ins Schwarze.

„Die Geschäfte laufen gut“, wagte Brigitte Steinmetz vom DRK am Samstag ein erstes Fazit. Sie hatte Glühwein und „Waffel-Lollies“. Den Waffelteig am Spieß gab es für 1,50 Euro wahlweise mit Schinken, Salami, Pepperoni, Käse, Ananas, Kirschen oder Bananen gefüllt. Die meisten Besucher äußerten sich positiv über den Markt. „Er ist klein, aber immer wieder schön“, sagte Sabine Münch, die mit ihrem Klaus und einem befreundeten Paar gekommen war. Gemeinsam schaut das Quartett jedes Jahr vorbei. Heike Caps (47) schnupperte bereits Weihnachtsatmosphäre in Groß-Umstadt und Dreieichenhain. „Trotz der Romantik in der Schlossruine Dreieichenhain: Eppertshausen ist gemütlicher!“, sagte sie. Mit der Feuerzangenbowle und den Lammbratwürstchen von Stefan Buchheim hatte sie schon einen Fahrplan, wie es weitergeht.

„Wir finden den Markt schon aus lokalpatriotischen Gründen gut. Freunde von uns haben einen Stand“, meinten Mera Brockhage (19) und Christine Bronzel (19). Den Ritterschlag bekam der Markt von ihrer Freundin Lucinda Egner. Die 18-Jährige kommt aus Hockenheim. „Als angehende Au-Pairs haben sich die ehemaligen Schülerinnen kennengelernt. „Der Weihnachtsmarkt in Schwetzingen geht noch, aber in Hockenheim ist‘s eher langweilig“, meinte Egner. Die Begründung, die darauf in der Runde aufkommt, klingt einleuchtend: „In Hockenheim fährt man eben lieber im Kreis.“ 

mj

Quelle: op-online.de

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